Nach der vorgezogenen Sommerloch-Hysterie um den gestrandeten Wal Timmy ist es hierzulande wohl ein etwas ungünstiges Timing, gerade jetzt ein Konzeptalbum über – und teilweise für – Wale zu releasen. Zumal man auch als französischer Produzent Rone nicht umhinkann, Walgesänge auf dem Synth nachzuahmen und echte Walgeräusche in einige der Tracks einzubauen. Dass es Rone mit Megaptera, dem wissenschaftlichen Namen für den Buckelwal, dennoch gelingt, weder in eine kitschige Natur-Doku-Atmosphäre noch in esoterisch-funktionale Ambient-Gefilde für Meditation und Einschlafen abzurutschen, kann man ihm nicht hoch genug anrechnen. Zwischen Field Recordings wie »Premier Contact« und knackigen Club-Tracks wie »Verba Aliena« sowie zwischen den ganzen atmosphärischen bis hektischen Synth-Arpeggios hört man doch stets die Neugier und die Faszination fürs Thema.
Auf Meeressäuger wurde Rone erst durch Videos von Seglern aufmerksam, in denen unter anderem Delfine auf seine Musik reagierten. Mit einem Taucher und Filmemacher sowie einem Experten für Bioakustik ging es deshalb an der bretonischen Küste aufs Boot, auf dem Rone mithilfe eines eigens designten Modular-Synths Wale anlocken wollte. Mit der Strenge eines Wissenschaftsteams wurden zwar strikte Observationsprotokolle geführt, doch bald ging es nicht mehr nur um Musik für Wale, sondern um die Bedeutung des Wartens, um die Präsenz dieser sanften Riesen und um die Stille auf See und in der Natur. Ergänzend sei gesagt, dass Megaptera ebenfalls nicht nach einem trockenen, verkopften Seminar-Resultat klingt – ein weiterer Pluspunkt.

Megaptera