Der Name Joe Henderson schießt nicht unbedingt sofort ins Gedächtnis, wenn es um die großen Tenorsaxofonisten der 60er-Jahre geht. Warum er trotzdem in die Liga gehört, in der John Coltrane und Sonny Rollins spielen, zeigt Tetragon. Es ist Hendersons zweites und bestes Album für das Milestone-Label. Die Besonderheit: Der Saxofonist spielt zusammen mit Bassist Ron Carter in zwei unterschiedlichen Line-ups: mit Pianist Don Friedman und Schlagzeuger Jack DeJohnette im einen und mit Pianist Kenny Barron und Schlagzeuger Louis Hayes im anderen.
Egal, zu welchen stilistischen Schlenkern sich Henderson aufschwingt, die beiden Rhythm Sections begleiten ihn mit geschmeidigem Spiel, das einen schönen Kontrast zu seinem harten, mitunter messerscharfen Ton auf dem Tenorsaxofon bietet. Beim vollkommen improvisierten »The Bead Game« soliert sich Joe Henderson mit wahnsinniger Geschwindigkeit der Zukunft des Jazz entgegen. Tetragon ist ein Meisterwerk aus der Endphase des Post Bop, das zu einer Zeit veröffentlicht wurde, in der der Modern Jazz gar nicht mehr so modern war, weil Free, Spiritual und Electric Jazz längst da waren oder schon an die Tür geklopft hatten.

Tetragon
