Music Interview | verfasst 07.11.2011
Onra
»Bei mir kommt alles vom Hip Hop«
Onra hat sich mit uns zusammengesetzt, um über seine Arbeitsweise, seine musikalischen Inspirationen und sein Debüt Tribute, dass er 2006 zusammen mit Quetzal veröffentlicht hat, zu sprechen.
Text Henning Koch
3038-onra20113-www.hhv-mag.com

Onra ist in den letzten Jahren als Beatbastler mit unterschiedlichen Konzeptalben rund um HipHop, Soul und Funk zu einem bekannten Namen in der Szene geworden. 2006 veröffentlichte Arnaud Bernard zusammen mit Quetzal sein Debüt-Album Tribute, im November wird es nun das erste Mal auf Vinyl veröffentlicht. Seitdem hat der Franzose sowohl asiatische Platten für Chinoiseries gesamplet, dessen zweiter Teil Chinoiseries Pt. 2 ebenfalls im November erscheint, als auch die Pop-Welt der 1980er Jahre musikalisch erforscht. Dabei zeichnen seine Tracks sich durch eine Musikalität und Vielseitigkeit aus, die weit über einfache HipHop-Sample-Beats hinausgeht und immer wieder zu überraschen weiß. Wir trafen ihn in Berlin zu seinem Auftritt im Club Gretchen.

Du hast mittlerweile einige Konzept-Alben gemacht. Wie gehst du an einen neuen Song oder ein neues Album heran? Steht das Konzept bereits oder entwickelt es sich erst während der Arbeit?
Onra: Ich habe die unterschiedlichen Konzepte bereits im Kopf. Abhängig davon, welchen Song ich gerade mache, weiß ich bereits, zu welchem Projekt er gehört. Es ist natürlich auch von meiner aktuellen Stimmung und meinem Zeitplan abhängig, welchen Projekten ich mich dann genau widme. Im Moment arbeite ich parallel an unterschiedlichen Sachen und da gibt es gerade keine bestimmte Priorität. Das gibt einem aber auch eine gewisse Freiheit und Experimentierfreude.

Zu deiner aktuellen Platte Chinoiseries Pt. 2, die im November herauskommt. Wie ist das Konzept zustandegekommen und wie kam es zu einer Fortsetzung davon?
Onra: Chinoiseries ist ein Projekt, dass ich nach meinem ersten Besuch in Vietnam vor einigen Jahren begonnen habe. Von dort habe ich viele Platten mit chinesischer und vietnamesischer Musik mitgebracht. Zurück in Frankreich habe ich darin viele Samples gefunden, die ich interessant fand und bei denen ich sofort das Gefühl hatte, dass ich sie für ein paar Beats verwenden könnte. Es begann sozusagen als kleiner Witz, aber die Leute mochten die Sachen und als das Album herauskam, bekam es viel Aufmerksamkeit, weil es einfach anders und neu klingt. Nach fast fünf Jahren seit Veröffentlichung der ersten Platte habe ich mich entschieden, das Projekt fortzusetzen, da mir in der Zwischenzeit nichts anderes begegnet ist, was in diese Richtung geht. Ich wurde oft nach neuem Material gefragt und bisher gab es nur diese eine Platte. Außerdem hatte ich in der Zwischenzeit einige neue asiatische Platten gekauft und viele großartige Samples gesammelt. Ich habe ungefähr 60-70 Beats gebastelt und davon dann 32 für Chinoiseries Pt. 2 ausgesucht, um dem ganzen die Struktur eines Films zu geben, wo jeder Beat eine Szene repräsentiert und sich ein innerer Spannungsbogen ergibt.

»Ich will vermeiden, dass es repetetiv und dadurch langweilig wird. Ich möchte, dass die Leute sich mein Album von Anfang bis Ende anhören und sich nicht bloß ihre Lieblingsbeats raussuchen.« (Onra) Wo wir gerade über die Struktur sprechen, manchmal fühlen sich deine Platten fast wie eine Art Skizzenbuch an, mit meist über 30 Tracks, die selten länger als zwei Minuten sind. Was verleitet dich zu dieser Struktur?
Onra: Das liegt an dem Genre. Es ist Hip Hop, also gibt es natürlich einen Loop, der aus bereits existierenden Samples besteht. Bei Chinoiseries und Tribute hatte ich gerade angefangen, Beats zu basteln und fand, dass diese Form gut dazu passte. Trotzdem haben die Tracks eine eigene Struktur, es gibt immer ein Intro, ein Outro, Breaks, unterschiedliche Entwicklungen, aber eben in einer sehr verdichteten, kurzen Form, um die Zuhörer bei Laune zu halten. Ich will vermeiden, dass es repetetiv und dadurch langweilig wird. Ich möchte, dass die Leute sich mein Album von Anfang bis Ende anhören und sich nicht bloß ihre Lieblingsbeats raussuchen. Genau wie bei einem Film auf DVD, wo man sich ja auch das ganze Werk anschaut und nicht bloß bestimmte Szenen. Ich weiß nicht ob die Filmstruktur bei Chinoiseries Pt.2 so eindeutig ist, ich hätte es vielleicht etwas offensichtlicher gestalten können, aber das ist zumindest die Idee, die dahinter steckt.

