Music Interview | verfasst 24.11.2014
Betty Ford Boys
Beats aus der Bude
Es ist kaum ein Jahr her, dass Dexter, Brenk Sinatra und Suff Daddy ihr Debüt veröffentlichten. Schon wurden für »Retox« wieder die G-Funk-Geräte angeschaltet. Diesmal in einer alten Fischerhütte. Die Betty Ford Boys sind wieder im Rausch.
Text Fionn Birr , Fotos Robert Winter / © Melting Pot Music
Mpm_187_promophoto-%282%29-betty-ford-boys---venloer-strasse-robert-winter-hhv-mag

Während eigentlich nur noch der durchschnittliche YouTube-Hater auf Dr.Dres Phantom »Detox« wartet, fordern deine Lieblingshofkapellmeister von den Betty Ford Boys auf ihrem zweiten Album »Retox« schon mal zur Rückbesinnung auf die Intoxikation auf. Kaum ein Jahr ist es her, dass Dexter, Brenk Sinatra und Suff Daddy mit ihrem Debüt »Leaders Of The Brew School« der europäischen Beat-Szene ein bisschen mehr Westcoast einflößten und das deutsche Compton irgendwo zwischen Prenzlauer Berg, Heilbronn und Kaisermühlen platzierten. Dass sich die Fachjournaille und die Stammtischbrüder mit Bummtschakk im Glas auch dieses Mal mit Superlativen überschlagen werden, sobald die Moog-geschwängerten G-Funk-Geräte der drei Schnapsnasen über den Tresen wandern, ist dabei so klar wie ein doppelter Kornbrand. Die Betty Ford Boys sind wieder im Rausch.

Ihr ward gerade auf Tour – welche Stadt war am Feucht-fröhlichsten?
Brenk: Wir trinken auf Tour mittlerweile gar nicht mehr so viel. Beim letzten Mal haben wir uns zwei Wochen am Stück abgeschossen. Die jetzige Tour war dagegen total »erwachsen«, könnte man sagen.
Dexter: Das ist ja auch anstrengend: Aufstehen, Losfahren, Soundcheck, Trinken – das kann man nicht so lange durchhalten. Wir sind ja alle über 30.
Suff Daddy: Das fortgeschrittene Alter, das fehlende Training und natürlich die Professionalität, die über allem schwebt… (Gelächter)

»Dexter produziert immer nur nackt. Das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig…« (Suff Daddy) Ihr habt euch für »Retox« in einer Fischerhütte eingenistet. Woher kam diese Idee?
Suff Daddy: Nachdem wir das erste Album mehr oder weniger über das Internet zusammengeschustert hatten, kam irgendwer auf diese Idee. Das war eigentlich auch nur Blödsinn von uns. Dann hat unser Label Melting Pot Music das aber sehr ernst genommen und Robert Winter, unser Fotograf, hat uns dann so ein Häuschen in der bayrischen Einöde gemietet.

Wie lief ein Tag dort in der Regel ab?
Suff Daddy: Also, Dexter produziert immer nur nackt. Das war anfangs sehr gewöhnungsbedürftig…
Brenk: Ich produziere eigentlich nur im Liegen. Wie ein Römer.
Dexter: Nee, wir haben da einfach die Jogginghose angelassen…
Suff Daddy: …sind nicht duschen gegangen…
Brenk: …was normal ist bei uns… Dexter: … und konnten uns einhundertprozentig auf die Mucke konzentrieren – auch weil Olski [Oliver Von Felbert, Chef von Melting Pot Music; Anm. d. Verf.] mitgekommen ist, für uns gekocht und aufgeräumt hat. Anfangs war auch erst einmal die Frage, ob das funktionieren würde – wir benutzen ja zum Beispiel alle verschiedenes Equipment. Es lief dann meistens so ab, dass jeder für sich etwas begonnen hat und anschließend haben die anderen etwas dazugespielt. Es war die ganze Zeit über Interaktion.

Wie viel Ausschussware entsteht bei euren Sessions denn?
Dexter: In der Hütte haben wir so ca. 50 Skizzen gemacht und davon sind letztendlich 29 herausgefallen. Wir sind da schon selektiv und merken auch schnell, wenn etwas nicht funktioniert. Natürliche Selektion, sozusagen.
Brenk: Man hat halt seine Linie und der bleibt man treu. Manchmal lehnt man sich ein bisschen aus dem Fenster und probiert andere Sounds aus, aber eigentlich halten wir das immer im Rahmen. Außer dem obligatorischen Panflöten-Solo von Suff Daddy gab es nichts »Experimentelles«.
Dexter: Wir haben dieses Mal auch vor Augen gehabt, dass wir wieder auf Tour gehen und geschaut, dass die Sachen livetauglich sind. Das war ein bisschen anders als beim letzten Mal.

