Kanye West

Yeezus

Def Jam • 2013

Die Leiden des Egomanen Kanye W. gehen weiter, mittlerweile auf seinem sechsten Album. Promo für das Ding? Fehlanzeige. Und das ist bei Kanye West in diesem Fall tatsächlich mal ein deutliche Ansage. Keine Singles, keine Videos – es soll auf »Yeezus« ausschließlich um die Musik gehen. Genau das dürfte für lange Gesichter sorgen, denn im Gegensatz zum Vorgänger »My Beautiful Dark Twisted Fantasy« hat der 21-fache Grammy-Gewinner auf diesem Album den Bombast runtergedreht. Gerade einmal 40 Minuten Laufzeit und zehn Tracks hat »Yeezus« im Aufgebot, die weniger mit Pop und mehr mit Experiment zu tun haben. Wenn West in »I am a God« fabuliert, wie er mit Jesus redet, lautet die Schlussfolgerung daraus: »I know he the most high, but I am close high.« Genau diese Zerrissenheit, dieser Wahnsinn, dieses Ego machen »Yeezus« so außergewöhnlich. Machen wir niemandem was vor: Wüsste die westliche Welt nicht, dass dieses Album von Kanye West kommt, wären die Reaktionen deutlich verhaltener. »Blood On The Leaves« pumpt zwar einen ziemlich dicken Beat, aber Autotune wird dadurch auch nicht erträglicher. Dafür gibt es auf diesem Album Brechstangensounds wie in »Send it up«, die das alles wieder aufwiegen, die anstrengen, die sich ins Hirn mit Drum Machine und Synthies bohren. Wie »I am a God« zeichnet sich auch in diesem Track deutlich der Einfluss von Industrial und Noise ab, auch wenn Kanye West das in hörbare und einfache Strukturen überführt. Diese Kniffe sind nicht neu, aber hier kompromisslos umgesetzt. Noch nie hat das jemand so konsequent in den populären US-HipHop übertragen wie in diesen Tracks. »But I’d rather be a dick than a swallower«, heißt es in »New Slaves« dazu. An »Yeezus« dürfte aus der Ecke in der Tat lange Zeit nichts reichen. Dagegen schließt dann »Bound 2« dieses Album mit leichtem Sample auf fast konventionelle Art. »Yeezus« ist zerrissen zwischen Eingängigkeit und Verweigerung, zwischen Pop und Kunst – wie sein Schöpfer, der seinen eigenen Mythos mit diesem Album weiter ausgebaut hat. Fortsetzung folgt. Und die spannende Frage nach »Yeezus«: Wofür ist das hier eigentlich alles Prequel?

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