Music Liste | verfasst 05.04.2019
Record Store Day 2019
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day 2019 veröffentlichten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Text Sebastian Hinz, Christian Neubert, Andreas Schnell, Christoph Benkeser

Alice Clark – Alice Clark LPWebshop ► LP Es gilt als eines der besten Soul-Alben aller Zeiten. Alice Clarks selbstbetiteltes Album, das 1972 auf Mainstream Records erschien – und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung überhaupt keinen Erfolg hatte. Dabei ist Alice Clarks Stimme die perfekte Mischung aus Liebe, Schmerz, Sehnsucht und Hoffnung. Stücke wie »Never Dit I Stop Loving You« zeigen den vielleicht besten R’n’B, den man noch nie gehört hat. Ein vergessenes Juwel, das WeWantSounds remastert, im original Artwork und mit 20-seitigem Booklet versehen neu auflegt – und der fast unbekannt gebliebenen Sängerin eine längst überfällige Geschichte gibt. (Christoph Benkeser)  

Bob Dylan – Blood On the Tracks – Test PressingWebshop ► LP Für viele Fans ist »Tangled Up In Blue« der beste Song, den Bob Dylan jemals geschrieben hat. Er selbst bezeichnete sein 15. Studioalbum 1975 als Wendepunkt im eigenen Schaffen. Aufgenommen in unterschiedlichen Sessions in New York und Minneapolis, gelangten einige Testpressungen noch vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin in Umlauf. Die alternative Geschichte zu »Blood On The Track« war schneller geboren als Bob Dylan über den Highway 61 rollen konnte. Legacy Recordings legt nun erstmals eine Kopie der Testpressung auf – mit den verschwundenen Mischungen der New Yorker Sessions, die der Maestro nicht auf dem offiziellen Album haben wollte. (Christoph Benkeser)
 

Bone Thugs-N-Harmony – E. 1999 EternalWebshop ► 2LP Gospel und Gewehrschüsse, Soul und Synthies, R´n´B und sagenhaft schnelle Raps mit Hang zum Singsang: Mit ihrem zweiten Album »E.1999 Eternal« feierten Bone Thugs-n-Harmony 1995 ihr Debüt bei Ruthless Records, nachdem sie Backstage bei Label-Chef Eazy E vorstellig wurden. Der verstarb kurz vor dem Release an Aids, was das Album gleichermaßen überschattete und strahlen ließ. Heute zählt es zu den Klassikern, das neben Dauerbrennerthemen wie Mord und Marihuana ein Loblied auf den pünktlichen Eingang der Sozialhilfe anstimmt. Kurios: Die LP etablierte mal eben das Hexenbrett als Gang-Insigne. Kontrovers: Die Geburt des BTnH-Styles im Geiste der Freestyle Fellowship. Erste Reissue überhaupt. (Christian Neubert)
 

Chicha Libre – Sonido Amazonico W/ Etched D SideWebshop ► LP Zum ersten Mal überhaupt auf Vinyl wird es das zuerst 2008 erschienene Debüt von Chicha Libre, »Sonido Amazonico«, geben. Die Peruaner verfolgen hier eine krude Mischung aus Cumbia, Surf-Gitarren, Farfisa-Orgeln und den folkloristischen Melodien der Anden. Es ist eine Vinyl 2LP, wobei auf der D-Seite keine Musik, sondern eine hübsche Lasergravur zu finden sein wird. (Sebastian Hinz)
 

Emerson – If You Need Me, Call MeWebshop ► LP Warum das Album »If You need Me, Call Me« von Emerson nie veröffentlicht wurde, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Schließlich erschien 1988 nur die Single »Sending All My Love Out«, eine späte, von harmonisch überdrehten Synthesizerfahnen getragene Disco-Hymne, die mit ihrem experimentellen Sampling nicht so ganz in die Ära blank polierter Produktionen passen wollte. Wer heute eine dieser längst vergriffenen Singles erstehen möchte, muss tief in die Tasche greifen – oder nutzt die einmalige Chance: Nachdem die Master-Tapes des Albums freigeben wurden, schenkt das Londoner Label Kalita der Platte von Emerson doch noch das Licht der Welt. (Christoph Benkeser)
 

Fela Kuti And Roy Ayers - Music Of Many ColoursWebshop ► LP Oberflächlich betrachtet eine eigentümliche Kombination: Fela Kuti hatte mit dem Afrobeat eine brisante Verbindung von Pop und Politik in die Welt gesetzt, Roy Ayers hatte Disco für sich entdeckt, als die beiden mit ihren Bands 1979 gemeinsam in Nigeria auf Tour gingen. Zum krönenden Abschluss nahmen die beiden tatsächlich gemeinsam Stücke auf, die auf »Music Of Many Colours« erstmals 1980 veröffentlicht wurden. Zum RSD2019 wird die Platte erstmals seit den späten 1980er Jahren (in limitierter Auflage) wiederveröffentlicht. Dazu scheinbar auf rainbow starburst Vinyl. Wir stellen uns das kunterbunt vor. (Andreas Schnell)
 


Eine Übersicht sämtlicher exklusiver Record Store Releases findest du bei uns im Webshop


