Music Review | verfasst 13.06.2013
Laurel Halo
Behind The Green Door EP
Hyperdub, 2013
Text Sebastian Hinz , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
7.3
Nutzer (3)
7.9
Redaktion
Cover Laurel Halo - Behind The Green Door EP

Laurel Halo ist eine der interessantesten Künstlerinnen, die das Musikbusiness zu bieten hat. Ich denke ihr Schaffen ist noch deutlich unterbewertet. Die New Yorkerin wird verkannt. Das liegt daran, dass sie weniger als Person denn als Autorin auftritt. Ihre Musik ist nicht bloße l’art pour l’art, sondern verhandelt Themen. Da wird man in dem auf Euphorie setzenden Clubkontext, in dem sie kontextualisiert ist, schon mal missverstanden. Eines der Lieblingsthemen von Laurel Halo sind Machtapparate und ihr wirken auf Sozialsysteme, aber auch inwiefern Technologie auf das Bewusstsein wirken kann. Das spiegelt sich dann in der Titelgebung ihrer Releases als auch in Pseudonymen wie King Felix (entnommen aus einer Novelle des Science-fiction-Autors Philipp K. Dick). Ihre neue EP heißt »Behind the Green Door«. Der Titel spielt auf das Symbol der »grünen Tür« an, hinter der unbekannte, undurchsichtige Dinge passieren: die militärische Führung trifft hinter eine gepanzerten grünen Tor seine Entscheidungen; in Mary E. Wilkins Roman »The Green Door« (1917) wird einem Mädchen verboten, eine grüne Tür zu öffnen (»It is not best for you, my dear.«); in einem Schlager von Jim Lowe (1956) wird ein Mann besungen, der das wilde Partytreiben hinter der grünen Tür mit anhören darf, dem der Eintritt aber verwehrt bleibt; der Pornofilm »Behind the Green Door« (1972) behandelt sexuelle Machtspiele. Die EP spiegelt diese Aspekte des Symbols wieder. Das Schmuddelfilmthema wird mit »Sex Mission« aufgenommen. Das militärische findet sich in »UHFFO« wieder, eine Abkürzung die für Ultra High Frequency followed-on Satellite steht. Das Schlagerthema kann in »NOYFB« (=None Of Your Fucking Business) wiedergefunden werden. Wenn man dann »Throw« gutmütig dem Roman zuordnet, ist das Thema rundum beleuchtet. Ganz genau sagen, kann man das nicht, denn Laurel Halo verzichtet im Gegensatz zu ihrer letztjährigen LP »Quarantine« und der Single »Sunlight On The Faded« gänzlich auf Gesang. Dafür setzt sie vermehrt auf Beats. »Sex Mission« übernimmt so in höherem Tempo die Hi-Hats von »Sunlight On The Faded« und ersetzt die Stimme mit pointierten Paukenschlägen. Auch wenn die EP so durchaus auch im Club funktioniert, der wahre Wert der Musik von Laurel Halo ergibt sich erst mit der Durchdringung der Metaebene. Mich würde es nicht wundern, wenn es demnächst auch einen Track namens »PRISM« von ihr zu hören gibt, zu dem dann alle tanzen werden.

Die EP »Behind The Green Door« von Laurel Halo findest du bei hhv.de: 12inch
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 17.07.2012
Laurel Halo
Quarantine
Die Quintsprünge in der Melodieführung erinnern an Björk, das Timbre an Kate Bush und die tiefer gepitchten Gesangsspuren an Fever Ray.
Music Review | verfasst 10.01.2013
Laurel Halo
Sunlight On The Faded EP
Laurel Halo strengte mit ihrem letzten Album ein wenig an. MIt »Sunlight On The Faded« geht sie es aber entspannter an.
Music Review | verfasst 23.06.2017
Laurel Halo
Dust
Überraschenderweise ist »Dust« erst das dritte Album von Laurel Halo. Diesmal sind mit Julia Holter oder Eli Keszler auch Gäste dabei.
Music Kolumne | verfasst 10.08.2011
Aigners Inventur
Juni/Juli 2011
Wer anfängt sich in seinem Liegestuhl zu langweilen, bekommt nun die Gelegenheit, die nächsten 15 Minuten mit unserem Scharfrichter vom Dienst und Casper, Wiley, Zomby, MCDE, fLako, den Junior Boys und Laurel Halo zu verbringen.
Music Review | verfasst 29.11.2011
King Midas Sound
Without You
King Midas Sound veröffentlichen Remise ihres Debüts u.a. von Flying Lotus, Kuedo, Kode9 and the Spaceape und Mala.
Music Review | verfasst 07.05.2012
DVA
Pretty Ugly
DVA reichert Dubstep mit Garage, Funk, Pop, Soul und ausgesuchten Feature an. Er bleibt dabei stets seiner Linie treu.
