Pablo Mateo

Second Exit

FFF • 2016

So langsam reicht es ja in Sachen Hochglanz-Dystopie. Die neue, schwarztransparent bekleidete Freudlosigkeit im Techno regiert schon lang genug die Dancefloors dieser Welt (sprich Berlin, irgendwo an der Grenze von Kreuzberg zu Friedrichshain). Nicht, dass Pablo Mateo mit seinen Releases auf LACKREC., Curle oder Die Orakel massiv dagegen angesteuert hätte. Aber er setzt mit seinem emotiven, lushen Sound ganz andere, frische Akzente. Sein Beitrag zum 777-Sublabel FFF ist zugleich als Ansage des eher breakig-housig orientierten Mutterschiffs zu verstehen: Hier kommt Techno und der macht überdies sogar Spaß. Denn das tut »Second Exit« auf mehreren Ebenen. Einerseits, weil er sich dem 128bpm-Diktat querstellt und das Tempo herunterschraubt. »Second Exit« arbeitet sich langsam an seinem markanten Synth-Motiv ab, räumt dem Pathos viel Raum ein. Musik, zu der Umarmungen verteilt werden können. Das Beste aus Gloss-Techno und Emo-House vereint, abzüglich des ornamentalen Brimboriums drum herum. Angenehm unprätentiös, durch und durch euphorisch. Ein bescheidener Hit. Was die Peak-Time-Entschleunigungskur auf der A-Seite ist, das führt sich auf der B-Seite noch extremer fort: »Zwei Körper« ist ein flächenverschiebendes Ambient-Stück, auf dem Pablo Mateo seinem Talent für dichte Texturen über gut elf Minuten seinen freien Lauf lässt. Im Kontext einer solchen Single vielleicht eher als Set-Opener oder –Closer zu denken oder gar als Mini-Manifest zur Wiedereinführung beatbefreiter Entspannungsoasen im Clubkosmos. Sich mal gehörig zu entspannen, das würde der Techno-Szene ja ebenfalls gut tun.