Music Review | verfasst 20.08.2019
MR TC & Lo Kindre
Phase001
Phase Group, 2019
Text Lars Fleischmann
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8.3
Redaktion
Cover MR TC & Lo Kindre - Phase001

Der französische Fotograf und Filmemacher Raymond Depardon wurde 1980 von den Redakteuren des Sunday Times Magazin gefragt, ob er nicht Glasgow besuchen wolle. Die größte schottische Stadt war damals, beschönigend gesagt, runtergerockt. Depardon fing in beeindruckenden Bildern die slumhaften Wohnviertel ein, manchmal intim, berührend, dann wieder nahezu technokratisch-architektonisch. Wer diese Bilder von spielenden Kindern in schlammigen Straßen gesehen hat, wird schlucken müssen. Und auch wenn sich Glasgow mittlerweile zu einer modernen Stadt entwickelt hat, kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die ärmliche Geschichte des Strukturwandels immer noch Kulisse der heimischen Techno-Szene ist. Ob Optimo oder eben die beiden Newcomer MR TC und Lo Kindre – Kids, we call it Arbeiter-Musik. Der starke Einfluss vor allen Dingen von Wave ist bei den meisten Acts hörbar und greifbar. Ob Phase Group, das frisch aus der Traufe gehobene Label der beiden Produzenten, gänzlich dieser fast schon erotisch-aufgeladenen Sound-Ehe verschrieben sein wird, bleibt abzuwarten. Die Nummer 001, die gleich »Phase001« heißt, lässt derzeit keine Zweifel offen. Sowohl MR TC, als auch Lo Kindre, stehen den analogen Synth-Wave-Tracks seit jeher äußerst affirmativ entgegen. Ob auf Optimo, Hard Fist aus Lyon oder auch Neubau aus Wien: Ein Sound wird zum Exportgut. Da wird auch der Brexit wenig dran ändern und das zeigen die beiden. »The Watching Eyes«, der Opener, beweist mit Nachdruck, dass man weiß, wie Drum-Machines, knurrige Synths und erratische Flüster-Vocals (auf deutsch – warum zum Teufel singen die jetzt alle auf fucking Deutsch?) miteinander zu vereinen sind. Der Track ist magisch-hypnotisch und zieht ordentlich an den Ohren – gepflegt bei runtergekurbelter BPM- und Umdrehungszahl. Bei »The Knee« erzählt einem der Arpeggiator des Monosynthesizers von schweißigen Jams in den Kellern verlassener Gebäude; und auch die B-Seite bleibt sich treu und unverkniffen ruppig, wie gut. Also nochmal schnell nach Glasgow bevor es schwieriger wird und bis dahin ordentlich »Phase«-Soundtrack in die Gehörgänge hämmern.

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