Music Review | verfasst 21.07.2020
Voz Di Sanicolau
Fundo De Mare Palinha
Analog Africa, 2020
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Voz Di Sanicolau - Fundo De Mare Palinha

Auf Deutsch heißt der Bandname so etwas wie »Stimme des heiligen Nikolaus«. Was aber völlig in Ordnung geht, schließlich stammt das Septett, das mit »Fundo De Marê Palinha« sein einziges Album vorgelegt hat, von der kapverdischen Insel São Nicolau. Aufgenommen 1976 in Rotterdam, entstanden damals zwölf Nummern im Coladeira-Stil, einer kapverdischen Richtung, deren Anfänge in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreichen. Die Hälfte der Stücke, denen man hier und da anhört, dass sie unter Zeitdruck eingespielt wurden, macht dieses Reissue jetzt wieder verfügbar. Verhalten im Tempo, mit rhythmisch nachschleppenden Synkopen, haben die vorzugsweise in Moll geschriebenen Melodien, auch durch den mitunter richtiggehend ängstlichen Klang der verschiedenen Stimmen, etwas Klagendes. Meist ähnlich im Aufbau, variiert das Tempo von Titel zu Titel leicht, dabei wechseln ebenso die Sänger von Song zu Song. In dieser Hinsicht bietet »Fundo De Marê Palinha« übrigens eine Besonderheit: Mit Joana do Rosario präsentierte es die ersten Aufnahmen einer kapverdischen Sängerin auf einer LP, zu hören in Nummern wie »Marê Lili« oder »Nha Antonia Engracia«. Half alles nichts: Durch ökonomische Not beziehungsweise ausbleibenden Erfolg war Voz Di Sanicolau ein kurzlebiges Projekt. Dass sie noch einiges zu sagen hatten, machen diese dringlichen 20 Minuten jedoch mehr als deutlich.

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