»Außer dem obligatorischen Panflötensolo von Suff Daddy gab es nichts ›Experimentelles‹.« (Brenk Sinatra) Dexter, auf »Palmen und Freunde« hast du viel mit der 808 gearbeitet – gab es dieses Mal bestimmte Sounds, die ihr bewusst einbezogen beziehungsweise ausgeklammert habt?
Dexter: Also, die 808 kommt auf dem neuen Album eigentlich gar nicht mehr so oft vor und wenn, auch nicht auf die Weise, wie man es vielleicht kennt. Es kommt halt darauf an, was du damit machst. Deswegen haben wir jetzt nichts kategorisch ausgeschlossen – jeder darf alles. Es gab auch gar keinen Grund etwas auszuschließen. Außer Panflöten. Das ist das schlimmste Instrument allerzeiten.

Warum betont ihr immer wieder, dass euch »Boom Bap« weder als Begriff noch als Genre zusagt?
Dexter: Dieser Begriff »Boom Bap« ist ja nur ein Versuch, etwas zu kategorisieren. Ich verstehe darunter halt diese 95er NYC-Schiene. Es gibt Leute, die das wirklich beherrschen. Aber für mich das ist ein negativ-behafteter Begriff. Auch diese 90er-Boom Bap-Partys – da gehe ich gar nicht hin. Selbst wenn ich die Musik dort nicht ›scheiße‹ finde – völlig im Gegenteil. Aber dieses hängengebliebene Image á la »Ich feiere nur Rap aus der Golden Era« ist mir zuwider.

Brenk, du hast gerade den Sampler »For The People« initiiert, dessen Erlös an Flüchtlinge im irakisch-syrischen Grenzgebiet geht. Wie aufmerksam verfolgt ihr die Geschehnisse um die IS?
Brenk: Ich beobachte das jetzt nicht aufmerksamer als eine Krise in der Ukraine oder so, wo man ja auch sieht, dass es Leuten nicht gut geht. Aber da mein Kollege in der kurdischen Botschaft in Wien arbeitet und mich um einen Auftritt dort bat, ich aber keine Zeit hatte, wollte ich irgendwie auf andere Weise helfen. Daraus entstand dann diese Idee.
Suffy: »For The People« ist aber auch als Album saugut geworden. Beat-Compilations sind ja meist ultralangweilig – ich höre mir die gar nicht an….
Brenk: Ja, ich finde es auch sehr ausgewogen. In Bezug auf Spendengelder bringt so eine Platte ja auch viel mehr als ein einzelner Auftritt. Dass Jakarta Records auch sofort dabei war und alles so schnell funktioniert hat, ist natürlich cool! Ganz viel Liebe an alle Beteiligten auf diesem Wege nochmal.

»Dieses hängengebliebene Image á la ›Ich feiere nur Rap aus der Golden Era‹ ist mir zuwider.« (Dexter) Weihnachten steht vor der Tür. Was trinken die Betty Ford Boys auf dem Weihnachtsmarkt?
Alle zusammen: BIER!
Dexter: Also ich muss sagen: Ich hasse Weihnachtsmärkte! Ich hasse die Enge und die Kälte und Glühwein mag ich auch nicht.
Suffy: Glühwein ist das Ekelhafteste überhaupt!
Brenk: Sowieso! Aber die kleinen Weihnachtsmärkte, wo nicht so viele Leute hingehen, sind cool. Nur die großen Touri-Weihnachtsmärkte sind scheiße!
Dexter: Du siehst: Wir sind keine Weihnachtsmänner.
Brenk: Ich habe mir gerade die Chevy Chase-Weihnachtsbox mit allen Filmen gekauft. Ich freue mich schon darauf die Weihnachten zu gucken.
Dexter: Chevy Chase? Wer ist das?
Brenk: Was? Das kennst du nicht?! Diese Filme,wo der das Haus abbrennt…?
Dexter: Ich kenne nur Charlie Chase, der in »Wild Style« auf dem Basketballplatz rappt. Ich bin real.
Brenk: Das war vor meiner Zeit.