Music Review | verfasst 08.05.2012
Burial
Kindred EP
Burial bricht mit der »Kindred EP« zu neuen Horizonten auf, ohne »Untrue« dabei allzu weit zurückzulassen.
Music Review | verfasst 09.07.2012
Cooly G
Playin' Me
Minimalismus für Fortgeschrittene: Nach kurzen Ausflügen im Tonträgergeschäft von Hyperdub kommt nun endlich das Debüt von Cooly G.
Music Review
Various Artists
Heisei No Oto - Japanese Left-Field Pop From The CD Age (1989-1996)
»Heisei No Oto« versammelt 16 verquere und träumerische Alternative-Pop-Songs aus einer Ära, in der die CD in Japan ihren Siegeszug antrat.
Music Review
Nermin Niazi
Disco Se Aagay
Grandiose Widerentdeckung: Als die Geschwister Nermin Niazi und Feisal Mosleh 1984 »Disco Se Aagay« aufnahmen, waren sie noch Kinder.
Music Review
Stereolab
Switched On Vol.4: Electrically Possessed
Das große Reissue-Projekt von Stereolab findet nun mit »Switched On Vol.4: Electrically Possessed« ein Ende.
Music Review
Mouse On Mars
AAI
Inspiriert von einem Text über künstliche Intelligenz von Louis Chude-Sokeis haben Mouse On Mars ihr neues Album »AAI« produziert.
Music Review
A Winged Victory For The Sullen
Invisible Cities
Adam Wiltzie und Dustin O’Halloran haben als A Winged Victory For The Sullen Musik für das Theaterstück »Invisible Cities« komponiert.
Music Review
Legowelt
Pancakes With Mist
»Pancakes With Mist«, das neueste Werk des niederländischen Virtuoso Legowelt, ist nun auch auf Vinyl erschienen.
Music Review
Pauline Anna Strom
Angel Tears In Sunlight
»Angel Tears In Sunlight« sollte das erste Album von Pauline Anna Strom nach 30 Jahren werden. Kurz vor Veröffentlichung ist sie verstorben.
Music Review
Tindersticks
Distractions
Lenkt die Liebe vom Leben oder das Leben von der Liebe ab: Tindersticks haben mit »Distractions« ein spannendes Album veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Somewhere Between: Mutant Pop, Electronic Minimalism & Shadow Sounds Of Japan 1980-1989
Japan in den 1980er Jahren, 14 unerhörte Songs. Zur neuen Compilation »Somewhere Between« auf Light In The Attic.
Music Review
The George Otsuka Quintet
Loving You George
WeWantSounds macht mit »Loving You Geroge« eine Live-Aufnahme des The George Otsuka Quintets aus dem Jahr 1975 wieder verfügbar.
Music Review
Nancy Sinatra
Start Walkin' 1965-1976
»Start Walkin‘ 1965-1976« vereint die wichtigsten Songs von Nancy Sinatra und ist in diesem umfassenden Paket ein Pop-Schmankerl.
Music Review
Moggi (Piero Umiliani)
News! News! News!
»News! News! News!«, das Piero Umiliani vor 40 Jahren unter seinem Pseudonym Moggie veröffentlichte, wurde neu aufgelegt.
Music Review
Egyptian Lover
1986
Kraftwerk kann sich schleichen: Egyptian Lover lässt nicht locker und veröffentlicht mit »1986« neue Musik.
Music Review
Roots (Barney Rachabane)
Roots
»Roots«, das 1975 eingespielte Album des südafrikanischen Saxofonisten Barney Rachabane, wurde bei Frederiksberg wiederveröffentlicht.
Music Review
21 Savage & Metro Boomin
Savage Mode II
»Savage Mode II« von 21 Savage und Metro Boomin löst das Versprechen ein, dass die beiden 2016 auf ihrem Erstling heraufbeschworen haben.
Music Review
Stella Chiweshe
Ambuya!
Stella Chiweshes Musik entstand unter Widrigkeiten. Das Reissue ihres Debütalbums setzt folgerichtig ein Ausrufezeichen hinter dessen Titel.
Music Review
Omar Khorshid
With Love
Das 1978 im libanesischen Exil entstandene Album »With Love« des ägyptischen Gitarristen Omar Khorshid wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Al Wootton
Maenads
Mit »Maenads« kehrt der hochaktive Al Wootton auf sein Label Trule Records zurück. Die vier Tracks strömen eine ahnungsvolle Atmosphäre aus.
Music Review
Conny Frischauf
Die Drift
Lustig und nachdenklich, albern und rätselhaft: die Musik von Conny Frischauf auf »Die Drift« lässt auf eine Fortsetzung hoffen.
Music Review
Condry Ziqubu
Gorilla Man
Sehr sexy geballte Energie gegen Gewalt: Afrosynth veröffentlicht auf »Gorilla Man« Stücke des südafrikanischen Musikers Condry Ziqubu.