In deiner Musik erkennt man viele unterschiedliche Einflüsse, sei es Hip Hop, Funk oder Soul. Wo liegen deine musikalischen Wurzeln?
Onra: Bei mir kommt alles vom Hip Hop. Ich bin jetzt 30 und es ist zwanzig Jahre her seit ich begonnen habe, Hip Hop zu hören. Im Alter zwischen 10 und 20 habe ich nur Hip Hop gehört, nichts anderes. Kein Soul, kein Funk, kein Jazz. Das alles kam erst später, als ich nach Paris gezogen bin und in die richtigen Plattenshops gegangen bin und einen Internetanschluss bekommen habe. Dadurch habe ich einige DJs und andere Produzenten kennengelernt, die meinen musikalischen Horizont erweitert haben. Sie haben Samples aus unterschiedlichen Songs und Genres verwendet und dadurch habe ich neue Musik entdeckt. Mittlerweile bin ich sehr offen für unterschiedliche Musikstile, aber für mich hat alles beim HipHop angefangen und ist davon auf jeden Fall immer beeinflusst.

Dein Debüt-Album Tribute mit Quetzal wird jetzt ja zum ersten Mal auf Vinyl veröffentlicht. Wie fühlt es sich an, die Tracks jetzt einige Jahre später noch einmal zu hören?
Onra: Leider habe ich Tribute selbst noch nicht von Platte gehört. Aber Quetzal und ich sind sehr zufrieden, dass es jetzt doch noch auf Vinyl veröffentlicht wird, damit gibt es nun unsere gesamten Discographien komplett auf Platte. Wenn ich mir Tribute anhöre, versetzt mich das irgendwie in die Zeit vor fünf Jahren zurück, als wir mit dem Projekt begonnen haben. Es war eigentlich nur für unseren kleinen Freundeskreis gedacht. Wir haben uns dann einfach zusammengesetzt, um ein Cover zu entwerfen, wir sind beide keine begabten Grafikdesigner, Quetzal hatte zu der Zeit noch nicht einmal einen Computer. Schließlich haben wir das bunte Artwork mit Microsoft Paint entworfen (lacht). Wir haben uns einfach einen Spaß daraus gemacht und wollten vielleicht 50 Kopien pressen lassen und selbst im Freundeskreis verkaufen und dann wurde es bei Bo Bun Records ganz offiziell auf CD veröffentlicht.

Ihr habt also einfach herumexperimentiert und es hat sich so ergeben. Ich habe gelesen, dass dein Track The Anthem von Chinoiseries ja auch überraschenderweise von Coca Cola für einen Werbeclip zu den Olympischen spielen in Beijing verwendet wurde.
Onra: Nicht wirklich. Sie mochten die Mischung von asiatischen Samples und westlichem Hip Hop, haben meinen Song aber dann einfach kopiert und daraus einen eigenen Beat gemacht. Sie haben sich also nur von The Anthem inspirieren lassen. Wir konnten nämlich die Rechte für das vorhandene Sample nicht klären, da es von einer alten chinesischen Platte aus den 1970er Jahren stammt und wir den aktuellen Rechteinhaber nicht herausfinden konnten. Und da haben sie dann einfach den Song selbst nachgebaut und das wars.

Was können wir denn in Zukunft von dir erwarten? Mehr Miami Vice-inspirierten 80er-Jahre-Sound?
Onra: Das werde ich natürlich weiterverfolgen. Seit Long Distance letztes Jahr herausgekommen ist sehe ich, wie viele Menschen sich davon inspirieren lassen. Seitdem habe ich bei vielen anderen Künstlern ähnliche 80s-Samples gehört, ich muss aber einfach sichergehen, dass es auch genau mein Ding ist und ich das auch persönlich machen will. Darüber hinaus habe ich auch ein Dub-Projekt, ein Deep House-Projekt und ein paar Kollaborationen mit unterschiedlichen Künstlern geplant, für die ich gerade einfach nur ausreichend Zeit brauche. Ich bin sehr beschäftigt und fast jedes Wochenende auf Reisen und da muss man seine Zeit schon bewusst einteilen.

