Music Review | verfasst 22.04.2021
Ssiege
Meteora
Knekelhuis, 2021
Text Nils Schlechtriemen , Übersetzung Sebastian Hinz
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
8.0
Redaktion
Cover Ssiege - Meteora

Knekelhuis mal wieder? Ja! Denn der Frühling ist da. Zumindest für knapp 20 Minuten, wenn diese EP vom Plattenteller aus selbst die muffigsten Wohnzimmer in sonnendurchflutete Waldlichtungen überführt. Vor zwei Jahren brachten Ssiege schon mit »Fading Summer« ein brillant verrauschtes und doch wenig beachtetes Debüt via YOUTH raus, das dem Titel alle Ehre machte und die lauwarm durchhauchten Tage Mitte September wundervoll in Klang goss. Doch blieb die Kassette vorerst nur Fachkundigen schummriger Emotronics (soll’s geben) vergönnt, die bei Bandcamp schnell genug waren und abseits fragwürdiger Trends noch mit Walkman rumlaufen – weil Hiss einfach geil is’. Die fünf Tracks von »Meteora« schlagen zum Glück in exakt die gleiche Kerbe zurückhaltend euphorischer Warmwettertracks, mit denen sich der Übergang in einen vielversprechenden Sommer oder wahlweise in einen goldenen Herbst erfolgreich ausgestalten lässt – ganz weit weg vom soziokulturellen Wahnwitz der Gegenwart. Schließlich braucht jeder mal irgendwann einen Timeout von der Welt, oder? Die funkelnden Syntharpeggien in »Il Re Delle Mandorle«, das traumartige Wanken der Melodien von »Il Peso« oder die an Danny Wolfers gemahnenden Casio-Leads des Titeltracks erledigen den Job jedenfalls sehr zuverlässig. Auch bei miesem Wetter. Knekelhuis mal wieder!

»Meteora« von Ssiege findest du im Webshop von HHV records: Vinyl LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Porträt | verfasst 25.05.2021
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Review | verfasst 08.11.2017
Eye
Cocktail Mexico
Unwiderstehlich, aber nicht unabdingbar: Eye legt nach ihrem umwerfenden Debüt-Album eine EP vor.
Music Review | verfasst 30.04.2018
Meo
Fine Corsa
Gute Entscheidung, das neu aufzulegen: Knekelhuis hat »Fine Corsa«, die Debüt-EP des Italieners Meo wiederveröffentlicht.
Music Review | verfasst 13.09.2018
Various Artists
Testimony
Knekelhuis legt Zeugnis ab: Die Werkschau »Testimony« stellt die Künstler Sabla, Patrica Kokett, Maoupa Mazzocchetti und Job Sifre vor.
Music Review | verfasst 24.01.2019
Victor de Roo
Nachtdichter EP
Musik von Victor de Roo, Poesie von Alex Deforce, Erschließung neuer Sounds für Knekelhuis: die »Nachtdichter EP« hat einiges zu bieten.
Music Review
Resilient Vessels
Live At The Cell
Vier Musiker haben sich im letzten Jahr zusammengetan um als Resilient Vessels mit »Live At The Cell« ein fulminantes Jazzalbum aufzunehmen.
Music Review
Hailu Mergia & The Walias Band
Tezeta
»Tezeta«, das ursprünglich 1975 nur auf Kassette erschienene erste Album von Hailu Mergia, ist nun bei wiederveröfffentlicht worden.
Music Review
Mndsgn
Rare Pleasure
Mit »Rare Pleasure« beendet Mndsgn seine Verwandlung vom Beatmaker zum Songwriter. Schmusiger RnB zwar, aber inhaltlich komplex.
Music Review
Guilherme Lamounier
Guilherme Lamounier (1973)
Das zweite Album von Guilherme Lamounier, ein Meisterwerk des brasilianischen Psychedelic-Folk, wurde bei Mad About wiederveröffentlicht.
Music Review
Skee Mask
Pool
Im diffusen Genrebrei zwischen IDM, Techno und Dub klingt niemand wie Skee Mask. Sein neues Album »Pool« unterstreicht die Ausnahmestellung.
