Weil in ihrer Heimat USA die Auftrittsmöglichkeiten und die Akzeptanz des Publikums fehlen, ziehen die Musiker des Art Ensemble Of Chicago im Juni 1969 nach Paris. Dort trifft ihre multistilistische experimentelle Musik auf ein dankbares Publikum und auf Plattenlabels, denen nicht erst erklärt werden muss, dass Jazz auch anders als Louis Armstrong klingen kann. Während des knapp zweijährigen Frankreich-Aufenthalts entstehen mehr als ein Dutzend Alben, People In Sorrow ist eines der ersten davon. Mit dem Titelstück, das sich über zwei LP-Seiten erstreckt, gelingt Trompeter Lester Bowie, Bassist Malachi Favors, Joseph Jarman und Roscoe Mitchell an diversen Blas- und Percussioninstrumenten ein Musterbeispiel der freien Kollektivimprovisation.
Free Jazz, afrikanische Musik, europäische Kunstmusik und Klassik verschmelzen in einer musikalischen Erzählung, die über 40 Minuten zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Vor allem die »little instruments«, die Percussioninstrumente und die Nicht-Instrumente, prägen den Sound: Irgendwo klingelt immer ein Glöckchen, ertönt ein Gong oder scheppert ein Becken. Das kontrastiert die freien Ausbrüche der Blasinstrumente und erzeugt immer wieder einen Spannungsbogen. Nicht zuletzt bringt das Art Ensemble den Faktor Humor in eine Musikrichtung, die gewöhnlich als komplett unlustig gilt.

People In Sorrow