Das Album Tribute von Onra & Quetzal findest du bei hhv.de: CD | 2LP
Das Album Chinoiseries Pt. 2 von Onra findest du bei hhv.de: CD | 2LP | CD + T-Shirt | 2LP+T-Shirt
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 15.11.2011
Onra & Quetzal
Tribute
Onra & Quetzal zollen auf ihrem Debüt den Größen des Soul, Funk und HipHop ein bemerkenswertes Tribut.
Music Review | verfasst 15.11.2011
Onra
Chinoiseries Pt. 2
Der französische Beatmaker hat abermals in vietnamesischen Plattenarchiven gewühlt und einen weiteren Teil seiner Chinoiseries produziert.
Music Review | verfasst 16.04.2013
Onra & Buddy Sativa
Yhata Bhuta Jazz Combo
»Therapeutisch« nannten die beiden Produzenten die Sessions für »Yatha Bhuta Jazz Combo« – das Ergebnis ist es auch für den Hörer.
Music Review | verfasst 08.03.2017
Onra
Chinoiseries Pt. 3
Onra wollte mit »Chinoiseries Pt.3« noch tiefer gehen, die unwahrscheinlichen Samples finden und so viele Emotionen wie möglich integrieren.
Music Review | verfasst 07.02.2018
Onra
Nobody Has To Know
Mit »Nobody Has To Know« hat der französische Producer Onra dem New Jack Swing eine Liebeserklärung gemacht.
Music Review | verfasst 10.06.2015
Onra
Fundamentals
Onra belehrt alle eines Besseren, die denken: Das Berufen auf die Musik der 90er fabriziere einen hängengebliebenen Sound.
Music Liste | verfasst 10.07.2017
Halbjahresrückblick 2017
Best Hip-Hop so far
Das Jahr ist noch halb leer, aber schon vollgepackt mit super Releases. Wir haben grob in vier Genres aufgeteilt, je 20 Platten. Hier unsere Lieblinge aus dem Bereich Hip Hop. Von Migos bis Freundeskreis.
Music Review | verfasst 20.02.2011
Martyn / Mike Slott
Collabs 1
Mit den beiden Tunes verhält es sich wie mit den beiden Produzenten: Unterschiedliche Stile auf hohem Niveau.
Music Review | verfasst 09.10.2013
Knxwledge
Kauliflowr
Knxwledge veröffentlicht so gut wie jeden Monat irgendwas. Sein Album »Kauliflowr« ist aber zum Glück nicht irgendwas, sondern richtig gut.
Music Interview | verfasst 18.04.2011
Knxwledge
Beats und Soul zusammendenken
Die Beat-Szene kennt eine große Vielfalt an Namen und Produzenten die durch ihre Produktionen die Messlatte ständig höher legen. Einer der Namen, mit denen man definitiv vertraut sein sollte, ist Knxwledge.
Music Interview | verfasst 08.10.2012
Fulgeance
»Man kann nicht alles neu erfinden«
Der umtriebige Franzose veröffentlichte seine »langsame Tanzmusik« bereits bei Labels aus Frankreich, England, Irland und nun sogar Slowenien. Sein neues Album »Step Thru« erscheint in diesen Tagen bei rx:tx. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Interview | verfasst 16.09.2011
Fulgeance
»Ich will mich nicht einschränken«
Fulgeance zählt gemeinsam mit Onra und Häzel zu einer neuen Generation an französischen Beatbastler. Wir trafen ihn zum Gespräch über die Vielfalt der elektronischen Musik und Wege, diesen gerecht zu werden.
Music Bericht | verfasst 22.03.2013
All City Dublin
Platten für die Zukunft
Zwölf Jahre nachem Olan O’Brien 2001 einen kleinen Plattenladen im Temple Bar District in Dublin eröffnet hat, ist All City Records zum einem kleinen Brückenkopf amerikanischer Musik in Europa gewachsen.
Music Review | verfasst 22.10.2010
FS Green & Full Crate
Hi-Hat Club 5: Eggs And Pancakes
Die Stärke besteht in Bassläufen, die ausgewählte Samples dezent in den Hintergrund rücken.
Music Review | verfasst 10.11.2010
Various Artists
The Moon Comes Closer
Jinna Morocha hatte den Wunsch zum Mond zu reisen und fand in Project: Mooncircle den geeigneten Partner.
Music Review | verfasst 24.05.2011
Co. Fee
Easy Listening
Co. Fee aus Los Angeles’ Künstlerkollektiv My Hollow Drum hat zunächst eine Weile mit Teebs musiziert und veröffentlicht nun sein Debüt.
