Music Interview | verfasst 24.11.2014
Betty Ford Boys
Beats aus der Bude
Es ist kaum ein Jahr her, dass Dexter, Brenk Sinatra und Suff Daddy ihr Debüt veröffentlichten. Schon wurden für »Retox« wieder die G-Funk-Geräte angeschaltet. Diesmal in einer alten Fischerhütte. Die Betty Ford Boys sind wieder im Rausch.
Text Fionn Birr , Fotos Robert Winter / © Melting Pot Music
Mpm_187_promophoto-%282%29-betty-ford-boys---venloer-strasse-robert-winter-hhv-mag

Während eigentlich nur noch der durchschnittliche YouTube-Hater auf Dr.Dres Phantom »Detox« wartet, fordern deine Lieblingshofkapellmeister von den Betty Ford Boys auf ihrem zweiten Album »Retox« schon mal zur Rückbesinnung auf die Intoxikation auf. Kaum ein Jahr ist es her, dass Dexter, Brenk Sinatra und Suff Daddy mit ihrem Debüt »Leaders Of The Brew School« der europäischen Beat-Szene ein bisschen mehr Westcoast einflößten und das deutsche Compton irgendwo zwischen Prenzlauer Berg, Heilbronn und Kaisermühlen platzierten. Dass sich die Fachjournaille und die Stammtischbrüder mit Bummtschakk im Glas auch dieses Mal mit Superlativen überschlagen werden, sobald die Moog-geschwängerten G-Funk-Geräte der drei Schnapsnasen über den Tresen wandern, ist dabei so klar wie ein doppelter Kornbrand. Die Betty Ford Boys sind wieder im Rausch.

Ihr ward gerade auf Tour – welche Stadt war am Feucht-fröhlichsten?
Brenk: Wir trinken auf Tour mittlerweile gar nicht mehr so viel. Beim letzten Mal haben wir uns zwei Wochen am Stück abgeschossen. Die jetzige Tour war dagegen total »erwachsen«, könnte man sagen.
Dexter: Das ist ja auch anstrengend: Aufstehen, Losfahren, Soundcheck, Trinken – das kann man nicht so lange durchhalten. Wir sind ja alle über 30.
Suff Daddy: Das fortgeschrittene Alter, das fehlende Training und natürlich die Professionalität, die über allem schwebt… (Gelächter)

»Dexter produziert immer nur nackt. Das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig…« (Suff Daddy) Ihr habt euch für »Retox« in einer Fischerhütte eingenistet. Woher kam diese Idee?
Suff Daddy: Nachdem wir das erste Album mehr oder weniger über das Internet zusammengeschustert hatten, kam irgendwer auf diese Idee. Das war eigentlich auch nur Blödsinn von uns. Dann hat unser Label Melting Pot Music das aber sehr ernst genommen und Robert Winter, unser Fotograf, hat uns dann so ein Häuschen in der bayrischen Einöde gemietet.

Wie lief ein Tag dort in der Regel ab?
Suff Daddy: Also, Dexter produziert immer nur nackt. Das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig…
Brenk: Ich produziere eigentlich nur im Liegen. Wie ein Römer.
Dexter: Nee, wir haben da einfach die Jogginghose angelassen…
Suff Daddy: …sind nicht duschen gegangen…
Brenk: …was normal ist bei uns… Dexter: … und konnten uns einhundertprozentig auf die Mucke konzentrieren – auch weil Olski [Oliver Von Felbert, Chef von Melting Pot Music; Anm. d. Verf.] mitgekommen ist, für uns gekocht und aufgeräumt hat. Anfangs war auch erst einmal die Frage, ob das funktionieren würde – wir benutzen ja zum Beispiel alle verschiedenes Equipment. Es lief dann meistens so ab, dass jeder für sich etwas begonnen hat und anschließend haben die anderen etwas dazugespielt. Es war die ganze Zeit über Interaktion.