Juice People Unlimited – OST Disco GodfatherWebshop ► LP Das im Disco-Milieu angesiedelte Rachedrama »Disco Godfather« (in Deutschland als »Helden der Nacht« 1987 auf VHS erschienen) ist 1979 ins amerikanische Kino gekommen und sehr schnell auch wieder aus diesem verschwunden. Während der Film vielleicht wiederzuentdecken ist (immerhin 83% bei Rotten Tomatoes, während diese Buchstaben in die Tastatur gehackt werden) war der von Juice People Unlimited eingespielte Soundtrack schon lange ein begehrtes Sammlerstück. Kein Wunder, denn seit eben 1979 gab es keine Reissue. Nun – das macht’s eben zu einem Highlight des diesjährigen RSD – wird die Schallplatte in Europa auf 1.000 Stück limitiert wiederveröffentlicht. Mit Liner Notes, unveröffentlichten Fotos, Obi Strip. (Sebastian Hinz)
 

Mabumi Yamaguchi – MabumiWebshop ► LP Saxofonist Mabumi Yamaguchi prägte in den 1970er Jahren die japanische Jazz-Szene mit. 1981 traf er in New York auf Schlagzeuger Tony Williams, Pianist Kenny Kirkland und Miroslav Vitouš, der sich zuvor für sein rhythmisches Bassspiel bei Weather Report einen Namen machte. Das Quartett spielte in zwei Tagen »Mabumi« ein. Ausgedehnte Jazzsoli blenden in Fender-Sequenzen, die einen in ihrer verwaschenen Ästhetik die Koffer packen lassen, um auf die Balearen zu jetten und bei untergehender Sonne von erlesenen Weinen zu kosten. Jazz-Fusion zum Dahinschmelzen. Ach so, die Fakten: remastert von den Originalbändern, 180g Vinyl, Original Artwork mit Obi Strip. (Christoph Benkeser)
 

Rhythm Makers – Soul On Your Side RecordWebshop ► LP Den reinsten Funk-Wahnsinn erlebt man auf dem ersten und einzigen Album der legendären New Yorker Gruppe Rhythm Makers, die nun 180g schwer, neu gemastert von den Originalbändern, im original Artwork auch, wiederveröffentlicht wird. Der Bass schaufelt hier tiefe Gräben, in der sich das Wah Wah der Gitarren suhlt, bevor der Moog-Synthesizer als groovende Planierraupe drüberwälzt und Tabula Rasa macht. Auf Vocals wird konsequenterweise verzichtet, das Ganze bringt die Hüften trotzdem schneller in ungelenke Kreisbewegungen als alles, was die ungleich erfolgreicheren Kool & The Gang jemals in den Äther schickten. (Christoph Benkeser)
 

The Grodeck Whipperjenny – The Grodeck Whipperjenny LPWebshop ► LP Ganz im Zeichen von Woodstock lässt sich das einzige Album von The Grodeck Whipperjenny hören. David Matthews, der Ende der 1960er Jahre schon als Arrangeur für den Soul von James Brown mitwirkte, hat 1970 eine Gruppe von Jazzmusikern zusammengetrommelt – und ein Album aufgenommen, das sich in der psychedelischen Seele von Funkadelic berauscht, gleichzeitig mit dem Sound der frühen Jefferson Airplane kokettiert und sich an treibenden Bass-Sounds von Motown-Produktionen abreibt. Als Schwesteralbum von James Browns »Sho Is Funky Down Here« ein Klassiker. Erstmals neu aufgelegt, mit umfangreichen Liner Notes und nie zuvor veröffentlichen Fotos. (Christoph Benkeser)
 

Ziad Rahbani – Abu Ali Webshop ► LP Die 12" »Abu Ali« (1978) von Ziad Rahbani bekommt nach mehr als 40 Jahren ein Reissue. Beide Vinylseiten sind jeweils mit einem 13-minütigen Denkmal für die Eleganz des arabischen Jazz-Funk in den ausgehenden 1970er Jahren bespielt. Das Titelstück beginnt mit Funk-Slaps und Trompeten, bevor Flöte und melodische Streicher-Arpeggien eine gewisse Soundtrackqualität entwickeln. Intermezzi von Saxofon, E-Gitarre und Piano lockern beide Stücke auf, die nie von der instrumentellen Vielfalt geschluckt werden – Beirut und New York auf musikalischer Augenhöhe. (Nils Schlechtriemen)
 

Various Artists – OST Lost In Translation Webshop ► LP Der stimmungsvoll kompilierte Soundtrack zu Sofia Copollas zweitem Spielfilm »Lost In Translation« hat’s drauf. Er vertont die Gefühlslagen seiner beiden Protagonisten mit rührender Melancholie und transportiert die auf sich selbst zurückgeworfene Stimmung per Einleitung eines Shoegaze-Revivals, für das neben My Bloody Valentine-Frontmann Kevin Shields, der vier Tracks beisteuert, z.B. auch auf Songs von Air, Squarepusher und The Jesus and Mary Chain zurückgegriffen wird. Was ist noch drauf? Auf dem Cover damals wie heute der Popo von Scarlett Johansson. Angesichts (bzw. angesäßes) des Artworks ist es fast schon erstaunlich, dass die RSD-Auflage nicht als Picture Disc erscheint… (Christian Neubert)
 


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