Review

Joasihno

A Lie

Alien Transistor • 2013

So exotisch der Name auch klingen mag, kommt sein Träger jedoch aus dem Umland des oberbayrischen Eichstätt, das so überschaubar wie sein Sound ist. Harmonisch wird durchgängig derselbe, geradlinige Autobahnabschnitt zwischen Tonika und Quinte abgefahren, wie man das halt so in der Pop-Musik macht. Joasihno selbst zieht den Vergleich zu den rechteckig angelegten Äckern, die das Bild seiner Heimat definieren. So mathematisch akkurat diese auch bestellt werden können, findet zwischen ihnen doch das wahre Leben statt. Wo im Pop aber all zu oft auf Gedeih und Verderb gezüchtet und gestutzt wird, bis dass das Ergebnis so geeicht und genormt wie ein Stahlträger erscheint, kultiviert Joasihno seine Zöglinge mit viel Liebe und gibt ihnen den nötigen Freiraum um sich gesund zu entfalten. Das diverse Saatgut hat er aus Island und England importiert, es hat aber unter seiner Pflege das Zeug dazu, zum heimischen Exportschlager zu werden. Improvisatorisch geben seine Arpeggiator Automationen vielleicht nicht viel her. Wenn er dann aber mal selbst zu den Schlegeln greift, wird überdeutlich wie viel interpretativen Tiefgang er besitzt. Und mal von der harmonischen und rhythmischen Einfältigkeit abgesehen, die lediglich die Rahmenhandlung absteckt, wird binnen weniger Songs schnell klar, dass trotz aller Offensichtlichkeiten in der Kapitelübersicht, es jede Menge zwischen den Zeilen zu lesen gibt.

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