Music Kolumne | verfasst 30.03.2020
Records Revisited
Miles Davis – Bitches Brew (1970)
Raus aus dem Jazzkeller, rauf auf die Rockbühnen – mit »Bitches Brew« wurde Miles Davis zu »Electric Miles« und braute den psychedelischen Trunk für alle, die nicht wussten, dass sie Jazz geil finden.
Text Christoph Benkeser
Records_revisited_miles+davis+bitches+brew_1024x685px

Die Hippies sind noch voll auf ihrem Trip, als Miles Davis am 19.August 1969, einen Tag nach Ende des Woodstock-Festivals, ein anderes Süppchen für die Zukunft der Rock-Musik zusammenbraut. Im Columbia-Studio in New York City versammelt Davis ein Dutzend Musiker. »Die Richtigen“, wie Miles Davis in seiner Biographie sagt –, um den Jazz aus seinem Keller zu prügeln, ihn mit Funk und Rock eins überzuziehen und mit elektrischen Schlägen wieder auf die Beine zu hieven. »Bitches Brew« war ein »Picasso in Sound«, so John McLaughlin, einer von Davis’ Gitarristen. »Es hörte sich an wie die Zukunft«, erinnert sich sein Autobiograph Quincy Troupe. »Bitches Brew« war das Album, das Jazz cool machte, nachdem Miles Davis Cool Jazz erfunden hat. Ein Monolith, ein Psychedelikum, ein Ikonoklast der säkularen Jazz-Religion.

Miles Davis ist 1969 nicht irgendwer. Die Purist_innen lieben ihn für seinen modalen Jazz, die Hochglanzmagazine für seine Exzentrik – er cruist im Ferrari durch Manhattan, liebt schöne Frauen und hasst sein Publikum – bleibt aber ein undurchschaubarer Mann, der seine Persona unter italienischen Anzügen und verspiegelten Sonnenbrillen verhüllt. Immer wieder kämpft er gegen innere Dämonen. Heroin hat er hinter sich, das Koks rieselt weiter, Schmerztabletten schluckt Davis täglich. Nachdem sein Freund John Coltrane 1967 gestorben war, leidet er an Depressionen. 1968 stürzt er sich in eine Ehe, die zwar nur wenige Monate, aber gerade lange genug hält, dass Betty Mabry ihn mit dem Sound der US-amerikanischen Hippie-Bewegung vertraut macht. Er hört Jimi Hendrix, sieht wie er seine Gitarre abfackelt – und will den weirden Typen aus dem Greenwich Village kennenlernen.

Es ist der Moment einer Veränderung in Davis’ Leben. Er registriert den Einfluss, den die Rockmusik auf eine Generation an jungen Menschen hat. »Wir spielten zu dieser Zeit oft in halbleeren Jazzclubs«, sagt Davis in seiner Autobiographie. »Mir wurde klar, dass die meisten Rockmusiker nichts über Musik wussten. Wenn sie all diese Platten verkaufen können, ohne zu wissen, was sie wirklich tun, könnte ich das auch – nur besser.« Davis jammt mit Hendrix, nimmt Acid mit Sly Stone und rekrutiert Musiker aus Stevie Wonders Band. Seine Maßanzüge wirft er in den Müll, der neue Miles hängt sich Ketten um den Hals, steckt sich Klunker an die Finger und trägt Farben, bei denen man keine Drogen nehmen musste, um den Psychedelic-Vibe der Sixties aufzusaugen. Anfang 1969 geht Miles Davis ins Studio, um »In A Silent Way« aufzunehmen. Ein Album, das erahnen lässt, in welche Richtung sich Davis weiterentwickeln würde. Zwei Schlagzeuge und elektrische Gitarren stellen die Bebop-Konvention auf den Kopf. Mit Joe Zawinul und Chick Corea beackern zwei der besten Pianisten ihrer Zeit das Fender Rhodes. Herbie Hancock mischt genauso wie Tony Williams und Wayne Shorter mit.

»Wenn ich etwas in der Musik hörte, von dem ich dachte, es könnte erweitert werden, gab ich Anweisungen. Die Aufnahme war eine Entwicklung des kreativen Prozesses, eine lebendige Komposition.« (Miles Davis) Miles Davis versammelt das Bayern München der Jazz-Musiker im Studio; allesamt Hochkaräter, die nicht nur wissen, was sie wollen, sondern auch die offene Herangehensweise von Davis antizipieren können. Als die Recording Sessions für »Bitches Brew« anstehen, erweitert Davis sein Ensemble. Drei Schlagzeuge, drei Fender Rhodes, drei Bassisten und ein halbes Dutzend Perkussionisten, die seine Musik um afrikanische und indische Einflüsse erweitern, sollen Jazz mit Rock verheiraten. »Miles war sich nicht sicher, was er wollte«, erinnert sich Gitarrist John McLaughlin. »Aber er wusste, was er nicht wollte. Er wollte nichts von dem, was er davor gemacht hatte.« Davis hat Akkordabfolgen im Kopf, die er in einem Diner auf Servietten kritzelt, gibt den Musikern aber keine fertigen Noten. Er leitet das Ensemble wie ein Dirigent, der selbst keine genaue Vorstellung hat, wie sich die Session entwickeln würde. »Wenn ich etwas in der Musik hörte, von dem ich dachte, es könnte erweitert werden, gab ich Anweisungen«, sagt Davis in seiner Biographie. »Die Aufnahme war eine Entwicklung des kreativen Prozesses, eine lebendige Komposition.«

