Review

Lupe Fiasco

Lupe Fiasco’s The Cool

Atlantic • 2008

Lupe Fiasco ist ein herausragender Rapper. So beschlagen, dass er sogar Geschichten aus der Perspektive eines Cheeseburgers erzählen kann (»Gotta Eat«). So talentiert, dass ihm sogar verziehen wurde, A Tribe Called Quest konsequent zu ignorieren, ihnen dann aber im bundesweiten Fernsehen zu huldigen und prompt Phifes Verse zu verkacken. So gut, dass selbst die Dad-Rock-Presse »Food & Liquor« als eines der drei Rap-Alben 2006 auserkoren hatte, das auch Tocotronic-Snobs in ihrer Jahres-Top20 haben durften. Weil der doch nicht nur von Knarren, Ketten und Silikon erzählte und diese drollige Skateboard/Crack Allegorie »Kick Push« hatte. Eins vorneweg: Lupe Fiasco ist auf »The Cool« ein noch besserer Rapper geworden. Es grenzt schon fast an Unverschämtheit wie er auf »Dumb It Down« eben jenes Phänomen thematisiert, zu dem sich Jay-Z vielleicht als erster öffentlich bekannte und dabei gleichzeitig all die Trapper und Ringtoner lyrisch gnadenlos an die Wand nagelt. »Paris, Tokyo« zeigt gar, zu welch großartigen Native-Tongues-Huldigungen dieser Jungspund aus Chicago im Stande ist, ohne sich mit »Midnight Marauders« auseinandergesetzt zu haben. Das ABER bleibt dennoch nicht aus. Was sich schon auf »Food & Liquor« andeutete, findet hier seine Fortsetzung: American Idol-Hooklines und – glücklicherweise weniger häufig – in Mittelmäßigkeit versinkende Beats überschatten immer wieder Lupes virtuose Reimstafetten. So fesselnd und kreativ das Konzept hinter »The Cool« auch sein mag: an Tim McGraw und Linkin Park möchte man sich zwischen brillantem Metaphern-Hagel, Alliterations-Wahnsinn und Doubletime-Gewitter dann doch nicht erinnert fühlen.