Das Album »Retox« von Betty Ford Boys findest du bei hhv.de auf CD, Tape und LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 26.11.2014
Betty Ford Boys
Retox
Nichts mit Entschlackungskur – hier wird nachgeschüttet. Hier steckt richtig Volumen hinter.
Music Review | verfasst 28.08.2013
Betty Ford Boys
Leader Of The Brew School
»Leaders Of The Brew School« ist nicht weniger als der feuchte Traum aller Bedroom-Producer.
Music Interview | verfasst 19.11.2013
Betty Ford Boys
The Crucial Question
Unsere Gretchenfrage ist vielleicht nicht so absolut wie die in Goethes »Faust«, aber sie enthüllt einen bestimmten Aspekt mit nur einer Frage. Ohne Schnickschnack. Diesmal geht sie raus an die Betty Ford Boys.
Music Review | verfasst 08.12.2011
Brenk Sinatra
Gumbo 2 (Pretty Ugly)
Melting Pot’s Finest Brenk Sinatra bringt mit Gumbo 2 (Pretty Ugly) sein bereits drittes Instrumental-Album.
Music Bericht | verfasst 21.05.2012
Suff Daddy
Live am 16.5. in der Alten Feuerwache in Mannheim
Bevor Suff Daddy sein Berliner Beatlabor verlässt, um seine neue Wahlheimat Sydney anzusteuern, lud er im Mai noch einmal zur Abschiedstour ein. In der Nacht zum Vatertag zeigte er in Mannheim, was uns auf dem kommenden Album erwartet.
Music Review | verfasst 03.02.2012
Various Artists
Beat Fight #2
Im Oktober trafen sich in Köln zwölf Produzenten aus Deutschland und Österreich und stellten sich dem Wettbewerb. So klingt das Ergebnis.
Music Review | verfasst 13.12.2012
Juke&Imun
Der Erste Macht Das Licht An
Purer Boom Bap mit Anspruch, der wirklich Spass macht. Juke & Imun sind die Hoffnungsträger des qualitativen Deutsch-Rap der Zukunft.
Music Review | verfasst 12.12.2012
S3 (Miles Bonny & Brenk Sinatra)
Supa Soul Sh*t
Das ist gesetzte, aktuelle, erwachsene, entspannte, und doch spannende Soul-Musik, die über kontinentale Grenzen hinweg funktioniert.
Music Review | verfasst 09.08.2016
Brenk Sinatra
Gumbo 2: Pretty Ugly/Lost Tapes
Stell dir vor, du bist Nelly-Fan und hörst dein ganzes Leben lang »Suit«. Und plötzlich zeigt dir jemand »Sweat«.
Music Interview | verfasst 19.08.2011
Brenk
»Soulig und bouncig um die Ecke«
Anfang September veröffentlicht der Wiener Brenk den zweiten Teil seiner Instrumental-Reihe »Gumbo« auf Melting Pot Music. Zeit für uns, dem Sinatra Wiens ein paar Fragen vorzuspielen.
Music Interview | verfasst 07.11.2012
Miles Bonny
In erster Linie Mensch
Miles Bonny ist zurück. Wenn er denn überhaupt weg war. Aber der Sänger, Flügelhornist, Komponist, Producer, DJ und – wie er in diesem Interview bemerkt – Mensch ist präsent wie lange nicht.
Music Review | verfasst 06.07.2011
Miles Bonny
Lumberjack Soul
Anstatt sich für irgendeine Kiste herzugeben, freestylet Bonny ungezwungen zwischen allem, was ihn inspiriert aus Soul, Funk und Jazz.
Music Review | verfasst 18.06.2012
Suff Daddy
Suff Sells
Auch auf dieen 29 Tracks bewegt sich Suff Daddy unbeirrt zwischen Old-School und Moderne, verbindet klassisches Sampling mit Melodien.
Music Review | verfasst 03.05.2013
Suff Daddy & Ta-Ku
Bricks & Mortar EP
Auch an den jüngsten Produktionen von Suff Daddy gibt es gewohntermaßen wieder nichts zu meckern.
Music Review | verfasst 06.05.2010
Suff Daddy
The Gin Diaries
Wer gedacht hat, dass es für Suff Daddy nichts Anderes als Pilsetten gäbe, der wird spätestens mit »The Gin Diaries« eines Besseren belehrt.
Music Bericht | verfasst 08.07.2011
Miles Bonny
Live am 6.7. im Cassiopeia in Berlin
