Review

Otto Luening & Vladimir Ussachevsky

Tape Recorder Music

Cacaphonic • 2013

Als Otto Luening und Vladimir Ussachevsky Anfang der 1950er das erste Konzert für Tonbandmusik auf amerikanischen Boden, genauer gesagt im Museum Of Modern Art in New York aufführten, ging es ihnen vor allen Dingen um die Manipulation des gegebenen Materials. Jahrzehnte vor der Verbreitung digitaler Bearbeitungsmöglichkeiten wurde alles daran gesetzt, die Herkunft der abgespielten Klänge möglichst zu verwischen. Man hört ein dumpfes Grummeln, dann wieder schneidend-helle Spulorgien und rasende Tonläufe, alles eingebettet in einen Raum voll schwingender Echos. Dass es sich hier um Aufnahmen von Flöte und Klavier handelt, kann auch ein heutiges Ohr nicht immer einwandfrei erkennen. Düster und zugleich etwas verspielt, klingen die ersten fünf Stücke, die mit überwiegend kurzen Spielzeiten den Einstieg erheblich erleichtern. Damit kommen wir zu dem vielleicht wichtigsten Punkt, den man über diese Scheibe sagen kann: Hier gibt es experimentelle Musik, die auch ohne Fußnoten, also losgelöst vom historischen Kontext genossen werden kann. Im Gegensatz beispielsweise zu ihrem französischen Zeitgenosse Pierre Henry dessen Werke zum Teil ebenfalls auf Cacophonic wiederveröffentlicht worden sind, ist die akustische Weltraumfahrt von Luening und Ussachevsky erheblich eingängiger, weniger sperrig. Anders verhält es sich allerdings mit dem 14-minütigen Bonustrack »Poem In Cycles And Bells«, bei dem die gleiche Technik an Aufnahmen des Königlichen Dänischen Radio Orchesters ausprobiert wurde. In den klareren Momenten ist es die reinste Filmmusik, zum Ende hin jedoch überlagern sich die Spuren zu einem erstmal recht wirrem Konstrukt. Mehrmaliges Anhören ist demnach unabdingbar.

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Otto Luenig & Vladimir Ussachevsky
Tape Recorder Music
ab 17.99€