Music Review
The Frank Derrick Total Experience
You Betcha!
»You Betcha!«? Noch nie gehört? Solltest du aber! Das Album The Frank Derrick Total Experience gilt unter Jazz-Heads zurecht als Klassiker.
Music Review
Les Filles De Illighadad
At Pioneer Works
Musik aus Niger, eingespielt in New York: »At Pioneer Works« ist das erste Album der Filles de Illighadad seit langem.
Music Review
Panta Rex
Lefty
Panta Rex meldet sich mit der EP »Lefty« auf Noorden zurück, der Name ist Programm: Dem Dancefloor wird sich von dessen Außenrand genähert.
Music Review
Sons Of Kemet
Black To The Future
Sons Of Kemet haben mit »Black To The Future« einen weiteren Fingerzeig dahingehend veröffentlicht, was Afro-Jazz heute bedeutet.
Music Review
José Mauro
A Viagem Das Horas
José Mauro lebt! Wusste auch niemand, als sein Debütalbum neu aufgelegt wurde. Nun folgt das Reissue von »A Viagem Das Horas« auf Far Out.
Music Review
Various Artists
Extra Muros: Italy
Die Kollaborations-Compilation »Extra Muros: Italy« brachte fünf Musiker*innen – Benoit B Dena, Dona, Eva Geist und Jolly Mare – zusammen.
Music Review
Bruxas
Muscle Memory
Jacco Gardner und Nic Mauskovic sind Bruxas, »Muscle Memory« ist das Debüt des Psych-Disco-Projekts und sowieso die Platte des Sommers.
Music Review
Mustafa
When Smoke Rises
Jamie xx, Sampha, James Blake und Drake als Feature-Gäste? Nur auf Mustafas »When Smoke Rises«, einem eindringlich-erzählerischen Album.
Music Review
Sandra Sa
Vale Tudo
Brasilianischer Boogie Funk bleibt entwaffnend und Sandra Sas 1983 veröffentlichtes Album »Vale Tudo« eines seiner Meisterwerke.
Music Review
Drab Majesty
Unknown To The I
»Unknown to the I« bietet den idealen Einstieg in das Universum des Duos Drab Majesty: Verträumter New Wave in drei Stücken.
Music Review
Fly Pan Am
Frontera
»Frontera« von Fly Pan Am ist in dramaturgischer Hinsicht vorhersehbar aufgebaut und doch das beste Album der Constellation-Band überhaupt.
Music Review
Mdou Moctar
Afrique Victime
Mdou Moctars Domino-Debüt »Afrique Victime« ist gleichzeitig von Eddie van Halen und Neokolonialismus inspiriert. Und unerhört eindringlich.
Music Review
Arovane
Atol Scrap
22 Jahre hat es gedauert, bis mit »Atol Scrap« von Arovane eine der besten deutschen Electronica-LPs der 1990er auf Vinyl erscheint.
Music Review
Massimiliano Pagliara
Connection Lost Pt.3
Der dritte Teil von Massimiliano Pagliaras »Connection Lost«-Serie ist wieder einmal überragend ausgefallen, bleibt aber ambivalent.
Music Review
McKinley Dixon
For My Mama And Anyone Who Look Like Her
McKinley Dixon kann kein unbeschwertes Leben führen, drüber rappen aber allemal. »For My Mama And Anyone Who Look Like Her« bietet einiges.
Music Review
Alessandro Cortini
Scuro Chiaro
Alessandro Cortini dreht auf »Scuro Chiaro« den Gefühlsregler gewohnt hoch. Es ist aber auch eines seiner abwechslungsreichsten Alben.
Music Review
Various Artists
GOST: A Spiritual Exploration Into Greek Soundtracks (1975-1989)
Die auf Into The Light erschienene Compilation »GOST« versammelt wundersame Filmmusik aus Griechenland.
Music Review
P!OFF?
P!OFF?
Von ihrem Debüt verkauften P!OFF? im Jahr 1982 gerade einmal 600 Exemplare. Zum Glück hat Bureau B die Platte wieder aufgelegt!
