Wenn im letzten Drittel von Sinking ein Track ertönt, der dem Genre gewidmet wurde, dessen Geschichte vieles auf dieser Platte geprägt hat, nur um dann überhaupt nicht danach zu klingen, dann ist das eine Ansage, die einen genaueren Blick wert ist. »Dear Dubstep« ergibt sich nicht den typischen Bassspielereien und grummelnden Beats auf 140 BPM. Es ist ein sachter, spaciger Ambient-Track, der diesem Brief mit dem hier Ungesagten erst seinen Inhalt gibt. Als würde Beatrice Masters dem Dubstep hier andeuten wollen, dass es sich zwar lohnt, die Wurzeln seines Sounds aufzugreifen, aber auch an der Zeit ist, etwas Neues auszuprobieren.
Masters geizt auch nicht mit Wissen um diese Wurzeln, was vor allem Tracks wie das schwebende und tief brodelnde »Help« oder den Martyn-Soundalike – hier unbedingt als Kompliment verstehen – »Ocean« andeuten. Gerade in der Mitte schlägt das Album aber in kompromisslosere und dennoch melodieverliebte Techno-Momente um und begradigt hier nebenbei die Fehler vieler Genrevorreiter. Anfang der 10er-Jahre wollten viele von Dubstep nichts mehr wissen und liefen zum Techno über. Masters zeigt auf diesem herausragenden Album, dass es auf die richtigen Sounds ankommt, um beides nebeneinander existieren zu lassen.

Sinking Part 1