Wie viel Ausschussware entsteht bei euren Sessions denn?
Dexter: In der Hütte haben wir so ca. 50 Skizzen gemacht und davon sind letztendlich 29 herausgefallen. Wir sind da schon selektiv und merken auch schnell, wenn etwas nicht funktioniert. Natürliche Selektion, sozusagen.
Brenk: Man hat halt seine Linie und der bleibt man treu. Manchmal lehnt man sich ein bisschen aus dem Fenster und probiert andere Sounds aus, aber eigentlich halten wir das immer im Rahmen. Außer dem obligatorischen Panflöten-Solo von Suff Daddy gab es nichts »Experimentelles«.
Dexter: Wir haben dieses Mal auch vor Augen gehabt, dass wir wieder auf Tour gehen und geschaut, dass die Sachen livetauglich sind. Das war ein bisschen anders als beim letzten Mal.

»Außer dem obligatorischen Panflötensolo von Suff Daddy gab es nichts ›Experimentelles‹.« (Brenk Sinatra) Dexter, auf »Palmen und Freunde« hast du viel mit der 808 gearbeitet – gab es dieses Mal bestimmte Sounds, die ihr bewusst einbezogen beziehungsweise ausgeklammert habt?
Dexter: Also, die 808 kommt auf dem neuen Album eigentlich gar nicht mehr so oft vor und wenn, auch nicht auf die Weise, wie man es vielleicht kennt. Es kommt halt darauf an, was du damit machst. Deswegen haben wir jetzt nichts kategorisch ausgeschlossen – jeder darf alles. Es gab auch gar keinen Grund etwas auszuschließen. Außer Panflöten. Das ist das schlimmste Instrument allerzeiten.

Warum betont ihr immer wieder, dass euch »Boom Bap« weder als Begriff noch als Genre zusagt?
Dexter: Dieser Begriff »Boom Bap« ist ja nur ein Versuch, etwas zu kategorisieren. Ich verstehe darunter halt diese 95er NYC-Schiene. Es gibt Leute, die das wirklich beherrschen. Aber für mich das ist ein negativ-behafteter Begriff. Auch diese 90er-Boom Bap-Partys – da gehe ich gar nicht hin. Selbst wenn ich die Musik dort nicht ›scheiße‹ finde – völlig im Gegenteil. Aber dieses hängengebliebene Image á la »Ich feiere nur Rap aus der Golden Era« ist mir zuwider.

Brenk, du hast gerade den Sampler »For The People« initiiert, dessen Erlös an Flüchtlinge im irakisch-syrischen Grenzgebiet geht. Wie aufmerksam verfolgt ihr die Geschehnisse um die IS?
Brenk: Ich beobachte das jetzt nicht aufmerksamer als eine Krise in der Ukraine oder so, wo man ja auch sieht, dass es Leuten nicht gut geht. Aber da mein Kollege in der kurdischen Botschaft in Wien arbeitet und mich um einen Auftritt dort bat, ich aber keine Zeit hatte, wollte ich irgendwie auf andere Weise helfen. Daraus entstand dann diese Idee.
Suffy: »For The People« ist aber auch als Album saugut geworden. Beat-Compilations sind ja meist ultralangweilig – ich höre mir die gar nicht an….
Brenk: Ja, ich finde es auch sehr ausgewogen. In Bezug auf Spendengelder bringt so eine Platte ja auch viel mehr als ein einzelner Auftritt. Dass Jakarta Records auch sofort dabei war und alles so schnell funktioniert hat, ist natürlich cool! Ganz viel Liebe an alle Beteiligten auf diesem Wege nochmal.

