Music Review | verfasst 10.04.2021
Godspeed You! Black Emperor
G_d’s Pee AT STATE’S END
Constellation, 2021
Text Björn Bischoff
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Redaktion
Cover Godspeed You! Black Emperor - G_d’s Pee AT STATE’S END

Auch mit ihrem siebten Album »G_d’s Pee AT STATE’S END« geben Godspeed You! Black Emperor weiterhin Rätsel auf. Nach den etwas knapp über fünfzig Minuten Spielzeit dürfte die drängendste Frage jedoch sein: Woher haben die Kanadier hier noch einmal diese Energie gefunden, die sich zuletzt auf ihrem Meisterwerk »Lift Yr. Skinny Fists Like Antennas to Heaven!« von 2000 fand. Klar, die Alben danach hatten alle ihre Momente, doch zuletzt ging viel in atmosphärischen Drones unter. Jetzt tragen Melodien wieder die Kompositionen und auch die Samples von Stimmen sind zurück. Wenn der Pressetext dann also ankündigt, dass diese vier Stücke nun die rohesten und geladensten Songs seit langer Zeit sind – es lässt sich nur zustimmen. Für jede einzelne Sekunde dieses Meisterwerks. Wenn nach knapp zwei Minuten in »GOVERNMENT CAME« die Gitarre einsetzt, elektrisiert sich der gesamte Raum. Erst die Geigen lösen die ganze Spannung wieder auf und tragen die Aufmerksamkeit mit den Drums hinfort in die Weiten. Alles bebt und brodelt, explodiert und implodiert gleichermaßen. Jeder Song eine neue Bewusstseinserweiterung. Und mit jedem Hören noch intensiver, noch eindringlicher. Auch weil die Band aus Montréal sich nicht mehr vor Pathos, vor diesen großen Momenten scheut, wie sie es vielleicht hier und da auf den Vorgängeralben tat. »G_d’s Pee AT STATE’S END« ist wie alle Alben der Kanadier wieder als großes Stück angelegt, bei dem sich die Einzelteile gar nicht allein betrachten lassen. Und seit langer Zeit fällt das bei einem Album von Godspeed You! Black Emperor schwer, denn alles greift ineinander, fügt sich, arbeitet. Wer dachte, dass Post-Rock nach der neuen Platte von Mogwai dieses Jahr nicht besser werden kann, irrt. Dieses Album markiert die Rückkehr einer Band zu ihrem extrovertierten Sound, zu ihrer Wut und ihrer Dynamik, zu ihren Stimmen. Hebt eure dürren Fäuste wie Antennen zum Himmel! Das hier ist der Soundtrack für diese Zeit. Nach diesen vier Songs ist nicht mehr so wie früher.

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