Review

Tolouse Low Trax

Leave Me Alone

Bureau B • 2023

Auch auf seinem fünften Album als Tolouse Low Trax lässt Detlef Weinrich den konventionellen Club einmal mehr links liegen. »Leave Me Alone« klingt über weite Strecken so einsam wie sein Name. Eigenwillige Klangkonstruktionen, deren Bestandteile nicht unbedingt füreinander geschaffen scheinen, machen den Großteil der Tracks aus. Auf »How To Beat The Sea« kollidieren, provokant in den Hintergrund gemischt, schiefe Melodiefragmente, im Vordergrund wetteifern hallende Kicks und Snares, die man eigentlich nicht als solche bezeichnen würde. Selbst ein nicht einmal zweiminütiges Stück wie »Gates« wirkt nicht wie am Reißbrett entworfen, sondern wie ein dadaistisches Kunstwerk collagiert. Was da an manchen Stellen erklingt, scheint völlig willkürlich aneinandergereiht. Anders verhält es sich bei Stücken wie »Impure Nature«, das von Sprechgesang im Stile des alten »Mercy Seat«-Nick Cave, einer mechanischen Basslinie und disharmonischen, abgehackten Klavieranschlägen geprägt ist. Beim Instrumentalstück »I Prefer Not To« geht die Formel auf: Zum ersten Mal auf dem Album entwickelt sich so etwas wie ein beständiger, funktionaler Funk, den Weinrich zwar wieder aus skurrilen Zutaten zusammengebastelt hat, der aber zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Das funktioniert auch auf »Ossia« mit seinen fordernden, sinnlichen Vocals ganz gut. Obwohl Tolouse Low Trax beispielsweise auf »White Flicker« dem Dub huldigt, muss »Leave Me Alone« ohne druckvolles Low End auskommen. Ein weiteres Stilmittel, das diese LP für den Tanz im Abnormen prädestiniert.