Music Review | verfasst 19.06.2018
Driftmachine
Shunter
Umor Rex, 2018
Text Kristoffer Cornils
Deine Bewertung:
7.7
Nutzer (3)
8.0
Redaktion
Cover Driftmachine - Shunter

Still not loving Modular-Synthese? Denn als wäre die penetrante Arroganz der Backenbart-Boys und Schneidersladen-Junkies nicht schon genug, können die zumeist besser über Oszillatoren palavern als wirklich Spannendes aus ihnen herauszuquetschen. Anders Driftmachine, das gemeinsame Projekt von Andreas Gerth und Florian, bei dem das Mucker- und Mackertum der Modular-Szene keinen Platz eingeräumt bekommen. Denn der Raum wird schließlich schon davon eingenommen, was auf »Shunter«, dem mittlerweile vierten Album des Berliner Duos in nur vier Jahren, passiert. Und das ist viel. Schon der Opener »Shift I« beginnt den vierteiligen Zyklus auf der A-Seite der Platte mit Tönen, die zuerst nach einer übellaunigen Demo aus den GRM-Studios klingt und dann in einen – zugegebenermaßen nicht minder übellaunigen – Dubstep-artigen Groove übergeht. Musik für Menschen, die direkt aus dem Club zur Arbeit gehen und darauf keinen Bock haben. Die vier »Shift«-Stücke werden aber nach und nach abstraker, beatloser, geräuschiger und ziehen ihre Inspiration zwar aus dem Dub, saugen dem aber das Blut aus. Die Anfangsenergie fällt graduell in sich zusammen und wird erst auf der Flipside wieder langsam aufgepäppelt. »Blind Signal Box« pochert wie ein Katerkopfschmerz, »Congé« reibt intensive Klangflächen aneinander und mit dem elfeinhalbminütigen »The Plans Were Never Accomplished« gelingt dann eine Art Hybrid aus Tangerine Dream-Storytelling, dystopischem Techno und der fledderigen Sprunghaftigkeit dessen, was heutzutage als Deconstructed Club Music bezeichnet wird. »Shunter« endet parallel zum Titel des Albumfinales auf ähnliche Art, wie es begonnen hat und beweist damit, dass Driftmachine nicht nur gern Hand an die Maschinen legen, sondern auch ihr Handwerk verstanden haben: Selten gelingt auf Modular-Synthesizern produzierte Musik auf Albumlänge dermaßen dramaturgisch ausgefeilt.


»Shunter« von Driftmachine findest du bei HHV: LP

Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 25.07.2014
Driftmachine
Nocturnes
Dieses Album hat mein Leben verändert. Wow. (Nicht? Okay, man kann es versuchen. Driftmachine haben trotzdem gute Arbeit abgeliefert.)
Music Review | verfasst 09.05.2016
Driftmachine
Colliding Contours
Die texturenreiche Electronica von Driftmachine wirkt auf »Colliding Contours« entspannt und zugleich abgespacet.
Music Review | verfasst 16.02.2015
Driftmachine
Eis Heauton
Eine Maschine im Selbstgespräch: Driftmachine lassen auf »Eis Heauton« die Modularsynthese mit sich selber quatschen.
Music Liste | verfasst 01.12.2020
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Film Review | verfasst 24.11.2011
Various Artists
Backyard - The Movie
Nicht nur für Island-Fans interessant: Der Film begleitet Árni Rúnar Hlöðversson von FM Belfast beim Ausrichten eines Festivals.
Music Review | verfasst 02.11.2011
Gold Panda
DJ Kicks
Dieser Mix ist eher etwas für lange Zugfahrten, Kopfhörer oder die heimische Couch als für euphorisch durchtanzte Nächte.
Music Review | verfasst 09.11.2011
Boom Bip
Zig Zaj
Das neue Album von Boom Bip ist leider nicht mehr als eine flüchtige Bekanntschaft, die bald wieder verflogen ist.
Music Review | verfasst 21.12.2011
Aeroc
R+B=?
Die Überraschungsmomente hat sich Geoff White für seine anderen Projekte aufgehoben. Als Aeroc liefert er liebevolle, aber lauwarme Kost
Music Review
Jan Jelinek
The Raw And The Cooked
Da hat uns Jan Jelinek mit »The Raw And The Cooked« ein schönes Süppchen gekocht. Lecker!
