Music Interview | verfasst 11.06.2012
Suff Daddy
»Es wird sich gar nichts ändern«
Gestern ist der Berliner Produzent Suff Daddy nach Australien ausgewandert. Kurz vor der Abreise sprachen wir mit ihm über seine Zukunft in der neuen Heimat, seine musikalischen Anfänge und über sein Label Melting Pot Music.
Text Philipp Ollenschläger
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Du hast kürzlich die letzten Shows gespielt, bevor du nach Australien auswanderst. Was hat dich dazu bewogen Deutschland zu verlassen?
Suff Daddy: Meine Freundin und ich wollten mal eine krasse Aktion bringen, aus Deutschland rauskommen und die Welt sehen. Anfänglich war es noch nicht einmal so, dass wir unbedingt nach Australien wollten. Meine Freundin arbeitet für eine große Klamottenfirma. Über diese Connection hat sie ein Jobangebot in Sidney bekommen. Ich kenne meine Freundin über einen Typen, der mit einer Australierin verheiratet ist. Irgendwie kam da so viel Australien zusammen: Sie hatte einen Job, ich habe schnell eine Bookingagentur gefunden. Das hat dann einfach gepasst. Bisher war ich noch nie in Australien. Dementsprechend gespannt bin ich auf das, was mich erwartet.

Wirst du von Australien aus den deutschen Markt weiterhin mit neuer Musik versorgen?
Suff Daddy: Auf jeden Fall. Der einzige Unterschied zu vorher wird sein, dass ich weiter weg bin. Ansonsten wird sich gar nichts ändern. Ich will auch jedes Jahr nach Deutschland kommen, um eine kleine Tour zu spielen. Mein Label und die meisten Fans sind in Deutschland. Deswegen ist es logisch, dass ich weiterhin neues Zeug in Deutschland rausbringe. In ziemlich genau einem Jahr ist wieder das Beat BBQ in Köln. Spätestens dann bin ich hier wieder am Start. Dank des Internets ist die Entfernung gar kein Problem. Ich habe auch in der Vergangenheit Sachen in Berlin produziert, die ich dann einfach zu Melting Pot nach Köln geschickt habe. Von nun an werde ich die Daten halt von Sidney nach Köln senden.

In den letzten Monaten hast du viele Gigs in Deutschland gespielt. Wie sieht es mit Auftritten in Down Under aus?
Suff Daddy: Auftritte werden zunächst mein Hauptjob dort sein. Anfang Juli habe ich meinen ersten Gig in Australien. Und im Herbst, wenn drüben Frühling ist, werde ich sogar eine Tour durch ganz Australien machen.

Hast du schon Kontakte zu Musikern in deiner neuen Heimat?
Suff Daddy: Ich kenne zwar noch nicht wirklich viele Leute dort, aber durch die paar Kontakte, die ich bereits habe, fühle ich mich jetzt schon besser connected als in Berlin. Alle haben mir gesagt, dass sie mich unterstützen wollen.

Du hast den Ruf, gerne berauschende Mittel zu konsumieren. Versuchst du in deinem neuen Umfeld in dieser Hinsicht etwas zu verändern?
Suff Daddy: Ich sollte wahrscheinlich mal etwas kürzer treten. Sidney gilt ja als die Weltnichtraucherstadt. Alle machen Sport und leben gesund. Vielleicht inspiriert mich Australien ja dazu, mal etwas Detox zu machen. Aber ich denke mir, wenn im Juli wieder Auftritte anstehen wird es schwierig sein ganz abstinent zu bleiben.

»Dank des Internets ist die Entfernung gar kein Problem. Ich habe auch in der Vergangenheit Sachen in Berlin produziert, die ich dann einfach zu Melting Pot nach Köln geschickt habe. Von nun an werde ich die Daten halt von Sidney nach Köln senden.« (Suff Daddy) Du hast bisher in Berlin gewohnt, dein Label Melting Pot Music hat seinen Sitz in Köln. Wie stehst du mit den Leuten von MPM in Kontakt?
Suff Daddy: Ich war sehr oft in Köln. Alleine im vergangenen Jahr war ich sechs oder sieben Mal dort. Olski, den Chef von MPM, habe ich über die Jahre bestimmt 50 Mal getroffen. Wir sind eine große Familie. Mit vielen Leuten von dem Label bin ich im ständigen Kontakt. Das sind alles geile Typen. Ich glaube, wenn man gute Musik macht, kommt man sowieso schnell miteinander klar und hat einen ähnlichen State of Mind.

Wie bist du zum Label gekommen?
Suff Daddy: Über MySpace kam der Kontakt zustande. Olski hat mich 2006 angeschrieben und gefragt, ob ich Bock habe bei denen zu releasen. Für mich war das ein Traum. Bis dahin hat sich kein Mensch für meine Musik interessiert. Allerdings dauerte es dann ein Jahr, bis Olski sich wieder bei mir gemeldet hat. Ich dachte schon, dass er kein Interesse mehr an einer Zusammenarbeit hätte. Aber dann hat es letztendlich doch geklappt.

Wie lange machst du jetzt schon Musik?
Suff Daddy: Vor 13 Jahren hat mir ein Kumpel das Programm »Sony Acid« gezeigt, mit dem ich auch heute noch arbeite. Der Typ hat damals allerdings Techno damit gemacht. Ich habe zu der Zeit schon Hip Hop gehört. Mein großer Bruder hat mich damals auf den Trip gebracht. Der hatte die derbste Plattensammlung und hat sich ständig neues Zeug zugelegt. Kein Plan, wie der immer an den neuen Stuff rankam.

Wann findest du am meisten Inspiration zum Produzieren?
Suff Daddy: Am besten ist es, wenn ich mich einfach fünf Tage in meinen kleinen Mikrokosmos zurückziehen kann. Ich schlafe dann meistens bis mittags, mache mir dann einen Kaffee und schmeiße den Computer an. Dann ziehe ich mir irgendein Sample rein. Wenn mich das Sample flasht, kann es auch gut sein, dass ich bis morgens um fünf durchproduziere. Ich glaube, dass ich direkt nach dem Aufstehen und spät nachts am kreativsten bin. Leider hatte ich kürzlich zu wenig Zeit zum produzieren, weil ich viele Auftritte hatte und die Reise nach Australien vorbereiten musste.

Wie würdest du deine Musik mit nur drei Worten beschreiben.
Suff Daddy: Funky, Hip Hop- lastig, kurzweilig.

Das Album »Suff Sells« von Suff Daddy findest du bei hhv.de: 2LP, signierte 2LP und CD. Das Album »Die Betrachtung des Dahinvegetierens« von Pils Daddy findest du auch bei hhv.de als 2LP+Poster
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