»Dieses hängengebliebene Image á la ›Ich feiere nur Rap aus der Golden Era‹ ist mir zuwider.« (Dexter) Weihnachten steht vor der Tür. Was trinken die Betty Ford Boys auf dem Weihnachtsmarkt?
Alle zusammen: BIER!
Dexter: Also ich muss sagen: Ich hasse Weihnachtsmärkte! Ich hasse die Enge und die Kälte und Glühwein mag ich auch nicht.
Suffy: Glühwein ist das Ekelhafteste überhaupt!
Brenk: Sowieso! Aber die kleinen Weihnachtsmärkte, wo nicht so viele Leute hingehen, sind cool. Nur die großen Touri-Weihnachtsmärkte sind scheiße!
Dexter: Du siehst: Wir sind keine Weihnachtsmänner.
Brenk: Ich habe mir gerade die Chevy Chase-Weihnachtsbox mit allen Filmen gekauft. Ich freue mich schon darauf die Weihnachten zu gucken.
Dexter: Chevy Chase? Wer ist das?
Brenk: Was? Das kennst du nicht?! Diese Filme,wo der das Haus abbrennt…?
Dexter: Ich kenne nur Charlie Chase, der in »Wild Style« auf dem Basketballplatz rappt. Ich bin real.
Brenk: Das war vor meiner Zeit.

