Elisabeth Klinck hat sich zwar seit 2022 mit drei Soloalben einen Namen gemacht, doch ist die belgische Violinistin und Sängerin eine Teamplayerin. Nach einem – verwirrenderweise unter dem Namen Isabelle Lewis veröffentlichten – Kollaborationsalbum mit Benjamin Abel Meirhaeghe und Valgeir Sigurðsson macht die Komponistin und Improv-Musikerin nun für My Hair Is Everywhere mit Maya Dhondt am Klavier und Adia Vanheerentals am Saxofon gemeinsame Sache, wobei sich die drei am Mikrofon abwechseln.
Der Name des Klinck Trios mag streng nach klassischer Jazzband-Hierarchie riechen, doch die Musik verströmt ab den ersten Augenblicken an eine ganz andere, viel kollektivere Duftnote. Violine und Gesang verhakeln sich in einem Unisono, Saxofon und Klavier rahmen die wortlosen, melancholischen Melodien rhythmisch ein. Hier dürfte nichts fehlen, hier bilden alle Einzelteile ein Ganzes, das trotz seiner Bescheidenheit so viel größer ist als die Summe seiner Teile. So geht es weiter durch ein Album, das sich seine Inspiration vom Jazz ebenso wie von postminimalistischen Traditionen nimmt.
My Hair Is Everywhere ist ein intimes Album, nicht nur hinsichtlich des Miteinanders dreier aufeinander eingespielten Ausnahmemusikerinnen, die einander behutsam zuhören. Es entfaltet sich langsam – der Titeltrack ist 17 ½ Minuten lang – und nähert sich konzentrisch dem Kern der einzelnen Stücke, um deren emotionale Qualitäten freizulegen. Ein stiller Sturm der Gefühle, brillantes Teamwork.

My Hair Is Everywhere