Auf Primordial Mind, dem gemeinsamen Album von Matthew Ramolo alias Khôra und Brandon Miguel Valdivia alias Mas Aya auf dem Label Marionette, eröffnen hölzern-perkussive Schlagfiguren die ersten beiden Stücke und ziehen sich wie ein roter Faden durch den Einstieg der Platte. Und plötzlich ist da eine Erinnerung, die lange Zeit tief im Unterbewusstsein schlummerte: Musikunterricht in der Grundschule. In den Händen zwei Klanghölzer, mit denen man einfach wild draufloslegt und sie zusammenknallt, bis sich intuitiv ein Rhythmus daraus entwickelt. Doch diese Erinnerung erscheint weder naiv noch nostalgisch verklärt. Vielmehr wirkt sie wie eine Rückkehr zu etwas Ursprünglichem: zu einer Form des Musikerlebens, die noch ganz unmittelbar ist und nicht von Alltagsroutinen, Erwartungen oder den Belastungen des Erwachsenseins überlagert wird.
Die Musik wirkt dadurch sehr körperlich und direkt: tribal, rituell, fast so, als würde sie sich aus einem gemeinsamen Ur-Rhythmus speisen. Im Kontext des bisherigen Schaffens der beiden wirkt dieser Ansatz keineswegs wie ein Ausreißer. Sowohl Khôra als auch Mas Aya arbeiten seit Jahren mit rituellen Percussion-Strukturen, außereuropäischen Klangtraditionen, Ambient-Texturen und einer stark spirituell geprägten Klangsprache. Es entsteht das Gefühl, hier werde nicht im klassischen Sinn komponiert, sondern eher gesucht, ausprobiert und in einen natürlichen Fluss gebracht. Im weiteren Verlauf zieht sich das Album dann deutlich zurück in minimalistischere und meditativere Räume. Die Energie wird nicht weniger, aber sie verlagert sich: weg vom unmittelbaren Schlagwerk hin zu langsam fließenden, hypnotischen Strukturen. Gleichzeitig bleibt etwas Verspieltes, fast leicht Irres erhalten: improvisierte Glockenspiele, kleine Klingel- und Geräuschfragmente, die wie zufällig ins Bild fallen, aber trotzdem genau dort sitzen, wo sie sollen.

Primordial Mind