Review

High Plains

Cinderland

Kranky • 2017

Kognitive Dissonanz war in der Musikgeschichte häufiger ein fruchtbarer Boden für Werke. In dem Fall von »Cinderland«, scheint es nicht anders. Die Prämisse der ersten Kooperation auf Albumlänge der beiden Musiker Scott Morgan und Mark Bridges wirkt im besten Sinne weit hergeholt. Während man in der bergigen Gegend des Bundesstaates Montana sich in einer alten Schule niederließ, träumt man von Hawaii, von hippie-eskem Leben. Scott Morgan, den man wahrscheinlich besser unter dem Namen Loscil kennt, ist jedoch bekannt für detailliert konstruierte Konzeptalben. Nicht nur der Himmel, oder die sub-atomare Ebene, auch U-Boote haben schon herhalten dürfen als Träger von Bedeutung und Musik.

Der am weitesten gedachte Versuch Musik aus ihren Grenzen zu heben, ist gleichzeitig auch der Startmoment dieses Musiker-Duos: Morgan beauftragte den bekannten Kammer-Cellisten Bridges für seine Musik-EP-App »Adrift«. Hier versuchte er der Grenzen- und Zügellosigkeit, die ambienter Musik manchmal implizit ist, mit nicht enden wollenden Tracks beizukommen – die Loops stellen sich endlos immer wieder neu zusammen. In der Arbeit des Duos High Plains begibt man sich jedoch wieder in bekanntere Form. Hier ist man mal drei Minuten lang, da sechseinhalb. Alles im Rahmen also. Es erwarten einen Soundtrack-hafte Stücke zwischen elektronischer Avantgarde, Neuer Meisterschaft und Field-Recording-Ambient. Im Vordergrund steht die Melange aus Bridges Cello und dem vorgefundenem Piano. Und das machen die beiden auch sehr gut. Staubige, trockene Ebenen aus Geisterstadt-Musik ergeben sich; unfreundlich aus der Ferne strahlend. Man denkt unweigerlich an grandiose Schnee-Western wie Tarantinos »Hateful Eight« … doch an eines denkt man nicht: an Hawaii. Ob man damit leben kann, muss jeder selbst entscheiden.

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High Plains
Cinderland
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