Art Bericht | verfasst 07.05.2013
Phil Collins
Ausstellung im Museum Ludwig in Köln
Eines vorweg: Phil Collins ist nicht der Schlagzeuger von Genesis, sondern ein in Liverpool geborener Künstler. Auf seiner Ausstellung spricht er laut in Ton- und Bildern und ist dabei still mit seiner Kritik. Das hat einen guten Grund.
Text Pippo Kuhzart , Fotos Phil Collins

»Warum bin nicht ich es, die spricht? Warum nicht du? Was ist dieses unglückselige Ding zwischen uns?«, fragt Phil Collins in »This Unfortunate Thing Between Us«, einer Installation in seiner Ausstellung im Museum Ludwig in Köln. In einem Trailer kann man fernsehen. Teleshopping. Die Sprecherin stellt eben diese Fragen. Die Ausstellung selbst beantwort die Frage: Dieses Ding zwischen uns ist das Medium, das bei Collins im weiten Sinne immer zur Popkultur gehört. Die Moderatorinnen der Sendung finden, dass die Technologie an allem Schuld ist: »Niemand geht mehr raus, alle bleiben vor ihrem Computer, um zu masturbieren«. Deshalb verkauft der Kanal Erlebnisse – zum Besipiel die Teilnahme an einem historischen Porno. Sex als Urtrieb und intimster Ausdruck von Zwischenmenschlichkeit verkommt zu einem Konsumgut. »Spannung, Emotionen, Freude lagen ganz nah beisammen« schließt ein Sprecher. Doch musste der Mensch diese Gefühle kaufen. Dadurch, dass sie zum Konsumgut erhoben werden, verlieren menschliche Neigungen hier ihre Menschlichkeit. Diese sucht Collins in einem anderen Teil der Ausstellung, der extra für Köln realisiert wurde. Die Gäste von Gulliver, einer Überlebensstation für Obdachlose in Köln, spielten dabei die entscheidende Rolle. Für sie installierte Collins eine Telefonzelle. Die Obdachlosen konnten darin kostenlos telefonieren, wenn sie damit einverstanden waren, dass die Telefonate aufgezeichnet und anonymisiert wiedergegeben würden. In Kabinen des Museums kann man sich die Ergebnisse nun anhören; mit Blick auf Dom und Hauptbahnhof, in dessen unmittelbarer Nähe sich das Gulliver befindet. Doch man hört nicht nur die Gespräche. Die Aufnahmen haben Musiker neuinterpretiert – Sorgen, Hoffnungen und Streits der Gesprächspartner werden Teil der Musik von Künstlern wie David Sylvian über Demdike Stare, Maria Minerva und Cologne Tape. Während man die Musik hört, blickt man auf den Ort, wo die Gespräche einst zu Stande kamen: Er ist nun kein realer Ort mehr, sondern stellt die Kulisse der Musik dar – zum Soundtrack umgesetzt, büßen die Gespräche ihre Authentizität ein. Die Arbeit entlarvt die durch ein Telefonat suggerierte Illusion der Nähe; indem mit der Musik ein mittelndes Medium zwischengestellt wird. Phil Collins betont mit seiner Ausstellung das Fehlen der Unmittelbarkeit. Und so kann man den Titel der Ausstellung, »In Every Dream Home A Heartache« vielleicht so deuten: Der Traum ist die direkte Kommunikation zwischen Sender und Empfänger; der Schmerz liegt in der Unmöglichkeit der Erfüllung, in einer Gesellschaft, in der jeder Dialog durch Medien vermittelt wird. Doch bleibt das eine Interpretation. So bietet Collins doch eine Lösung an: Indem er Platz für Interpretationen lässt, hat das letzte Wort doch der Betrachter – es ist der Mensch selbst, der spricht.

Die Ausstellung »In every dream home a heartache«, des amerikanischen Fotografen Phil Collins ist noch bis zum 21.7. im Museum Ludwig in Köln zu besichtigen.
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