Music Review
Hozan Yamamoto & Yu Imai
Akuma Ga Kitarite Fue Wo Fuku
Der von Hozan Yamamoto und Yu Imai komponierte Soundtrack zum 1979er Film »Akuma Ga Kitarite Fue Wo Fuku« wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Low
HEY WHAT
Seit 30 Jahren machen Alan Sparhawk und Mimi Parker als Low Musik und erfinden sich dabei immer wieder aufs Neue. So auch auf »HEY WHAT«.
Music Review
Jolly Mare
Epsilon
Mediterrane Sommermusik: Mann muss sich das Meer von Jolly Mare auf »Epsilon« als ein fröhliches vorstellen.
Music Review
The Arpeggio Jazz Ensemble
Le-Le
An der Schwelle zu Acid Jazz wurde 1987 »Le-Le«, des The Arpeggio Jazz Ensembles aus Philadelphia veröffentlicht. Nun kommt eine Neuauflage.
Music Review
Venetian Snares
Rossz Csillag Alatt Született
Die endlich wiederveröffentlichte LP »Rossz Csillag Alatt Született« ist und bleibt das ambitionierteste Album von Venetian Snares.
Music Review
Park Hye Jin
Before I Die
»Before I Die«, das Debüt der aus Südkorea stammenden Musikerin Park Hye Jin, folgt einer ausgeklügelten Architektur.
Music Review
Xique-Xique
Na Lagoa
»Na Lagoa«, in die Lagune, begeben sich das brasilianische Duo Xique-Xique auf ihrem jetzt veröffentlichtem Debütalbum.
Music Review
Tülay German & François Rabbath
Tülay German & François Rabbath
Auf ihrem Debüt setzten sich Tülay German & Francois Rabbath 1980 mit türkischer Folklore auseinander. Das klingt weiterhin zeitlos.
Music Review
Sarah Davachi
Antiphonals
Milchig schimmernde Perlen: Die kanadische Musikerin Sarah Davachi hat mit »Antiphonals« ein großartiges neues Album veröffentlicht.
Music Review
Cass.
Ambient Music For A Young Girl
Von wegen Schnullerersatz: Cass.’ neues Album »Ambient Music For A Young Girl« bietet Ambient auch für Erwachsene an.
Music Review
Ian Carr
Belladonna
»Belladonna«, Ian Carrs Kleinod aus dem Jahr 1972, wurde jetzt wiederveröffentlicht. Jazzliebhaber sollten zugreifen.
Music Review
Arpanet
Inertial Frame
Die Vergangenheit holt die Zukunft ein: Mit »Inertial Frame« wird nun das letzte Album von Gerald Donalds Projekt Arpanet neu aufgelegt.
Music Review
Duval Timothy
Sen Am
»Sen Am«, das 2017 veröffentlichte Album von Duval Timothy ist nun auf Schallplatte erhältlich. Es hat von seiner Kraft nichts eingebüßt.
Music Review
Al-Dos Band
Doing Our Thing With Pride
1976 aufgenommen, nie veröffentlicht, bis jetzt: Kalita bringt »Doing Our Thing With Pride« der elegant funkelnden Al-Dos Band zum Leuchten.
Music Review
The Pro-Teens
I Flip My Life Every Time I Fly
Ist Melbourne die Hauptstadt des Retro-Funk? Mit »I Flip My Life Every Time I Fly« schickt sich eine weitere Band an, das zu bestätigen.
Music Review
F.S.Blumm & Nils Frahm
2x1=4
»Brahms is nice, but King Tubby is nice as well.« Auf »2x1=4« fröhnen F.S.Blumm und Bils Frahm dem musikalischen Erbe der Dub-Musik.
Music Review
DJ Seinfeld
Mirrors
»Mirrors« heißt das zweite Album des schwedischen Produzenten DJ Seinfeld. Und verglichen mit früherer Musik, sind die Spiegel gut geputzt.
Music Review
Badge Epoch
Scroll
Mit wechselnden Musikern scrollt sich Max Turnbull aka Badge Epoch auf »Scroll« von Stück zu Stück durch Stile und Genres. Aber etwas fehlt.
Music Review
CHVRCHES
Screen Violence
Die schottische Band CHVRCHES positioniert sich auf »Screen Violence« politischer als jemals zuvor.
Music Review
Sorcerer
Kids World
»Kids World«, das neue Album des kalifornischen Musikers Daniel Saxon Judd aka Sorcerer ist bei Growing Bin erschienen.
