Music Review | verfasst 04.06.2018
Kendrick Lamar
OST Black Panther
Interscope, 2018
Text Alexis Waltz
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.0
Redaktion
Cover Kendrick Lamar - OST Black Panther

»Blackness durchdringt ›Black Panther‹ auf eine sehr spezifische und notwendige Weise. Zum ersten Mal seit langer Zeit sehen wir einen Film über Schwarze, die Einfluss ausüben, die Macht haben«, erklärt Jamie Broadnax vom Comic-Fanzine Black Girl Nerds: _»Sie beherrschen ein Königreich, sie erfinden fortschrittliche Technologien. Einmal haben wir es nicht mit Schmerz zu tun, mit schwarzem Leid und schwarzer Armut. Das sind normalerweise die Themen erfolgreicher Filme über die afroamerikanische Erfahrung.«

Mit Wakanda erfindet Marvel in »Black Panther« einen idyllischen, afrikanischen Staat, der von den Traumata von Kolonialismus und Postkolonialismus verschont blieb, der zugleich archaisch ist und hochmodern. Und dieses Empowerment findet auch hinter der Kamera statt. Die meisten Schlüsselpositionen der Filmproduktion wurden von Schwarzen besetzt, auf der Leinwand sind nur zwei weiße Schauspieler zu sehen. So bringt der Film eine afroamerikanische Befindlichkeit nach Hollywood, die dort trotz Superhelden wie »Hancock« (mit Will Smith) oder Oscar-Gewinnern wie »Moonlight« bisher keinen Platz hatte.

Der Erfolg gibt »Black Panther« recht: Allein der Teaser Trailer hatte innerhalb von 24 Stunden 89 Millionen Views. Im Social Media produzierte der Film einen eigenen Diskurs und eine ganze Reihe von Memes. Die New York Times stellte sogar zur Diskussion, ob der Film ein definierendes Moment für das Schwarze Amerika verkörpere. Dabei interessierte der Umstand, dass kein geringerer als Kendrick Lamar für den Soundtrack verantwortlich ist, nur am Rande. Vielleicht hat das damit zu tun, dass der Score des Schweden Ludwig Göransson im Film präsenter ist. Vielleicht passt auch Lamars Zerrissenheit nicht zu den Bildern, die der afroamerikanischen Realität eine Heldenphantasie entgegenstellen. Für Lamars Verhältnisse wirkt der Soundtrack gefällig und professionell. In fünf Songs ist er gecredited, die übrigen hat er kuratiert. Mit Schoolboy Q, 2 Chainz, Khalid, Vince Staples oder Future ist ein breites Spektrum von Rap Royalty vertreten. Und Babes Wodumo, Sjava und Yugen Blakrok sind zwar auch südafrikanische Künstler dabei, die aber eher bedienen Weltmusikklischees bedienen. Die meisten Songs sind solide Konfektionsware, die nichts mit Lamars Soloalben zu tun hat, sondern eher an seine Kollaborationen mit Sia oder Travis Scott anknüpft. Bei den Singles mit The Weeknd und SZA gelingt es Kendrick Lamar nicht, mit seinen hermetischen Raps eine Beziehung zum Gegenüber aufzubauen. Zu den besseren Songs auf dem Soundtrack gehört der launische, britische Soul von Jorja Smith und „X“ von ScHoolboy Q, 2 Chainz & Saundi mit seinem mäandernden Trap-Groove. Der beste Song ist mit seinen verstimmten Pianos und verlorenen Drumpattern »Black Panther«. Da rappt Kendrick Lamar allein, und er redet Tacheles. Der Black-Panther-Phantasie entsprechend ist er der König seiner Stadt, seines Landes, seines Heimat. Aber er kann die afroamerikanische Erfahrung nicht ausblenden, und so ist er eben auch König der shooters, looters und boosters. So setzt sich Lamar einen Schmerz aus, den der Film verdrängt.