Die Tape-Maschine läuft in den dreitägigen Aufnahmen durch. Produzent Teo Macero, den Davis-Biograph Quincy Troupe in seiner Arbeit mit der von George Martin für die Beatles vergleicht, drückt den Record-Knopf, sobald Davis einen Schritt ins Studio setzt. Immer dann, wenn eine amorphe Masse aus über einem Dutzend Instrumenten zu einer kollektiven Identität zusammenwächst, die sich ergänzt, entgrenzt, abstoßt und wieder anzieht. »Bitches Brew«, der Titel der Platte, kann metaphorisch für das Ensemble gelesen werden, bei dem die »Bitches« – Miles und sein Ensemble – etwas zusammenbrauen, das die Freiheit der Improvisation feiert, der Individualität aber genauso viel Platz einräumt wie der absoluten Ekstase, die sich in einem Spiel aus Zerstreuung und Verdichtung hochkurbelt – auch wenn das Ergebnis im Akt seiner Entstehung keine endgültigen Formen annimmt. »Wir haben während den Recording Sessions wenig miteinander gesprochen«, sagt Macero. »Ich habe nach den Aufnahmen Wochen im Studio verbracht, die Bänder angehört und begonnen, das Material zusammenzusetzen.«

Miles Davis – Bitches BrewWebshop ► Vinyl LP | 2CD Macero schnippelt an den Aufnahmen herum, loopt da einen Drum-Part, kürzt dort ein Solo. Hören kann man das vor allem auf dem Titelstück »Bitches Brew«, das über den Zeitraum von 27 Minuten unzählige Male hochkocht, den Deckel anhebt, um den Druck rauszulassen, bevor es aus verschmierten Solos wieder zu köcheln beginnt. Auf »Pharaoh’s Dance« schnippelte Teo Macero ebenso herum wie auf »John McLaughlin«, das in seinen viereinhalb Minuten Spielzeit die Essenz des Albums aufgreift: improvisierte Ausführung, ausgeführte Improvisation. Damit eröffnete die Platte ein unbekanntes Paradigma im Jazz. Joe Zawinul war von den »Bitches Brew«-Sessions so verblüfft, dass er das fertige Album nicht erkannte. »Ich fand die Aufnahme damals gar nicht spannend. Aber kurze Zeit später war ich in den Büros von Columbia und eine Sekretärin spielte diese unglaubliche Musik. Also fragte ich sie: ›Wer zum Teufel ist das?‹. Und sie antwortete: ›Es ist das ›Bitches Brew‹-Ding von Miles Davis. Ich dachte, verdammt, ist das großartig.«


Die Musik von Miles Davis findest du im Webshop von HHV Records.

Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 17.08.2019
Records Revisited
Miles Davis – Kind Of Blue (1959)
Fünfmal oder sechsmal habe er die Musik verändert. So sagte es Miles Davis einst selbst von sich. In diese Reihe der Veränderungen gehört »Kind Of Blue«. Warum die Platte bis heute nichts von ihrer Größe und Spiritualität verloren hat.
Music Review | verfasst 09.09.2019
Miles Davis
Rubberband
Natürlich ist das wiederentdeckte Album »Rubberband« von Miles Davis keine Revolution, kein Aufbruch. Es ist dennoch gut.
Music Kolumne | verfasst 14.09.2019
Records Revisited
Charles Mingus – Mingus Ah Um (1959)
Charles Mingus war das verrückteste Genie der Jazzgeschichte. In diesem Jahr wird sein berühmtestes Album »Mingus Ah Um« 60 Jahre alt. Ein Rückblick auf Vulkanausbrüche, Waffengewalt und eine Platte, die dem Bass zur Artikulation verhalf.
Music Review | verfasst 11.07.2016
Miles Davis & Robert Glasper
Miles Ahead O.S.T.
Der Soundtrack zu »Miles Ahead«, der Film über den größten Trompeter aller Zeiten, erweist der Musik von Miles Davis alle Ehre.
Music Review | verfasst 19.07.2016
Miles Davis & Robert Glasper
Everything's Beautiful
Für »Everything´s Beautiful« durfte Robet Glasper auf Material von Miles Davis zurückgreifen. Nur diesen Einfluss hört man kaum heraus.
Music Kolumne | verfasst 16.10.2013
Records Revisited
Bob Dylan's Blonde On Blonde, 1966
»Blonde On Blonde« ist das erste Doppelalbum der Rockmusikhistorie. Es ist am 16.5.1966 bei Columbia Records erschienen. Das war ein Montag und Janet Jackson erblickte das Licht der Welt.
Music Kolumne | verfasst 19.04.2019
Records Revisited
Nas – Illmatic (1994)
Wenn es um Nas’ »Illmatic« geht, spitzen sich die Ohren all jener, die Rap auch nur ein Fünkchen abgewinnen können. Klar, denn »Illmatic«, das sind Erzählungen für jeden und Nas wurde zum poetischsten Chronisten seiner Zeit.
Music Kolumne | verfasst 08.03.2013
Records Revisited
Gil Scott-Heron's Small Talk At 125th And Lenox, 1970
Als Gil Scott-Heron im Sommer 1970 auf Drängen des Produzenten Bob Thiele ein kleines New Yorker Studio betrat, war er Autor. Wenige Stunden später verließ er das Studio als Musiker.
Music Kolumne | verfasst 22.02.2013
Records Revisited
Ornette Coleman's The Shape Of Jazz To Come, 1959
»The Shape of Jazz to Come«, die dritte Veröffentlichung von Ornette Coleman, ist eines der einflussreichsten Werke der Jazzgeschichte. Sie wird dennoch zu selten gehört, zu selten gesamplet, zu selten erwähnt.
Music Kolumne | verfasst 01.09.2021
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Review | verfasst 25.02.2013
BRZZVLL
Polemicals
Jazz, Funk, Weltmusik, Soul, Afrobeat – BRZZVLL bespielen zuverlässig das Feld der Organic Grooves und setzen dort spannende Akzente.
Music Review | verfasst 17.07.2019
George Otsuka Quintet
Physical Structure
Mit »Physical Structure« vom George Otsuka Quintet wurde jetzt via Le Trés Jazz Club ein mächtiger Fusion-Wurf aus dem Jahr 1976 geborgen.
Music Review | verfasst 29.09.2020
Mammal Hands
Captured Spirits
Die Musik von Mammal Hands schwillt gerne an. Darin liegt dann auch die Schnittmenge von Pop und Rave. Nachzuhören auf »Captured Spirits«.
Music Review | verfasst 09.09.2021
Ian Carr
Belladonna
»Belladonna«, Ian Carrs Kleinod aus dem Jahr 1972, wurde jetzt wiederveröffentlicht. Jazzliebhaber sollten zugreifen.
Music Review | verfasst 26.10.2021
Ian Carr's Nucleus
Roots
Wer hat Fusion erfunden? Be With hat »Roots«, das 1973er Werk der britischen Jazzer Ian Carr’s Nucleus wiederveröffentlicht.
Music Review | verfasst 10.10.2021
BadBadNotGood
Talk Memory
Nach fünf Jahren veröffentlichen die kanadischen Jazzer BadBadNotGood auf XL Recordings ihr neues Album »Talk Memory«.
Music Review | verfasst 21.10.2021
Viejas Raices
De Las Colonias Del Rio De La Plata
Wie für diese Gegenwart gemacht: »De Las Colonias Del Rio De La Plata« der argentinischen Band Viejas Raices von 1976 wurde neu aufgelegt.
Music Review | verfasst 17.01.2022
Otis Sandsjö & Niklas Wandt
Compagni Di Merende
Auf »Compagni Di Merende« verabreden sich der Saxophonist Otis Sandsjö und der Schlagzeuger Niklas Wandt zum Improvisieren.
Music News | verfasst 21.01.2022
Akira Ishikawa
Reissued: »Tsugaru Jongara Bushi«
Traditionalisten war »Tsugaru Jongara Bushi« aus dem Jahr 1973 ein Sakrileg, hat Akira Ishikawa doch die geliebte Langhalslaute mit Jazz fusioniert. Jetzt wurde das Album bei Cinedelic wiederveröffentlicht.
Music Liste | verfasst 13.10.2020
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Records Revisited
Daft Punk – Homework (1997)