Music Review
Umwelt
Fear On The Dark Planet
Umwelt ist immer Underground geblieben. Seine EP »Fear On The Dark Planet« für Midnight Shift ist hoffnungsvoller als ihr Titel verspricht.
Music Review
Trees Speak
PostHuman
Brauchen wir noch Neuauflagen vergangener Epochen? Wenn sie so einnehmend klingen wie auf Trees Speaks »PostHuman«: gerne doch.
Music Review
Jayda G
DJ-Kicks
Erst die Tunes, dann die Vibes, am Ende der Cooldown: Die DJ-Kicks-Ausgabe von Jayda G ist konventionell aufgebaut und steckt voller Perlen.
Music Review
St. Vincent
Daddy's Home
Die Vorab-Singles zu St. Vincents mittlerweile sechstem Album »Daddy’s Home« waren verwirrend, das Album als Ganzes ist es aber keineswegs.
Music Review
Sun Ra
Lanquidity
Die als umfassendes Reissue erhältliche »Lanquidity« könnte Sun Ras beste LP sein, hätte er nicht so viele andere Meisterwerke hingelegt.
Music Review
Roland P. Young
Hearsay I-Land
Mitte der 1980er legte sich der Jazzmusiker Roland P. Young eine neue Identität als Popper zu, die auf »Hearsay I-Land« dokumentiert wird.
Music Review
The Master Musicians Of Joujouka
Live In Paris
»Live In Paris« wurde 2016 aufgenommen und erscheint ein halbes Jahrhundert, nachdem die Welt den Master Musicians of Joujouka anheim fiel.
Music Review
Squid
Bright Green Field
Auf ihrem Debüt »Bright Green Field« entwirft die eklektische Band Squid das Gegenteil von dem, was Cover und Titel versprechen.
Music Review
DJ Black Low
Uwami
Frischenzellkur durch Reduktion: Auf seinem Debüt »Uwami« erweist sich DJ Black Low als eine Art DJ Python des Amapiano-Genres.
Music Review
Caterina Barbieri
Fantas Variations
Caterina Barbieri hat ihren Track »Fantas« von Freunden und Bekannten bearbeiten lassen. Das Ergebnis, »Fantas Variations«.
Music Review
Cassandra Jenkins
An Overview on Phenomenal Nature
Auf »An Overview on Phenomenal Nature« widmet sich Cassandra Jenkins fließenden Bewegungen, friert aber auch Momente deskriptiv ein.
Music Review
Ziad Rahbani
Bennesbeh Labokra… Chou?
Mit der Reissue zu »Bennesbeh Labokra… Chou?« erweitert WeWantSounds den Blick auf das Schaffen des libanesischen Musikers Ziad Rahbani.
Music Review
Electric Party
Play
Mit »Play« veröffentlicht das Label Knekelhuis neun Stücke aus den Achtzigern der niederländischen Band Electric Party.
Music Review
Niklas Wandt
Balearische Bibliothek
Mit »Balearische Bibliothek« schafft Niklas Wandt einmal mehr Musik, in der sich Natur und Zivilisation auf Augenhöhe begegnen.
Music Review
Sophia Kennedy
Monsters
»Monsters«, das soeben bei City Slang veröffentlichte zweite Album von Sophia Kennedy, steht ihrem großartigen Debüt in nichts nach.
Music Review
Chihei Hatakeyama
Late Spring
Auf seinem fast 80. Album macht der japanische Ambient-Künstlers Chihei Hatakeyama nicht viel anders als zuvor, das aber sehr gut.
Music Review
Kasai Allstars
Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound
Eine neue Leichtigkeit ist auf »Black Ants Always Fly Together; One Bangle Makes No Sound«, dem neuen Album der Kasai Allstars zu hören.
Music Review
Roman Flügel
Eating Darkness
Das Beste kommt erst noch! Sagt zumindest Roman Flügel, der mit mit »Eating Darkness« für Running Back die grauen Wolken vertreiben möchte.