Music Interview | verfasst 22.02.2016
Pusha T
»Die Angst alles zu verlieren...«
Pusha T rappt seit über einem Jahrzehnt mit ungebrochener Bissigkeit. Dieses Jahr will er sich mit »King Push« selbst krönen. Wir haben mit ihm über das Prelude zum Album, »Darkest Before Dawn« gesprochen.
Text Julian Brimmers
Pushat

Nicht exakt dort zu stehen, wo er gemäß seines Talents und Charismas hingehört, ist eine Konstante in der Karriere von Pusha T. So komfortabel wie zur Zeit (u.a. ist er Präsident von GOOD Music) dürfte es Terrence Thornton aber noch nie gegangen sein. Dennoch basieren die 10 Songs von »Darkest Before Dawn: The Prelude« auf der Algebra der Überlebensstrategien und der ständig schwelenden Paranoia, alles wieder an die Wand zu fahren. Zum Glück (für den Hörer) entwickelt dieses Spannungsverhältnis ähnliche Effekte wie die verschnupfte Arroganz von 2002, die die Thorntons zum stylishsten Brüderpaar zwischen Virginia Beach und Brighton Beach aufsteigen ließ.

Bei derart viel fatalistischem Selbstbewusstsein vergisst man schnell, dass das alles kurz nach »Hell Hath No Fury« noch ganz anders ausgesehen hatte. Als Opfer einer branchenüblichen Verkettung von Politricks erreichten Clipse ihren kreativen Zenit mit derselben Platte, deren Verkaufszahlen wohl den halben Jive-A&R-Staff um ihre Jobs gebracht hat. Die Geschichte ist bekannt: »The Casket« droppte, (No) Malice fand zu Gott, und Pusha T eine Abkürzung in die Untiefen des Indie-Hustles – lauwarme 16er für MC Josef Jedermann inklusive. Selbst der Schulterschluss mit Kanye Wests GOOD Music schien zunächst nicht mehr bereit zuhalten, als die Rolle des vergoldeten Bankdrückers in einer Franchise, die für nur einen Star gebaut wurde.

Stattdessen hat Pusha T sich seine eigene Nische geschaffen. »Batman kriegt über 40% des ganzen Cartoons lang auf die Fresse. Du musst über die Zeiten rappen, in denen Du am Boden lagst.« (Pusha T) Sein neues Selbstverständnis als letzter Lyricist unter den gurgelnden »Kings of The YouTube« steht ihm hervorragend, erst recht wenn Puffy, Timbo, Q-Tip und HudMo dafür knochentrockene Unterlagen aus ihren B-Seiten-Ordnern zaubern. Dabei ist Pushas ›Coke Rap 3.0‹ selbstredend kein verlässlicher Tatsachenbericht aus dem Import-Export Business von Virginia. Vielleicht ist er das nie gewesen. Heutzutage dient Pusha T das Genre, das Clipse zwar nicht erfunden, aber fraglos für ein junges Publikum (auch und vor allem: weiße Nerds) aufpoliert haben, nur noch als linguistisches Universum, voller Kombinationsmöglichkeiten für Pulver-Puns, spanische Familiennamen und angewiderte Adlibs. Ein magischer Ort, in dem man Authentizitätsdebatten mit einem Rotznasengeräusch und dem Ric Flair »whoo« beiseite schiebt.

Du hast die Texte deiner Singles veröffentlicht bevor es überhaupt Musik gab und sogar deine eigenen Anmerkungen geschrieben. Die Struktur deiner Strophen scheint dabei besonders wichtig gewesen zu sein. Könntest Du ein bisschen was zum zweiten Verse von »Money, Pussy, Alcohol« erzählen? Der Part ist recht kontrovers…
Pusha T: »Money, Pussy, Alcohol« handelt von den drei Lastern, mit denen junge, schwarze Männer in den Straßen konfrontiert sind. Sie fördern Eifersucht und Wollust und einen ganzen Haufen an Unwägbarkeiten, die in großer Scheiße enden können. Im zweiten Verse spreche ich aus der Perspektive eines Typen, der das Around-the-way-Mädchen aus seiner Gegend nicht zu schätzen weiß. Er versteht nicht, was er an ihr hat, nämlich einen ungeschliffenen Diamanten. Du triffst dich mit solchen Mädchen, sie sind die ganze Zeit für dich da, aber du nimmst sie als gegeben hin. Bis sie dann aus der Nachbarschaft abhauen und die Typen aus der ganzen Stadt sie für ihre Großartigkeit und Schönheit bewundern. Dabei sind sie es, die die Hood am Laufen halten, Dinge erledigen, sich um um alle kümmern… vielleicht sogar sich selbst in Gefahr gebracht haben. Wenn sie dich zum Beispiel vor den Bullen verstecken oder ähnliches.