»OST Black Panther« von Route 8 findest du bei uns im Webshop: Vinyl 2LP.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Interview | verfasst 29.04.2013
Kendrick Lamar
Den Ausgleich schaffen
Als Retter des Westküsten-Hip-Hop gefeiert, sagt Kendrick Lamar’s Album »good kid m.A.A.d city’s« etwas über den aktuellen Stand des Hip Hop aus. Wir sprechen mit Lamar über Vergangenheit und Gegenwart des Rap und die Bedeutung von Compton.
Music Review | verfasst 26.10.2012
Kendrick Lamar
good kid, m.A.A.d city
Lange hat keiner so technisch versiert Geschichten gerappt, wie Kendrick Lamar. Das reicht allerdings nicht für den ganz großen Wurf.
Music Bericht | verfasst 06.02.2013
Kendrick Lamar
Live am 1.2. in der C-Halle in Berlin
Freitag war endlich Berlin an der Reihe Kendrik Lamar zu empfangen. K.Dot. Mr. 2012. Die Fakten, dass Lamars Album gerade Gold gegangen ist und sein Konzert ausverkauft war, bereiteten einen nicht auf den Wahnsinn vor, der Lamar begleitet.
Music Kolumne | verfasst 16.03.2015
Vinyl-Sprechstunde
Kendrick Lamars »To Pimp A Butterfly«
To stream a masterpiece: in einer Sondereil-Edition der Vinyl-Sprechstunde nehmen sich unsere Kolumnisten Kendrick Lamars neuem Album an. Es gibt Vorbehalte, am Ende aber auch eine gemeinsame, eindeutige Meinung.
Music Liste | verfasst 10.07.2017
Halbjahresrückblick 2017
Best Hip-Hop so far
Das Jahr ist noch halb leer, aber schon vollgepackt mit super Releases. Wir haben grob in vier Genres aufgeteilt, je 20 Platten. Hier unsere Lieblinge aus dem Bereich Hip Hop. Von Migos bis Freundeskreis.
Music Essay | verfasst 05.03.2018
Kendrick Lamar & »Black Panther«
Black Future Month
Kendrick Lamar hat sich für den Soundtrack zu »Black Panther« verantwortlich gezeigt und ist vielleicht jetzt, wo Diversity verkauft werden soll, damit sie niemand tatsächlich leben muss, wichtiger denn je zuvor.
Music Review | verfasst 13.08.2007
50 Cent
Curtis
Kaum ein anderer Künstler hat sich nach gutem Start derart dämlich ins Abseits manövriert wie 50 Cent.
Music Review | verfasst 20.12.2012
Chief Keef
Finally Rich
Das aus einer guten Hook und einem guten Hausproduzenten noch lange kein gutes Album wird, beweist Chief Keefs Debüt.
Music Review
Flock Of Dimes
Head Of Roses
»Head Of Roses«, das zweite Soloalbum von Wye Oak’s Jenn Wasner, beleuchtet weise die Liebe in Zeiten unendlicher Wahlfreiheit.
Music Review
Godspeed You! Black Emperor
G_d’s Pee AT STATE’S END
»G_d’s Pee AT STATE’S END« ist das siebente Album der Kanadier von Godspeed You! Black Emperor und ihr bestes seit langem.
Music Review
Luca Yupanqui
Sounds Of The Unborn
Pränatale Kinderarbeit? »Sounds Of The Unborn« von Luca Yupanqui ist das erste Album einer ungeborenen Künstlerin.
Music Review
Jimi Tenor
Deep Sound Learning (1993-2000)
Bureau B hat unveröffentlichtes Material von Jimi Tenor geborgen und unter dem Titel »Deep Sound Learning (1993-2000)« veröffentlicht.
Music Review
Robbie Basho
The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12
Robbie Basho gilt als Pionier der Steel Guitar. Jetzt wurde das tolle »The Art Of The Acoustic String Guitar 6 & 12« wiederveröffentlicht.
