Review

Archetype

The Ick

Knekelhuis • 2024

Leonard Prochazka mag es düster. Schon als Geier Aus Stahl, ebenfalls bei Knekelhuis, machte er auf sich aufmerksam, jetzt nennt er sich Archetype und bleibt gleich im Dunkeln, weil es dort so gemütlich ist. Doch wo Geier Aus Stahl noch eine gewisse humoristische Doppelbödigkeit in die Musik einbaute, widmet sich Archetype auf »The Ick« noch entschiedener dem Morbiden. Die Rhythmen sind subtiler, die Musik spielt hier nicht in der spärlich beleuchteten Manege, sondern in der hoffnungslosen, undurchdringlichen Dunkelheit.

Beispielsweise im Opener »Archetype«, der an Kevin Richard Martins ungemächliches »Sirens« von 2019 erinnert, aber auch an Pessimists kriechende, bedrohliche Dubstep-Techno-Tracks aus dem selben Jahr. Tatsächlich gräbt Archetypes Sound aber natürlich viel tiefer in der Vergangenheit, in den Achtzigern und Neunzigern. Anleihen kommen von EBM, Gothic, Industrial und allen weiteren Genres, die Musik seinerzeit nicht als spaßiges Medium verstanden. Prochazka begreift sich dabei als Ein-Mann-Band und inszeniert nicht nur rein melodische Beklemmnis, sondern nutzt dazu auch seine Stimmbänder. Und das funktioniert nicht nur auf Songs wie »The Trickster«, wo selbiger Lines wie »Your heart is mine« nur spricht. Noch besser transportiert die Endzeitstimmung des Albums das epochale »Mental Is True«, auf dem Prochazka über hochaufgeschossenen, plastisch produzierten Beats im Stile eines Zeremonienmeisters klagt und noch tiefer ins Verderben reißt.

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Archetype
The Ick
ab 25.99€