Das Album »Retox« von Betty Ford Boys findest du bei hhv.de auf CD, Tape und LP.
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 26.11.2014
Betty Ford Boys
Retox
Nichts mit Entschlackungskur – hier wird nachgeschüttet. Hier steckt richtig Volumen hinter.
Music Review | verfasst 28.08.2013
Betty Ford Boys
Leader Of The Brew School
»Leaders Of The Brew School« ist nicht weniger als der feuchte Traum aller Bedroom-Producer.
Music Interview | verfasst 19.11.2013
Betty Ford Boys
The Crucial Question
Unsere Gretchenfrage ist vielleicht nicht so absolut wie die in Goethes »Faust«, aber sie enthüllt einen bestimmten Aspekt mit nur einer Frage. Ohne Schnickschnack. Diesmal geht sie raus an die Betty Ford Boys.
Music Review | verfasst 08.12.2011
Brenk Sinatra
Gumbo 2 (Pretty Ugly)
Melting Pot’s Finest Brenk Sinatra bringt mit Gumbo 2 (Pretty Ugly) sein bereits drittes Instrumental-Album.
Music Bericht | verfasst 21.05.2012
Suff Daddy
Live am 16.5. in der Alten Feuerwache in Mannheim
Bevor Suff Daddy sein Berliner Beatlabor verlässt, um seine neue Wahlheimat Sydney anzusteuern, lud er im Mai noch einmal zur Abschiedstour ein. In der Nacht zum Vatertag zeigte er in Mannheim, was uns auf dem kommenden Album erwartet.
Music Review | verfasst 03.02.2012
Various Artists
Beat Fight #2
Im Oktober trafen sich in Köln zwölf Produzenten aus Deutschland und Österreich und stellten sich dem Wettbewerb. So klingt das Ergebnis.
Music Review | verfasst 13.12.2012
Juke&Imun
Der Erste Macht Das Licht An
Purer Boom Bap mit Anspruch, der wirklich Spass macht. Juke & Imun sind die Hoffnungsträger des qualitativen Deutsch-Rap der Zukunft.
Music Review | verfasst 12.12.2012
S3 (Miles Bonny & Brenk Sinatra)
Supa Soul Sh*t
Das ist gesetzte, aktuelle, erwachsene, entspannte, und doch spannende Soul-Musik, die über kontinentale Grenzen hinweg funktioniert.
Music Review | verfasst 09.08.2016
Brenk Sinatra
Gumbo 2: Pretty Ugly/Lost Tapes
Stell dir vor, du bist Nelly-Fan und hörst dein ganzes Leben lang »Suit«. Und plötzlich zeigt dir jemand »Sweat«.
Music Interview | verfasst 19.08.2011
Brenk
»Soulig und bouncig um die Ecke«
Anfang September veröffentlicht der Wiener Brenk den zweiten Teil seiner Instrumental-Reihe »Gumbo« auf Melting Pot Music. Zeit für uns, dem Sinatra Wiens ein paar Fragen vorzuspielen.
Music Interview | verfasst 07.11.2012
Miles Bonny
In erster Linie Mensch
Miles Bonny ist zurück. Wenn er denn überhaupt weg war. Aber der Sänger, Flügelhornist, Komponist, Producer, DJ und – wie er in diesem Interview bemerkt – Mensch ist präsent wie lange nicht.
Music Review | verfasst 06.07.2011
Miles Bonny
Lumberjack Soul
Anstatt sich für irgendeine Kiste herzugeben, freestylet Bonny ungezwungen zwischen allem, was ihn inspiriert aus Soul, Funk und Jazz.
Music Review | verfasst 18.06.2012
Suff Daddy
Suff Sells
Auch auf dieen 29 Tracks bewegt sich Suff Daddy unbeirrt zwischen Old-School und Moderne, verbindet klassisches Sampling mit Melodien.
Music Review | verfasst 03.05.2013
Suff Daddy & Ta-Ku
Bricks & Mortar EP
Auch an den jüngsten Produktionen von Suff Daddy gibt es gewohntermaßen wieder nichts zu meckern.
Music Review | verfasst 06.05.2010
Suff Daddy
The Gin Diaries
Wer gedacht hat, dass es für Suff Daddy nichts Anderes als Pilsetten gäbe, der wird spätestens mit »The Gin Diaries« eines Besseren belehrt.
Music Bericht | verfasst 08.07.2011
Miles Bonny
Live am 6.7. im Cassiopeia in Berlin
Im Rahmen ihrer Lumberjack und Gin-Tour sind die zwei Liquor-Connaisseure Miles Bonny und Suff Daddy gerade in deutschen Städten unterwegs. Am letzten Mittwoch luden sie mit ihrem Paket aus modernem Soul und Boom Bap ins Cassiopeia.
Music Liste | verfasst 10.08.2011
Twit One
DJ Charts
Die gemeinsame Platte mit Sylabil Spill ist gerade erschienen, die Platte mit Lazy Jones bereits fertig. Von der neuen Platte mit Hulk Hodn ganz zu schweigen. Nebenbei legt er auch auf. Und beackert in seinen DJ Charts ein weites Feld.
Music Kolumne | verfasst 13.06.2012
High 5
Rap-Songs über Alkoholgenuss - Ausgewählt von Suff Daddy
Vieles ist in letzter Zeit über Suff Daddy geschrieben worden: Soloalbum, Pils Daddy, Australien. Welche Rap-Spirituosen der Beat-Destillateur für einen gelungenen Absturz empfiehlt, erfahrt ihr nun an dieser Stelle. Wir sagen mal: Prost!
Music Interview | verfasst 11.06.2012
Suff Daddy
»Es wird sich gar nichts ändern«
Gestern ist der Berliner Produzent Suff Daddy nach Australien ausgewandert. Kurz vor der Abreise sprachen wir mit ihm über seine Zukunft in der neuen Heimat, seine musikalischen Anfänge und über sein Label Melting Pot Music.
Music Interview | verfasst 24.03.2014
Carpet Patrol
Vom Teppich die Krümel
Als Carpet Patrol tun sich mit Torky Tork und Suff Daddy zwei alte Bekannte zusammen. Zunächst ging es um das gemeinsame Abhängen, später entstanden zwischen GTA und MPC auch Beats.
Music Review | verfasst 26.02.2010
Dexter
Hi-Hat Club Vol.3 - The Jazz Files
Hier trifft Kenntnis auf Unbekümmertheit und lässt es nach 17 grandiosen Beats verschmerzen, dass die Snare manchmal zu laut ist.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.
Music Interview
Adrian Younge
Sonische Geschichtsstunde
Mit »The American Negro« beginnt ein neues Kapitel in der Arbeit von Adrian Younge. Sie ist frontaler, politisch aufgeladener und selbstsicherer. Er will lehren. Wir hatten die Gelegenheit zu einem ausführlichem Interview.