Als das Label XKatedral im Jahr 2015 gegründet wurde, hatten außerhalb von Stockholm nur wenige von den jungen Künstler:innen gehört, denen es als Plattform diente. Mehr als ein Jahrzehnt später sind Kali Malone, Maria W Horn oder Mats Erlandsson zu Gesichtern einer neuen Strömung zeitgenössischer komponierter Musik geworden. Mit unterschiedlichen Mitteln – oft aber unter Hinzunahme von Orgeln – hat die lose Gruppe gemeinsam eine neue Ästhetik geschaffen: Drone-Musik, die Entschleunigung versprach, während sich die Welt mit rasender Geschwindigkeit bewegte. Éliane Radigue oder die Deep-Listening-Pionierin Pauline Oliveros, der die XKatedral-Supergroup Golden Offence Orchestra 2017 Tribut zollte, sind zentrale Einflüsse.
XKatedral Anthology Series I ist der erste von drei Compilation-Teilen, die Perlen aus dem Backkatalog wieder zugänglich machen. Die sechs Stücke entstanden zwischen 2010 und 2020 und wurden vor allem auf frühen DIY-Tapes veröffentlicht. Kristoffer Svenssons Gamelan-inspirierte Vignette und der synapsensprengende Kollaborations-Track von Caterina Barbieri und Kali Malone fokussieren sich auf rhythmische Experimente, andere aber widmen sich dem maximalistischen Minimalismus, mit dem XKatedral assoziiert wird. Paradebeispiel: Marta Forsbergs »Disquiet (Heart)«, das auf klanglichen Ambiguitäten aufbaut – ist das ein Streichquartett, eine Kirchenorgel, ein Synthesizer? – und alternative Stimmungen erkundet. Hypnotische, sogkräftige Musik – ein Highlight in einem Label-Katalog, der die Wiederentdeckung wert ist.

Xkatedral Anthology Series I