Music Review
Sofie Birch & Johan Carøe
Repair Techniques
»Repair Techniques« ist ein klassisches Sofie-Birch-Album, aber nicht allein dank der Mitwirkung von Johan Carøe auch weit mehr als das.
Music Review
Leo Acosta
Acosta
Eine weitere musikärchäologische Ausgrabung ist dem Label Mad About mit »Acosta«, dem 1970 veröffentlichtem Album von Leo Acosta gelungen.
Music Review
Space Afrika
Honest Labour
Beim neuen Album von Space Afrika, »Honest Labour«, das soeben bei Dais Records veröffentlicht wurde, ist man auf diffuse Weise ergriffen.
Music Review
Villagers
Fever Dreams
Auf »Fever Dreams« schaffen die Villagers farbenprächtige Landschaften oder wie sie es nennen: Goldminen süßer Erinnerungen.
Music Review
Li Yilei
之/OF
Mehr als nur die übliche Pandemieplatte: Auf »之/OF« bringt Li Yilei eine prekäre Stimmungslage meisterhaft zum Ausdruck.
Music Review
Ebi (Susumu Yokota)
Space Teddy Collection II
Weitere tolle Tracks des 2015 verstorbenen japanischen Produzenten Susumu Yokota sind jetzt als »Space Teddy Collection II« erschienen.
Music Review
Joy Orbison
Still Slipping Vol.1
Mit »Still Slipping Vol.1« traut sich Joy Orbison erstmals mit einem Release jenseits der 25 Minuten.
Music Review
Devendra Banhart & Noah Georgeson
Refuge
Runterkommen und nach innen Horchen: Devendra Banhart und Noah Georgeson haben mit »Refuge« ein konsequent spirituelles Album aufgenommen.
Music Review
Lingua Ignota
Sinner Get Ready
Runde drei von Lingua Ignotas Abrechnung mit jenem Peiniger, der sie jahrelang unterjochte und für alle machtgeilen Arschlöcher steht.
Music Review
Various Artists
Habibi Funk: An Eclectic Selection Part 2
Das Berliner Label Habibi Funk legt mit »An Eclectic Selection Part 2« eine neue Compilation mit Musik aus der arabischen Welt vor.
Music Review
VC-118A
Spiritual Machines
Mit »Spiritual Machines« legt der Niederländer Samuel van Dijk als VC-118A abermals ein erstklassiges Album vor.
Music Review
Moin
Moot!
Gemeinsam mit Valentina Magaletti hat das Duo Raime sein Projekt für die LP »Moot!« nicht nur reaniminiert, sondern auch gleich erweitert.
Music Review
El Michels Affair Meets Liam Bailey
Ekundayo Inversions
Die Ideen gehen Leon Michels nicht aus: Auf »Ekundayo Inversions« remixt El Michels Affair das letzte Album des Reggaemusikers Liam Bailey.
Music Review
Various Artists
Modern Love (A Tribute To David Bowie)
Die Compilation »Modern Love (A Tribute To David Bowie)« such nach Bowies Verbindungen zu Soul, R&B, Jazz, Funk, Gospel.
Music Review
Don Rendell Quintet
Space Walk
Auf Decca werden jetzt Highlights des britischen Jazz wiederveröffentlicht. Darunter »Space Walk« des Don Rendell Quintets von 1972.
Music Review
Takeshi's Cashew
Humans In A Pool
Die Wiener Gruppe Takeshi’s Cashew feiern mit »Humans In A Pool« das Chaos unserer Zeit und den Übermut des Lebens.
Music Review
Prince
Welcome 2 America
»Welcome 2 America« deutlich mehr als ein weiteres Spätwerk von Prince und erweist sich als erstaunlich runde Sache.
Music Review
Various Artists
Journeys In Modern Jazz: Britain 1961-1973
Die Compilation »Journeys In Modern Jazz: Britain 1961-1973« erkundet eine hochinspirierte Szene, die sich zu dieser Zeit freigespielt hat.
Music Review
Billie Eilish
Happier Than Ever
Billie Eilish hat ihr zweites Album veröffentlicht und ist »Happier Than Ever«. Darauf erfindet sie sich neu.
Music Review
The Wooden Glass & Billy Wooten
Live
Gelinde gesagt, der Hammer: Das 1972 aufgenommene »Live« von The Wooden Glass und Billy Wooten ist jetzt wiederveröffentlicht worden.