1997 hat das französische Duo Daft Punk ihr Debütalbum »Homework« veröffentlicht und seit dem eine beispiellose Karriere hingelegt. Das Album war damals noch kein Mainstream, sondern knarzende, knisternde House-Music.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Albums
Lockdown-Limbo, dann Lockerungen – erst gar nichts, dann alles auf einmal. Dazwischen? Musik. Viele großartige Alben erschienen dieses Jahr. Das waren die 50 besten auf Schallplatte veröffentlichten Alben des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 12inches
12inches werden meistens, aber nicht immer für den Club hergestellt. Ein Blick auf die 20 besten Schallplatten dieser Art im Jahr 2021 zeigt, dass nicht nur Dance Music neu gedacht wurde – sondern auch ruhige Kontrapunkte gesetzt wurden.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 50 Reissues
Neues Jahr, neue Liste von Visionen von Zukünften, die bisher noch nicht Realität geworden sind. Diese 50 Schallplatten träumten in diesem Jahr aus der Vergangenheit am lautesten von einem besseren Morgen.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Compilations
Musik und erst recht die Menschen dahinter finden immer zueinander – notfalls auch über die Distanz, sei es nun räumliche oder doch zeitliche. Das waren die 20 besten auf Schallplatte veröffentlichten Compilations des Jahres 2021.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Tapes
Jetzt hat also auch der Mainstream die Wertschöpfungsmöglichkeiten des Magnetbands entdeckt: scheiße oder geil? Uns zumindest egal, wir schieben uns lieber Tapes von obskuren Labels und unter dem Radar fliegenden Artists in den Walkman.
Music Liste
Jahresrückblick 2021
Top 20 Books
Von der ultimativen 2Pac-Oral-History hin zur Daft-Punk-Neulektüre und den B-Seiten der Musikgeschichte: Diese Bücher prägten ein Jahr, dessen erste Hälfte uns jede Menge Zeit zum Lesen bescherte.
Music Kolumne
Records Revisited
Autechre – Chiastic Slide (1997)
Mit ihrem vierten Album als Autechre verabschiedeten sich die beiden Mancunians aus der Referenzmenge und begannen ihre einzigartige Reise in ungehörte Klänge und massige Grooves.
Music Porträt
Dengue Dengue Dengue
Guest Mix
Die peruanischen Dengue Dengue Dengue zwirbeln Hula-Hoop-Ryhtmen in den Club. Für uns haben sie exklusiv diesen 60-minütigen Mix zusammengestellt, mit Musik, zu der man die Pfeile spitzt, an Fröschen leckt und beim Trommelkurs brilliert.
Music Liste
RSD Black Friday 2021
12 Releases, nach denen du Ausschau halten solltest
Wir haben uns durch die Liste der diesjährigen exklusiv zum Record Store Day Black Friday 2021 angekündigten Releases gewühlt und euch eine Auswahl von zwölf Schallplatten zusammengestellt, die wir als mögliche Highlights entlarvt haben.
Music Porträt
Chillhop Music
Die Magie des passiven Lauschens
Chillhop ist Musik für eine Welt, in der alle hören, aber niemand zuhört. Das niederländische Label hat trotzdem Erfolg. Und weiß auch, warum.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2021
Er wäre gerne der Typ, der immer die wildesten Puffer Jackets in den Supreme-Videos trägt. Ist aber nur unser Kolumnist. Ja, die sad’e Jahreszeit beginnt. Immerhin nicht mit schlechter Musik: Hier ist die neue Ausgabe von Aigners Inventur.
Music Porträt
Faust
Warum isst du denn nicht Mohrrüben?
Die Hamburger Band Faust war vor 50 Jahren einer der seltenen Fälle, in denen eine Plattenfirma, wenn auch unwissentlich, Künstler unterstützte, deren Musik sehr anders klang als die bis dahin bekannten Rock-Entwürfe.
Music Kolumne
Records Revisited
Stars Of The Lid – The Tired Sounds Of (2001)
Die monumentalste Stille aller Zeiten: Mit »The Tired Sounds Of« schufen Stars Of The Lid im Jahr 2001 eines der wichtigsten Ambient-Alben. Sie verpassten dem Genre mit diesen zwei Stunden an Sounds, Drones und Loops eine neue Tiefe.
Music Interview
Torky Tork
»Ich liebe den Spagat zwischen alt und neu«
Torky Tork ist bislang eher als der Mann im Hintergrund bekannt. Jetzt hat der Berliner Beatmaker ein eigenen Produceralbum aufgenommen. Er hat die Beats geschliffen, Wandl, Döll, Lugatti oder Doz9 haben gerappt. Zeit für ein Gespräch.
Music Porträt
Holy Hive
Introspektive Leichtigkeit
Mit »Float Back To You« legte das New Yorker Trio Holy Hive 2020 ein Folk-Soul-Balsam für das wundgescheuert blankliegende Nervenkostüm vor. Auf dem selbstbetitelten Nachfolger setzen sie den eingeschlagenen Kurs fort.
Music Liste
Palmbomen II
10 All Time Favs
Bilder und Musik ließen sich bei Palmbomen II nie voneinander trennen. Mit »Make A Film« liefert er nun die Musik für die Bewegtbilder, die von uns noch gedreht müssen. Welche Musik ihn in Sachen Filmmusik inspirieren, verrät er hier.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.