Music Review | verfasst 29.06.2021
Fehler Kuti
Professional People
Alien Transistor, 2021
Text Martin Silbermann
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Redaktion
Cover Fehler Kuti - Professional People

Wer wie Julian Warner aka Fehler Kuti als dunkelhäutiger Mensch in Deutschland und dann auch noch in Bayern aufwuchs, hat sicherlich eine lange Geschichte von Diskriminierung und Ausgrenzung zu erzählen. Dass er aus seinem zweiten Album »Professional People« daraus keine identitätspolitische Feel-Good-Platte für die woke Black-Lives-Matter-Generation gemacht hat, kann ihm nicht hoch genug angerechnet werden. Stattdessen solidarisiert er sich z.B. mit osteuropäischen Spargelstechern und drückt immer wieder die ganze Faust in die klaffenden Wunden der systemischen Ungerechtigkeiten und Verrücktheiten unserer Gesellschaft: Plattform-Kapitalismus und Sicherheitspolitik, Ausbeutung und Sozialhilfe, Polizeistaat und Automobil-Fetisch – the list goes on. Um was es Fehler Kuti geht, nannte man früher wohl mal Klassenkampf. Das macht er inhaltlich wie formal so geschickt, souverän und stilsicher, dass es eine wahre, wenn auch widerborstige Freude ist. Ausgehend vom Minimalismus des Dub, sind die Tracks nie überfrachtet, meist nur von wenigen Textzeilen begleitet. Neben fiebrigen Post-Punk der Marke Goldene Zitronen (»Deutsche Pässe«), Lounge (»Doggerland«) und Dream Pop (»All We‘ll Ever Need«) spielt Fehler Kuti überwiegend mit Versatzstücken aus Elektro, Jazz, Kraut- und Postrock. Auch der Einsatz eher unkonventioneller Instrumente von Sousaphon bis Steel Drum zeigt eine verspielte Musikalität und trotz dieser enormen Spannbreite klingt »Professional People« erstaunlich konsistent und in sich schlüssig. Zusammen mit u.a. den Gebrüdern Acher von The Notwist ist so ein kleines progressives, antikapitalistisches Bravourstück entstanden, das sein Publikum hoffentlich, hoffentlich finden wird.

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