Music Review | verfasst 25.09.2015
Julia Holter
Have You In My Wilderness
Domino, 2015
Text Martin Silbermann
Deine Bewertung:
7.2
Nutzer (6)
5.8
Redaktion
Cover Julia Holter - Have You In My Wilderness

Die in Los Angeles ansässige Musikerin Julia Holter überzeugte vor allem mit ihren letzten beiden Alben »Ekstasis« und »Loud City Song« ganzer Linie und legt mit »Have You In My Wilderness« nun ihr deshalb heiß erwartetes viertes Album vor. Leider ist es (zumindest für meine Ohren) der bisherige Tiefpunkt ihrer Diskographie mit nicht wenigen gefälligen bis gar belanglosen Momenten. Die Instrumentierung ist meist pompös, die Texte geprägt von Mantra-haften Wiederholungen einzelner Zeilen in Refrains und Outros; wie etwa »The birds can sing this song« im beinahe sieben-minütigem »Lucette Stranded On The Island« oder »All the people run from the horizon« beim getragenen »How Long«. Abgesehen davon, dass uns alle der Horizont quasi umzingelt und man deshalb vor dem schwerlich davonrennen kann, verwechselt Holter scheinbar Komplexität ab und an mit kryptischen Metaphern. Auch biedert sie sich fast etwas zu sehr am Retro-80ies-Pop an (der ja momentan wieder en vogue ist), indem sie versucht, in »Night Song« mit viel Hall wie Goldfrapp vor 15 Jahren zu klingen oder neben Synths, Drum Machines und Streichern auch das derzeit schwer angesagte Saxophon präsent einzusetzen. Die wenigen Upbeat-Nummern, die die meist gediegenen, aber hoch-emotionalen Songs auflockern sollen, wirken allerdings eher austauschbar und generisch. Doch nach dem sehr pompösen »Betsy On The Roof« gelingt Holter mit „Vasquez“ doch noch ein spätes Aufblitzen ihrer Brillanz aus Cool-Jazz-Vibe, Spoken-Word-Performance und schwerelosem Pop der Marke Air. Als Fazit bleibt somit festzuhalten, dass Opulenz unausgegorenes Songwriting meist nicht ersetzen kann.

Das Album »Have You In My Wilderness« von Julia Holter findest du bei hhv.de: LP.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 30.03.2017
Julia Holter
In The Same Room
Domino startet ihre neue, an den BBC Sessions angelehnte Reihe »Documents« mit den »In The Same Room« benannten Aufnahmen von Julia Holter.
Music Review | verfasst 26.10.2018
Julia Holter
Aviary
Mit »Aviary« gelingt Julia Holter ein Album, um sich darin für alle Ewigkeiten zu verlieren.
Music Review | verfasst 14.08.2013
Julia Holter
Loud City Song
Julia Holter ist eine der ganz wenigen, die Pop als Kunst versteht und umsetzt. »Loud City Song« ist eine Offenbarung.
Music Porträt | verfasst 20.08.2013
Julia Holter
Die Entschachtelung der Gedanken
Mit »Loud City Song« ist Julia Holter gerade ein großer Wurf gelungen. Inspiriert von einer Novelle Colettes hat die 28-jährige Musikerin ein zugleich entrücktes wie sehr konkretes Bild ihrer Heimatstadt Los Angeles entworfen.
Music Review | verfasst 29.01.2011
Anna Calvi
Anna Calvi
Anna Calvi zeigt sich auf ihrem Debüt als eigenständiger »sound painter« und dunkle Seele mit Popqualitäten.
Music Review | verfasst 13.03.2011
Malachai
Return To The Ugly Side
Malachai gelingt mit Return to the Ugly Side ein dichtes, konzeptionelles, originelles Werk.
Music Review
Acid Pauli
MOD
Mit Synthesizern fordert Martin Gretschmann unter seinem Acid-Pauli-Alias auf »MOD« weniger zum Tanzen als zum Lauschen auf.
Music Review
Kairon; IRSE!
Polysomn
Seit ihren ersten Releases gelten Kairon; IRSE! als Shoegaze-Sensation. Nun haben die Finnen mit »Polysomn« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Lucrecia Dalt
No Era Sólida
Mit »No Era Sólida« reißt die Kolumbianerin Lucrecia Dalt sämtliche Grenzen ein. Es kommen unerforschte Gebiete zum Vorschein.
Music Review
Satoshi & Makoto
CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2
Klingt wie ausgedacht? Vielleicht. Vor allem aber ist Satoshi & Makotos zweites Album »CZ-5000 Sounds & Sequences Vol. 2« wunderbar nerdig.