Music Review
Rogér Fakhr
Fine Anyway
Mit »Fine Away« hat das Label Habibi Funk Songs des libanesischen Songwriters Rogér Fakhr zusammengestellt und wiederveröffentlicht.
Music Review
S. Fidelity
Fidelity Radio Club
»Fidelity Radio Club« von S.Fidelity ist eine Melange aus Now-School-Rap, House und Funk, die den Produzenten als Schlüsselfigur entdeckt.
Music Review
Various Artists
Belong To The Wind
Ein Mix aus Peyote-Saft am Canapé und Kerzenschein beim Schlager-Open-Air: »Belong To The Wind« versammelt obskuren Psychrock der Siebziger.
Music Review
Tomaga
Intimate Immensity
Tomaga haben jetzt ihr letztes Album veröffentlicht. »Intimate Immensity« ist der Abschluss und der Höhepunkt dieses tollen Londoner Duos.
Music Review
Niko Tzoukmanis
Hope Is The Sister Of Despair
Erstmals 2013 erschienen, ist »Hope Is The Sister Of Despair« von Niko Tzoukmanis jetzt auf Libreville Records wiederveröffentlicht worden.
Music Review
Robert Cotter
Missing You
»Missing You«, 1976 veröffentlicht und von Robert Cotter mit Musikern von Chic aufgenommen, wurde auf WeWantSounds wiederveröffentlicht.
Music Review
Gary Bartz, Adrian Younge & Ali Shaheed Muhammad
Jazz Is Dead 006
Diesmal haben sich Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad den Saxophonisten Gary Bartz für »Jazz Is Dead« auf die Bühne geholt.
Music Review
Gotham (Talib Kweli & Diamond D)
Gotham
»Gotham« heißt das gemeinsame Werk von Talib Kweli und Diamond D, welches ganz der Stadt New York City gewidmet ist, ohne zu verklären.
Music Review
Roc Marciano
Mt. Marci
»Mt. Marci«, Roc Marcianos Album aus dem letzten Jahr, ist nun endlich auf Vinyl erschienen.
Music Review
Steve O'Sullivan
Green Trax
Eine höchst aufschlussreiche Irrfahrt in die Techno-Historie: »Green Trax« versammelt Perlen des britischen Produzenten Steve O’Sullivan.
Music Review
Selda Bağcan
Selda
Das 1973 entstande Album »Selda« von Selda Bağcan ist eines der schönsten Zeugnisse türkischer Musik. Jetzt wurde es wiederveröffentlicht.
Music Review
Nils Frahm
Graz
Mit fast 12 Jahren Verspätung erscheint nun erstmals das in »Graz« aufgenommene Debütalbum von Nils Frahm.
Music Review
Michel Banabila
Wah-Wah Whispers
Mit »Wah-Wah Whispers« veröffentlicht das Hamburger Label Burea B zwischen 2013 und 2020 entstandene Stücke des Musikers Michel Banabila.
Music Review
Irena & Vojtěch Havlovi
Melodies In The Sand
»Melodies In The Sand« versammelt Stücke aus drei Jahrzehnten des tschechischen Musikerpärchens Irena und Vojtěch Havlovi.
Music Review
Various Artists
Edo Funk Explosion Vol.1
Analog Africa gräbt mit »Edo Funk Explosion Vol.1« den explosiven Sound des nigerianischen Bundesstaats Edo in den 1970er Jahren aus.
Music Review
Moor Mother & billy woods
BRASS
Moor Mother & billy woods… und noch ein gutes Dutzend mehr: Camae Ayewa dominiert »BRASS«, aber alle anderen dürfen auch mitreden.
Music Review
Various Artists
Silk Road Journey Of The Armenian Diaspora (1971-1982)
Darone Sassounian hat sieben Stücke für die Compilation »Silk Road Journey Of The Armenian Diaspora (1971-1982)« zusammengestellt.
Music Review
Ali Farka Touré
Red Album
Das als »Red Album« titulierte Debüt des malischen Gitarristen Ali Farka Touré wurde jetzt bei World Circuit wiederveröffentlicht.
