Review

Romare

Fantasy

You See • 2022

Ein bisschen weiß man beim britischen Produzenten Archie Fairhurst alias Romare schon im Voraus, was einen in dessen Musik erwartet. Was bei Musikern ja nichts völlig Ungewöhnliches ist. Doch sollte man das mit dem „ein bisschen“ durchaus ernst nehmen. Waren Romares frühe Produktionen noch heftig zusammengesamplete Collagen, hat er die akustische Probenentnahme über die Jahre stark reduziert oder, wie man heute sagen würde, sich aufs microdosing verlegt. Auf »Fantasy«, seinem vierten Album, führt er den Ansatz von „Home“ fort und verwendet mehr seine eigenen Instrumente, singt sogar selbst, während die Samples in seinen Tracks, oder Songs, vor allem Stimmen sind, die er sehr gezielt einsetzt. Im ersten Stück »Quiet Corners of My Mind« etwa stammen die Worte des Titels überwiegend aus dem Song »When You Belong to Me« von Nat King Cole, von Romare mit Dub-Mitteln als hallender Gesangsschnipsel in eine stark abgespeckte, von Echos durchzogene R&B-Nummer mit gemächlichem Breakbeat eingearbeitet. Andere Nummern haben etwas von abstrahierten House-Studien, »Dungeon« ist ein Ungetüm zwischen Tanz und rhythmischen Impulsen für die inneren Vorstellungen – Fantasyfilme mit ihren Monstern sollen eine Inspiration für die Platte gewesen sein. Zwischen diesen beiden Polen, fragmentiertem Soul einerseits und Laborversuchen in Sachen Clubmusik andererseits, bewegt sich der Großteil des Materials. Romares große Fähigkeit kommt auch diesmal würdig zur Geltung: spielerisch mit seinen Quellen umgehen, ohne sie zur reinen Spielerei werden zu lassen. Und der Clubmusik zugleich etwas Spielerisches zu verleihen, ohne den eigentlichen Zweck, die Leute zum Tanzen zu bringen, aus dem Auge zu verlieren.

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