Starke Charaktere also, die wenn überhaupt nur wenig wertgeschätzt werden…
Pusha T: Ja, dieser außergewöhnliche, lustige Charakter dieser Mädchen kommt direkt von der Straße. Aber sie ziehen Leute an, die es auf normalen Wegen geschafft haben und die sie vernünftig behandeln. Und irgendwann haben solche Mädchen keine Lust mehr auf diesen Lifestyle, die ganzen Besuche im Knast und so weiter, und suchen sich Freunde in der Stadt. Am Ende der Strophe wird klar, dass ich aus dieser Perspektive zurückblicke… Mann, wir verlieren diese Rohdiamanten, einfach weil wir uns nicht vernünftig um sie kümmern.

Die letzten paar Zeilen bieten einen interessanten Twist auf das ganze »Gold Digger«-Klischee…
Pusha T: Die ganze Idee dieser vermeintlichen Gold Digger-Mentalität kommt mir komisch vor. Ich kenne niemanden auf der Welt, der kein extravagantes Zeug haben will. Ich kenne niemanden, der nicht mit den coolen Leuten herumhängen und sich mit schönen Dingen umgeben möchte. Wir alle streben etwas an und gerade die Mädchen, die in den Straßen groß geworden sind, bekommen selten die Wertschätzung, die ihnen zusteht.

Ein weiteres Beispiel für die Wichtigkeit deiner Songstrukturen ist »Keep Dealing«. Du und Beanie Sigel, ihr beendet jede eurer Strophen damit, wie ihr eure erste, zweite und dritte Million verpulvert habt. Bist du die Angst, wieder alles zu verlieren, jemals los geworden?
Pusha T: Nein, ich glaube die Angst alles zu verlieren, geht niemals weg. Ich wache jeden Tag auf und denke darüber nach, wie ich vermehren kann, was ich habe; wie ich wachsen kann und mehr Sicherheit in mein Leben bringe. »Ich fühle mich wie der letzte Rap-Superheld.« (Pusha T) Der Umgang mit der Musikindustrie hat mich vor allem gelehrt, dass nichts unüberwindbar ist. Ich sage das immer wieder, aber: Ich fühle mich wie der letzte Rap-Superheld. Man kann keine Superhelden-Geschichte erzählen, wenn man nicht über die Kämpfe spricht, die man verloren hat. Batman kriegt über 40% des ganzen Cartoons lang auf die Fresse [lacht]! All diese Typen verlieren ständig und der Joker sieht wie der sichere Gewinner aus, bis zur letzten Minute. Im Rap ist das nicht anders, du musst über die Zeiten reden, in denen du am Boden lagst.

Das scheint ein bisschen das Kernthema der Platte zu sein: selbstverantwortlich zu handeln vs. sich zum Opfer machen zu lassen.
Pusha T: Yo, einhundert Prozent.

Du verlangst dir selbst sehr viel Vertrauen in deine Lyrics ab. Auf dem Album und generell rappst du oft auf Beats, die auf das Nötigste heruntergebrochen sind. Da stehen deine Worte ganz schön im Fokus.
Pusha T: Ja, »bare bones rapping«. Das versuche ich um jeden Preis zu erreichen. Ich denke, da ist mein Platz in der heutigen Hip Hop-Landschaft. Die meisten achten darauf eher weniger im Moment.