Im Rahmen ihrer Lumberjack und Gin-Tour sind die zwei Liquor-Connaisseure Miles Bonny und Suff Daddy gerade in deutschen Städten unterwegs. Am letzten Mittwoch luden sie mit ihrem Paket aus modernem Soul und Boom Bap ins Cassiopeia.
Music Liste | verfasst 10.08.2011
Twit One
DJ Charts
Die gemeinsame Platte mit Sylabil Spill ist gerade erschienen, die Platte mit Lazy Jones bereits fertig. Von der neuen Platte mit Hulk Hodn ganz zu schweigen. Nebenbei legt er auch auf. Und beackert in seinen DJ Charts ein weites Feld.
Music Kolumne | verfasst 13.06.2012
High 5
Rap-Songs über Alkoholgenuss - Ausgewählt von Suff Daddy
Vieles ist in letzter Zeit über Suff Daddy geschrieben worden: Soloalbum, Pils Daddy, Australien. Welche Rap-Spirituosen der Beat-Destillateur für einen gelungenen Absturz empfiehlt, erfahrt ihr nun an dieser Stelle. Wir sagen mal: Prost!
Music Interview | verfasst 11.06.2012
Suff Daddy
»Es wird sich gar nichts ändern«
Gestern ist der Berliner Produzent Suff Daddy nach Australien ausgewandert. Kurz vor der Abreise sprachen wir mit ihm über seine Zukunft in der neuen Heimat, seine musikalischen Anfänge und über sein Label Melting Pot Music.
Music Interview | verfasst 24.03.2014
Carpet Patrol
Vom Teppich die Krümel
Als Carpet Patrol tun sich mit Torky Tork und Suff Daddy zwei alte Bekannte zusammen. Zunächst ging es um das gemeinsame Abhängen, später entstanden zwischen GTA und MPC auch Beats.
Music Review | verfasst 26.02.2010
Dexter
Hi-Hat Club Vol.3 - The Jazz Files
Hier trifft Kenntnis auf Unbekümmertheit und lässt es nach 17 grandiosen Beats verschmerzen, dass die Snare manchmal zu laut ist.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Dinosaur Jr
Green Mind
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Sade
Magie ohne Mysterium
Mit dem Box-Set »This Far« wird das Gesamtwerk von Sade neu veröffentlicht. Viel ist das nicht. Aber Sängerin Helen Folasade Adu ist nicht nicht nur der größte Superstar, der nie einer werden wollte – sondern singt nur, wenn sie es will.
Music Kolumne
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Music Porträt
Derya Yıldırım
Im Namen der Menschlichkeit
Für Derya Yıldırım ist Musik in erster Linie Ausdruck menschlicher Beziehungen. Mit der Grup Şimşek verbindet sie die Musik ihrer anatolischer Heimat mit unzähligen anderen Klängen und Melodien, die die Menschen erden.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Gastarbeiter*innen Musik
Parallel zur Genese des Anadolu Pop entwickelt sich in der BRD eine virile Infrastruktur. Diese »Gastarbeitermusik« hat das öffentliche Bewusstsein stets nur gestreift. Der wirtschaftliche Austausch hätte ein kultureller sein können.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Anadolu Pop
Altın Gün, Derya Yıldırım & Grup Şimşek oder Gaye Su Akyol: mehr und mehr Bands beziehen sich wieder auf den Sound des Anadolu Pop, der sich in den 1960er Jahren in der Türkei formierte. Aber ist es ein Revival? Wir klären auf.
Music Kolumne
Records Revisited
Mouse On Mars – Iaora Tahiti (1995)
Mit ihrem zweiten Album »Iaora Tahiti« haben Mouse On Mars schließlich den letzten überzeugt, dass schlaue Electronica in den Neunzigern durchaus auch aus good ol’ Germany kommen kann. In diesen Tagen wird das Album 25 Jahre alt.
Music Kolumne
Records Revisited
Radiohead – Kid A (2000)
Zwischen Bigotterie und Blasphemie liegt oft nur »Kid A«. Das vierte Album von Radiohead erschien am 2. Oktober 2000, tauschte Gitarren gegen Synthesizer – und begann mit einem Fehler.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.