Music Review | verfasst 08.12.2011
Brenk Sinatra
Gumbo 2 (Pretty Ugly)
Melting Pot’s Finest Brenk Sinatra bringt mit Gumbo 2 (Pretty Ugly) sein bereits drittes Instrumental-Album.
Music Review | verfasst 01.02.2012
813
Spectrum Riff EP
Hip-Hop/Electro-Hybride haben ja bekanntlich Hochkonjunktur, in dem russischen Feuerwehrmann 813 hat die Szene einen Meister gefunden.
Music Review | verfasst 07.11.2013
Twit One
Urlaub In Der Bredouille
Twit One bleibt mit »Urlaub in der Bredouille« einer der interessantesten Spieler im allemanischen Instrumentalkosmos.
Music Review | verfasst 15.03.2016
Odd Nosdam
Sisters
»Sisters« heißt das neue Album von Odd Nosdam. Drauf zu finden sind 9 Tracks, die wirklich ein wenig wie Schwestern sind.
Music Interview | verfasst 18.04.2011
Beat Freaks
Für die Nerds
Die Events der Beatevolutioners haben seit Jahren den Beat in seiner ganzen Formenvielfalt zum Thema. LeBob und Suff Daddy machen ihre Liebe zum gepflegten Beat nun mit der Veranstaltung »Beat Freaks« im Kreuzberger Monarch explizit.
Music Interview | verfasst 26.08.2011
Paul White
Eine Reise, ein Ausweg
Sein enormer Output und seine vielfältigen Produktionen haben Paul White schnell in die erste Liga der Produzentengilde katapultiert. Wir sprachen mit ihm über das Produzieren von Beats mit und ohne Raps.
Music Kolumne | verfasst 14.08.2013
Zwölf Zehner
Juli 2013
Willkommen im August. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Liste | verfasst 31.07.2012
Om Unit
10 Favourites
Om Unit ist ein musikalisches Chamäleon: die Wurzeln im Hip Hop, die Blütezeit in der elektronischen Musik der Zukunft. In einer exklusiven Auslese gewährt er uns einen kleinen Einblick in seinen persönlichen Musikgeschmack.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Dinosaur Jr
Green Mind
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Sade
Magie ohne Mysterium
Mit dem Box-Set »This Far« wird das Gesamtwerk von Sade neu veröffentlicht. Viel ist das nicht. Aber Sängerin Helen Folasade Adu ist nicht nicht nur der größte Superstar, der nie einer werden wollte – sondern singt nur, wenn sie es will.
Music Kolumne
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Music Porträt
Derya Yıldırım
Im Namen der Menschlichkeit
Für Derya Yıldırım ist Musik in erster Linie Ausdruck menschlicher Beziehungen. Mit der Grup Şimşek verbindet sie die Musik ihrer anatolischer Heimat mit unzähligen anderen Klängen und Melodien, die die Menschen erden.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Gastarbeiter*innen Musik
Parallel zur Genese des Anadolu Pop entwickelt sich in der BRD eine virile Infrastruktur. Diese »Gastarbeitermusik« hat das öffentliche Bewusstsein stets nur gestreift. Der wirtschaftliche Austausch hätte ein kultureller sein können.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Anadolu Pop
Altın Gün, Derya Yıldırım & Grup Şimşek oder Gaye Su Akyol: mehr und mehr Bands beziehen sich wieder auf den Sound des Anadolu Pop, der sich in den 1960er Jahren in der Türkei formierte. Aber ist es ein Revival? Wir klären auf.
Music Kolumne
Records Revisited
Mouse On Mars – Iaora Tahiti (1995)
Mit ihrem zweiten Album »Iaora Tahiti« haben Mouse On Mars schließlich den letzten überzeugt, dass schlaue Electronica in den Neunzigern durchaus auch aus good ol’ Germany kommen kann. In diesen Tagen wird das Album 25 Jahre alt.
Music Kolumne
Records Revisited
Radiohead – Kid A (2000)
Zwischen Bigotterie und Blasphemie liegt oft nur »Kid A«. Das vierte Album von Radiohead erschien am 2. Oktober 2000, tauschte Gitarren gegen Synthesizer – und begann mit einem Fehler.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.