Music Review
Black Country, New Road
For the First Time
Black Country, New Road ist die Band der Stunde in Großbritannien. Ihr Debüt »For the First Time« ist soeben bei Ninja Tune erschienen.
Music Review
Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey
Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey
Tout puissant! Auf Superfly wurde das selbstbetitelte 1972er Album von Orchestre Poly-Rythmo De Cotonou Dahomey wiederveröffentlicht.
Music Review
Laurent Petitgirard
Suite Epique
»Suite Epique« des französischen Komponisten Laurent Petitgirard, erstmals 1972 erschienen, wurde jetzt bei Superfly wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Profondo Nero
Mit der Dekmantel-Compilation »Profondo Nero« beleuchtet der DJ Cinema Royale die dunkle Unterseite des Italo-Disco-Hypes.
Music Review
Witch
Introduction
Rockmusik aus Sambia: »Introduction«, das Debüt von Witch aus dem Jahr 1972, wurde bei Now-Again aufgehübscht und wiederveröffentlicht.
Music Review
Shame
Drunk Tank Pink
Wer hinter den Krach blickt, entdeckt eine Fülle an Details: die britischen Rocker Shame präsentieren mit »Drunk Tank Pink« ein neues Album.
Music Review
Biosphere
Angel's Flight
Gerade ist das Beethoven-Jahr vorüber, da veröffentlicht Biosphere mit »Angel’s Flight« auf dem »String Quartet No.14« basierende Musik.
Music Review
Various Artists
Berlin Atonal – More Light
2020 setzte auch das Berlin Atonal aus und kondensiert das geplante Programm nun in eine Compilation von außergewöhnlicher Geilheit.
Music Review
Hieroglyphics
Hiero Oldies Vol.1
Bis auf Kassette und digital erschienen, gibt es »Hiero Oldies Vol.1« der kalifornischen Rapcrew Hieroglyphics nun auch auf Schallplatte.
Music Review
Yu Su
Yellow River Blue
Auf ihrem Albumdebüt »Yellow River Blue« verfolgt die im kanadischen Vancouver beheimatete Musikerin Yu Su eine klare Idee.
Music Review
Tiziano Popoli
Burn the Night / Bruciare la Notte. Original Recordings, 1983-1989
Mit »Burn the Night / Bruciare la Notte« wird dem disparaten Schaffen des italienischen Eigenbrödlers Tiziano Popoli ein Denkmal gesetzt.
Music Review
Various Artists
Two Synths A Guitar (And) A Drum Machine
»Two Synths A Guitar (And) A Drum Machine« versammelt an die Achtziger angelehnten Post-Punk, der zum Tanzen einlädt.
Music Review
Emmanuelle Parrenin & Detlef Weinrich
Jours de Grève
Die Folklegende Emmanuelle Parrenin & Detlef Weinrich alias Tolouse Low Trax haben mit »Jours de Grève« ein wunderliches Album abgelegt.
Music Review
François De Roubaix
Les Secrets De La Mer Rouge O.S.T.
erstmals wird die Musik zur TV-Serie »Les Secrets De La Mer Rouge O.S.T.« von François De Roubaix auf Schallplatte veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Spiritual Jazz 13: NOW!
Nach einem halben Dutzend Ausgaben widmet sich »Spiritual Jazz 13: NOW!« nun den aktuellen Tendenzen des titelgebenden Genres.
Music Review
Various Artists
Cuba: Music and Revolution 1975-85
Gilles Peterson und Stuart Baker haben mit »Cuba: Music and Revolution 1975-85« die innovativen Momente der Zeit zusammengetragen.
Music Review
Conrad Schnitzler
Paracon (The Paragon Session Outtakes 1978-1979)
»Paracon (The Paragon Session Outtakes 1978-1979)« umfasst zehn unbekannte Stücke von Conrad Schnitzler aus seiner besten Phase.
Music Review
Ibrahim Khalil Shihab Quintet
Spring
Beschwingt und sonnendurchflutet: das erste Mal seit 40 Jahren wird »Spring« des südafrikanischen Ibrahim Khalil Shihab Quintets aufgelegt.
Music Review
Aminé
Limbo
Wie tief kann man gehen, ohne einzuknicken: der amerikanischer Rapper Aminé probiert’s auf seinem neuen Album »Limbo« aus.
Music Review
Badge Époque Ensemble
Future, Past & Present
Das kanadische Badge Époque Ensemble hat mit »Future, Past & Present« ein neues Albumveröffentlicht.
Music Review
Jorge Navarro
Navarro Con Polenta
Das Album »Navarro Con Polenta« des argentinischen Jazzpianisten Jorge Navarro aus dem Jahr 1977 wurde auf Altercat wiederveröffentlicht.