Review

The Roots

Rising Down

Def Jam • 2008

Seitenscheitel-Snobbismus Teil 4127: »Hip Hop? Kinderkacke! Aber die Roots find ich gut.« Dass die Posse um ?uestlove und Black Thought seit Jahren solch eine Ausnahmestellung für sich reklamieren kann, liegt primär an Konzerten, die dieser Bezeichnung auch gerecht werden, allerdings auch an Alben wie Rising Down. Der mittlerweile zehnte Streich ist weder so radikal wie Phrenology, noch so sendungsbewusst wie Game Theory; zwar Keyboard- und Drumbreak-lastig, aber nicht so zugänglich und unbeschwert wie The Tipping Point. Auf Rising Down gibt Black Thought nach längerer Zeit das Mikro wieder regelmäßig weiter. Ob an die erweiterte Familie um Malik B, Dice Raw und Peedi, Hochpräzisionsspitter wie Wale, Styles P und Saigon oder die Gutmenschkoalition (Mos Def, Kweli, Common) spielt hierbei keine Rolle, weil jeder weiß, was auf dem Spiel steht. Gerade die lange Gästeliste gibt Black Thoughts Versen noch mehr Gewicht und verleiht Rising Down beinahe eine Wu-Tang’eske Dynamik, insbesondere wenn ?uestlove dazu die Felle mit knochentrockenen Marley Marl-Verneigungen malträtiert und Kamal die Synthies in »D.P.’s got that crazy shit«’sche Dimensionen aufdreht. Zudem versteht es das Philly-Kollektiv wie derzeit kaum jemand in Hip-Hop-Hausen im Albumformat zu denken. Zurückgelehntes wie Criminal reagiert mit dem reduzierten Boom Bap von Rising Down und dem »Critical Beatdown«-Klon 75 Bars, eine synthetische Hymne wie Get Busy schließt den organischen Gospel von Rising Up nicht aus. Auch wenn nicht jede Hookline zündet und die MCs Weedcarrier P.O.R.N. und Truck gegen die A-Prominenz gehörig abschmieren, bleibt es dabei: ein erneut zwingendes Album!