Eigentlich müsste jede noch so obskure Platte des japanischen Undergrounds der 1980er-Jahre längst neu gemastert und neu verpackt worden sein. Doch mit Ausnahme von Mariah und Yasuaki Shimizus Schaffen als Solokünstler hat sich der reissue industrial complex bisher kaum an die abenteuerliche New-Wave-Bewegung des Landes herangetraut. Die Compilation Japanese New Wave On Dub 1980–1985 wurde vom in Berlin lebenden DJ Yuzo Itwara für das Sound-Metaphors-Sublabel Miss You zusammengestellt und rückt einen hyperspezifischen Trend innerhalb dieser Szene in den Fokus.
Reggae und Dub wurden in Japan mit offenen Armen empfangen, was auch die New-Wave-Bewegung prägte. Deren Vorreiter waren die sogenannten Tokyo Rockers, die sich gleichermaßen von Art-Rock und Punk inspirieren ließen. Von ihnen sind Lizard und Concretes auf dieser Compilation vertreten, auf der sonst neben The Air Music International, EP-4 und Singer-Songwriter Masumi Hara nur relativ kurzlebige und/oder gänzlich unbekannte Gruppen zu hören sind. Als gleichgesinnte britische Bands wie The Slits sich Dub und Reggae freimütig näherten, integrierten sie Sounds dieser Genres in stilechterer Form in ihre eigene Musik.
Im Ergebnis klingt das dennoch wunderbar weird. Die verspielten Funk-Riddims von So-Do, die schwindelerregende Reggae-Punk-Collage von Lizard und der Quasi-Kraut-Dub der Bananarians sind drei klare Höhepunkte einer Compilation, die sich einer sträflich übersehenen Strömung japanischer Musik widmet. Davon gerne mehr.

Japanese New Wave On Dub 1980 - 1985