Music Review
Prequel
Love (I Heard You Like Heartbreak)
»Love (I Heard You Like Heartbreak)« ist sieben Jahren nach seiner ersten EP Prequels Debüt-LP auf Rhythm Section International ab.
Music Review
Retrogott & Nepumuk
Metamusik
Der Funk schwebt über den Dingen. Mit »Metamusik« haben Retrogott und Nepumuk ein gemeinsames Album auf Sichtexot veröffentlicht.
Books Review
Christian Elster
Pop-Musik Sammeln
Der Ethnologe und Kulturwissenschaftler Christian Elster hat sich in einer Monographie mit dem »Pop-Musik Sammeln« beschäftigt.
Music Review
El Michels Affair
Yeti Season
El Michels Affair viben sich auf »Yeti Season« mit Stil und Expertise durch die Jahreszeit des Schneemenschen.
Music Review
Irakli
Major Signals
Nach einer Reihe von EPs veröffentlicht der Berliner Produzent und Staub-Mitveranstalter Irakli sein Debütalbum auf »Major Signals«.
Music Review
Electric Jalaba
El Hal (The Feeling)
Die in London lebenden Marokkaner Electric Jalaba sind jetzt bei Strut untergekommen und veröffentlichen dort ihr neues Album »El Hal«.
Music Review
Lazy Jones & Hazenberg
Unter Einem Berg
»Unter einem Berg« von Lazy Jones & Hazenberg klingt so vertraut, dass sie geeignet für das ständige Tippen der Wiederholungstaste ist.
Music Review
Lana Del Rey
Chemtrails Over The Country Club
Mit »Chemtrails Over The Country Club« spinnt Lana Del Rey ihr große Kapitalismus-Cinema-Popkunst weiter.
Music Review
Gianni Brezzo
The Awakening
Unter dem Alias Gianni Brezzo veröffentlicht der Kölner Marvin Horsch mit »The Awakening« ein Album auf Jakarta Records.
Music Review
Nico Mecca
Floppy Computer
Irgendwo zwischen Kraftwerks Autobahn und Mort Garsons Gewächshaus: Periodica Records veröffentlicht »Floppy Computer« von Nico Mecca.
Books Review
Marie Staggat & Timo Stein
HUSH - Berlin Club Culture In A Time Of Silence
Fotografin Marie Staggat und Autor Timo Stein halten in »HUSH« den andauernden Ausnahmezustand in Bild und Wort fest.
Music Review
Panoptique
How Did You Find Me?
Diese Musik schreit nach Kontakt: Panoptique haben ihr neues Album »How Did You Find Me?« bei Macadam Mambo veröffentlicht.
Music Review
Reymour
Leviosa
Abwechslungsreiches Debüt: Das Schweizer Synthpop-Duo Reymour veröffentlichen mit »Leviosa« auf Knekelhuis ihr erstes Album.
Music Review
Grandbrothers
All the Unknown
Mit »All The Unknown« erweitern die Grandbrothers ihre Klangpalette. Es gelingt ihnen dennoch ein in sich kohärentes Album.
Music Review
Gabrielle Roth & The Mirrors
Selected Works (1985-2005)
»Selected Works (1985-2005)« versammelte elf Stücke der amerikanischen Tänzerin und Schamanistin Gabrielle Roth auf einer Schallplatte.
Music Review
Sarah Davachi
All My Circles Run
Mit »All My Circles Run« kehrte Sarah Davachi erstmals dem Synthesizer den Rücken zu. Jetzt hat die Komponistin die LP neu veröffentlicht.
Music Review
Maulawi
Maulawi
1973 aufgenommen, niemals veröffentlicht: Nun ist erstmals »Maulawi« von Maulawi Nururdin veröffentlicht worden.
Music Review
Nadia Struiwigh
Oooso
Die Niederländerin Nadia Struiwigh hat mit »Oooso« vier neue Tracks auf Nous’klaer Audio veröffentlicht. Und das mit einigem Gewinn.