Die erste Single »Untouchable« war bereits sehr minimalistisch. »Got ‘em Covered«, der andere Timbaland-Beat auf der Platte ist aber komplett verrückt. Ab-Liva, den du auf dem Song featurest, gilt als hervorragender Lyricist, aber wie hat er auf dieses Skelett eines Instrumentals reagiert?
Pusha T: Oh Mann, er war so dermaßen begeistert als ich ihm gesagt habe, dass das die Platte ist, auf die ich ihn… [lacht]! Mit einem Timbaland-Track zu arbeiten ist für eigentlich jeden Rapper ein Traum, der wahr wird. Einfach, weil Timbos Beats dich herausfordern. Sie sind wie ein Puzzle. Sobald du es gelöst hast, weißt du, dass du einen Track hast, der niemals zu reproduzieren ist. Du hast den Beat erobert.

Worin liegt die Schwierigkeit? Seinen Rhythmus zu finden?
Pusha T: Genau, seinen eigenen Rhythmus und eine Melodie über dem Beat zu finden. Dabei muss man prägnant bleiben ohne einfach drauflos zu palavern. Du musst dich durch die ganzen Instrumente und verrückten Sounds, die Timbaland benutzt, richtig durchboxen.

Du hast erwähnt, dass du bewusst die B-Seiten und düsteren Songs deiner Produzenten für »Darkest Before Dawn: The Prelude« benutzt hast. Was sagt uns das für den Sound von »King Push«?
Pusha T: Ich sag mal so: Das Präludium hatte eine durchgängige Färbung, eine Atmosphäre die mir gefällt und von der ich glaube, dass sie die Fans von mir wollen. »King Push« wird nicht monoton düster sein. So wie jetzt auf »Darkest Before Dawn: The Prelude« höre ich meine eigene Musik am liebsten. Aber auf »King Push« wird es mehr Farben geben, mehr Features, mehr Aspekte, die für ein bisschen mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sorgen können.

Dieser Artikel erschien zu erst bei Passion Of The Weiss auf Englisch. Mit freundlicher Genehmigung der Kollegen könnt ihr ihn nun bei uns auf Deutsch lesen.

