Music Review | verfasst 15.05.2014
Swans
To Be Kind
Mute, 2014
Text Björn Bischoff , Übersetzung Julia Frohn
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8.8
Nutzer (5)
7.8
Redaktion
Cover Swans  - To Be Kind

Dinge, die man von diesem Album nicht erwarten darf: Erlösung, Schönheit, Ruhe. Dinge, die man von diesem Album erwarten darf: Verdammnis, Hässlichkeit, Wiederholung. Wie schon »The Seer« ist »To Be Kind« von den Swans ein rekapitulierender Mühlstein, der unerbitterlich jeden Ton zum Knirschen bringt, im besten Fall sogar zum Zerbrechen. Mal braucht es dafür nur acht Minuten wie im Opener »Screenshot«, mal mehr als eine halbe Stunde wie in »Bring the Sun/Toussaint L’Ouverture«. Die Gitarren verschmelzen zu einer undurchdringlichen Fläche, was auch an der Arbeit von John Congleton liegt, der hinter den Reglern arbeitete. In »She Loves Us« haben Michael Gira und John Congleton alles so perfekt aufeinander abgestimmt, dass trotz der Gewalt jede einzelne Ader des Songs sichtbar wird. Swans kombinieren Noise, Industrial und Experimental zu einem Brocken, der sich kaum fassen lässt mit ein paar Hördurchgängen. Perfektion bricht die Band wieder und wieder mit Kakophonie, wenn Gira bellt, kläfft und jault oder verschiedene Instrumente für ein paar Sekunden komplett aneinander vorbeispielen. Und wer sich dachte, dass durch die Zusammenarbeit mit St. Vincent oder Al Spx von Cold Specks hier Wohlklang oder Pop durch die Songs wehen, dürfte »To Be Kind« ziemlich schnell wieder zurückholen auf den Boden des Abgrunds. Dieses Album ist durch und durch ein Unheil, ein Monstrum, wenn auch nicht mehr ganz so erschütternd wie sein Vorgänger. Eine Fortsetzung, die trotzdem noch ziemlich ins Mark fährt, die auf dem Hirn rumlutscht wie auf einem alten Kaugummi, der seinen Geschmack schon vor einigen Stunden verloren hat. Spätestens »Nathalie Neal« ist die Axt für das Eismeer in uns. Wenn darunter dann ein vertrautes Gesicht erscheint, nehmen die Schläge nur noch mehr zu. Am Ende bleiben nur noch zerschmetterte Knochen, die unter den kalten Sternen liegen. Nach zwei Stunden lässt »To Be Kind« ab von dieser Welt und zieht sich in das Nichts zurück, aus dem es gekommen war. Ein Sturm, ein Monster, ein Massaker von einem Album.

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