Review

Saint Abdullah & Eomac

Chasing Stateless

Planet µ • 2023

»I always felt that the intensity of the middle eastern soul needs to be revealed more potently. Ian and the Irish have it too. I suspect most historically oppressed cultures do.« Diese Worte stammen von Mohammad, einer Hälfte des iranisch-kanadischen Brüderduos Saint Abdullah. Zusammen mit Eomac, ihrem irischen Kollaborationspartner, haben sie das Album »Chasing Stateless« produziert. Darauf zu hören: Stark verzerrte Beats, darüber Vocal-Samples aus dem Mittleren Osten. Teils klingt das verhalten und auf die Stimmen fokussiert, auf Tracks wie »Of Christo« entspinnt sich über scharfkantigen Breaks dank traumhafter Lo-Fi-House-Pads, rasanten Dafs und wie bei Nicolas Jaars Projekt Agains All Logic im Dialog stehenden, die Melodie bestimmenden Samples ein mächtiger Groove. Der lebt gerade von seiner Rohheit und seiner gewaltigen Distortion, es breiten sich zerfetzte Sample-Flickenteppiche von unwahrscheinlicher, brachialer Schönheit aus. Vor dem Hintergrund aktueller Geschehnisse sind die Tracks mit plakativen Namen wie »Frequently Fugitive«, »No Negotiations And No Dialogue« oder »Lonely Is Our Non-Existent House Yard«, die in ihrer Dringlichkeit an Muslimgauze erinnern, aber nur schwer zu genießen. Ohne dass die Interpreten allzu offen Partei ergreifen würden, zieht sich eine konstant hohe Aggressivität durch dieses starke Album, die momentan leider befremdlich anmutet. Stücke wie das ergreifende »Sunday Painter« mit seinem abgerundeten, polyrhythmischen Beat und sanften Pianotupfern helfen da.