Die Musik von Pusha T findest du bei hhv.de.
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 11.11.2011
Pusha T
Fear Of God II: Let Us Pray
Bruder Malice fehlt deutlich auf Pusha T’s Solo-Versuch. Als Ausgleich gibt es durchwachsene Features, aber auch einen Pusha in Bestform.
Music Review | verfasst 15.10.2013
Pusha T
My Name Is My Name
Dieses Album hätte einen Offenbarung werden können. Drei Namen sorgen dafür, dass es leider keine geworden ist.
Music Kolumne | verfasst 03.05.2012
Zwölf Zehner
April 2012
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Essay | verfasst 14.10.2013
Pusha T
Es kommt auf den Tony an
Pusha Ts erstes Solo-Album erscheint elf Jahre nach »Lord Willin’«. Viel Zeit im schnelllebigen Musik-Geschäft und trotzdem ist Pusha T gefragter denn je. Doch was macht das Phänomen Pusha T so faszinierend?
Music Kolumne | verfasst 06.07.2012
Zwölf Zehner
Juni 2012
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 05.03.2014
Zwölf Zehner
Februar 2014
Willkommen im März. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Liste | verfasst 29.12.2015
Jahresausklang 2015
Die besten Songs (30-11)
Woche für Woche picken unsere Redakteure im Ausklang ihre Lieblingssongs. Jeder für sich. Jetzt sollten sie gemeinsam die Top 50 des Jahres festlegen. Es wurden Existenzen in Frage gestellt bis Platz 1 alle vereinte.
Music Kolumne | verfasst 27.06.2018
Vinyl-Sprechstunde
Kanye West – ye
Slavery was a choice, Make America Great Again, man kennt die Storys. »ye« einfach nur als Tonträger zu besprechen, ist unmöglich. Drei Wochen nach Release versuchen wir, den ganzen Wahnsinn irgendwie einzuordnen.
Music Kolumne | verfasst 29.06.2018
Halbjahresrückblick 2018
50 best Vinyl Records so far
Techno ohne Kick und Snare, kunstvolles Gurgeln, Musik, zu der Buckelwale ihre Babys beisetzen: alles drin unter den 50 Schallplatten, die uns die erste Jahreshälfte 2018 bislang besonders versüßt haben.
Music Review | verfasst 01.06.2007
Zeph & Azeem
Rise Up
Auf Zephs abwechslungsreichen Instrumentals macht Azeems Zunge Yoga: das Debüt des Duos aus San Francisco macht Spaß.
Music Review | verfasst 03.04.2007
DJ Vadim
The Soundcatcher
Das fünfte Album des nimmermüden DJ Vadim ist einmal mehr ganz großes Kino.
Music Review | verfasst 15.04.2007
Various
OM HipHop Volume 1
Das in San Francisco ansässige Label OM Records setzt mit ihrer neuen Compilation die Ansprüche hoch
Music Review | verfasst 25.05.2007
Sa-Ra Creative Partners
The Hollywood Recordings
Das ist die erste Sa-Ra-Review, die ohne die Attribute »unique«, »innovativ« und »next-level« auskommt.
Music Review | verfasst 02.01.2007
Various
The Best Of Lewis Recordings
Die Briten von Lewis Recordings, Heimat von Edan, beehren uns mit einer interessanten Labelschau
Music Review | verfasst 02.12.2010
2Mex
My Fanbase Will Destroy You
Zwei Jahre hat er sich für »My Fanbase Will Destroy You« Zeit genommen. Ungewöhnlich lange für 2Mex.
Music Review | verfasst 05.11.2010
7L & Esoteric
1212
Erstmals seit 2006 gibt’s das Gespann 7L & Esoteric wieder auf Albumlänge. Die Ansage: 12 Tracks, die alle als 12inch taugen sollen.
Music Review | verfasst 08.11.2010
Celph Titled & Buckwild
Nineteen Ninety Now
»Nineteen Ninety Now« transportiert den Vibe der 1990er Jahre perfekt in die Jetztzeit.
Music Review | verfasst 18.11.2010
Atmosphere
To All My Friends / Blood Make The Blade Holy
Eine Doppel-EP, die die Zeit bis zum nächsten offiziellen Album überbrücken soll.
Music Review | verfasst 02.11.2010
Breez Evahflowin
As He Goes On...
Breez Evahflowin hört auf. Zum Abschied gibt er seinen Fans ein reflektiertes, ehrliches und erwachsenes Album.
Music Review | verfasst 22.10.2010
FS Green & Full Crate
Hi-Hat Club 5: Eggs And Pancakes
Die Stärke besteht in Bassläufen, die ausgewählte Samples dezent in den Hintergrund rücken.
Music Review | verfasst 30.11.2010
Kanye West
My Beautiful Dark Twisted Fantasy
Kanye West besinnt sich auf seine alte Stärken, besinnt sich auf große Popmomente und geht damit wieder ein, zwei Schritte nach vorne.
Music Review | verfasst 19.11.2010
Intalek & Ritchcraft
Lives And Vibes
Perfektes Zusammenspiel: Ritchcraft erschafft einen warmen, elektrolastigen Sound, Intaleks frischer und gelassener Flow rundet ab.
Music Review | verfasst 24.09.2010
Professor Green
Alive Till I'm Dead
Ein Album samt selbstironischer Anspielungen auf das Musikbusiness, das irgendwo zwischen den Stühlen von HipHop und Mainstream-Pop Platz.
Music Review | verfasst 10.11.2010
Shad
TSOL
Im Vergleich mit Drake das spannendere kanadische Exportgut, das die Nische zwischen Common, Blu und Talib Kweli ebenbürtig ausfüllt.
Music Review | verfasst 12.11.2010
U-N-I
A Love Supreme 2.0
Von Hipster-Rap und Gangstarap sind U-N-I genausoweit entfernt. A Love Supreme zählt zu den besseren Hip-Hop-Platten des Jahres.
Music Review | verfasst 10.11.2010
Various Artists
The Moon Comes Closer
Jinna Morocha hatte den Wunsch zum Mond zu reisen und fand in Project: Mooncircle den geeigneten Partner.
Music Review | verfasst 10.03.2007
Evidence
The Weatherman LP
Weniger Nostalgie, mehr Risikofreude, ohne die klassizistische Nische zu verlassen: Evidence-Haten ist wieder uncool geworden.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.