Music Review
Bad Stream
Sonic Healing
Auf seinem neuen Album »Sonic Healing« verarbeitet Frittenbuden-Gitarrist Martin Steer den Schlaganfall seiner Mutter musikalisch.
Music Review
The Weeknd
After Hours
The Weeknds bekanntes Narrativ aus Hedonismus, Depression, Drogen verwickeln sich auf »After Hours« in nicht neuen, aber süßen R&B-Fäden.
Music Review
Dukes Of Chutney
Hazel
Mit wirklich gutem Dream-Pop haben Dukes Of Chutney mit ihrem Album »Hazel« jüngst auf Beats In Space debütiert.
Music Review
Larry Heard
Sceneries Not Songs Vol.1
Mit »Sceneries Not Songs Vol.1« wird Larry Heards erstes Album unter Klarnamen aus dem Jahre 1994 veröffentlicht.
Music Review
Disclosure
Energy
2013 haben Disclosure, so heißt es, House gerettet. Mit ihrem neuen Album »Energy« schließen sie ihn wieder an die Beatmungsmaschine an.
Music Review
Various Artists
Borta På Vinden (Swedish Rock Funk & Youth Center Disco 1976-1982)
»Borta På Vinden«Mika Snickars und Kool DJ Dust veröffentlichen die Compilation »Borta På Vinden« mit schwedischer Disco-Musik.
Music Review
Linda »Babe« Majika
Don't Treat Me So Bad
»Don’t Treat Me So Bad«, das erstmals 1988 veröffentlicht Debütalbum von Linda »Babe« Majika, wurde jetzt bei Be With wiederveröffentlicht.
Music Review
Harmonious Thelonious
Plong
Der Düsseldorfer Harmonious Thelonious veröffentlicht mit »Plong« ein neues Album, das erste für Bureau B.
Music Review
Vladimir Dubyshkin
Pornographic Novel
Musik, die etwas heraufbeschwört, was gerade nicht ist: zum Rave von Vladimir Dubyshkin auf »Pornographic Novel«.
Music Review
Jonathan Fitoussi
Plein Soleil
»«Mit »Plein Soleil« erweist sich Jonathan Fitoussi als würdiger Erbe von Pionieren wie Alan Parsons, Vangelis oder auch Jean-Michel Jarre.
Music Review
Angel Olsen
Whole New Mess
Mut zur Lücke: Die amerikanische Songwriterin Angel Olsen interpretiert »Whole New Mess« ihr eigenes Material nur mit Akustikgitarre neu.
Music Review
The Meridian Brothers
Cumbia Siglo XXI
Die Meridian Brothers arbeiten sich erneut an Kolumbiens Hauptexport ab. »Cumbia Siglo XXI« wird von Lo-Fi-Charme und DIY-Spirit getragen.
Music Review
Fuzzy Duck
Fuzzy Duck
Be With veröffentlicht das selbstbetitelte, einzige Album der britischen Progressive-Rocker Fuzzy Duck aus dem Jahr 1971 neu.
Music Review
Kelly Lee Owens
Inner Song
Nach den drei härtesten Jahren in ihrem Leben veröffentlicht Kelly Lee Owens mit »Inner Song« ihr zweites Album. Es ist großartig.
Music Review
George Clanton & Nick Hexum
George Clanton & Nick Hexum
Chefvapourist George Clanton und dessen geistiger Vater Nick Hexum haben eine gemeinsame Platte gemacht. Was dabei wohl herausgekommen ist?
Music Review
The Microphones
Microphones in 2020
Nach 17 Jahren meldet sich Phil Elverum mit seinem Projekt The Microphones zurück. Wie klingen »Microphones in 2020«?
Music Review
Adrian Younge, Ali Shaheed Muhammad & Marcos Valle
Jazz Is Dead 3
Auf »Jazz Is Dead 3« haben Adrian Younge und Ali Shaheed Muhammad diesmal Marcos Valle zu Gast.
Music Review
Arşivplak
Mirror. Turkish Disco Folk
Arşivplak? Wer das ist, weiß niemand. Sicher ist: Die neue Edit-Sammlung »Mirror« widmet sich türkischer Musik der Siebziger und Achtziger.
Music Review
Bright Eyes
Down in the Weeds, Where the World Once Was
»Down in the Weeds, Where the World Once Was«, ein Titel zur Zeit? Nein, das neue Bright-Eyes-Album steckt in der Vergangenheit fest.
Music Review
Sault
Untitled (Black Is)
Musik hat die Kraft zur Veränderung. Man hätte es fast vergessen können. Doch dann kamen Sault und mit ihnen »Untitled (Black Is)«.
Music Review
Takako Mamiya
Love Trip
Das einzige Album der japanischen Sängerin Takako Mamiya, »Love Trip« von 1982, wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Ennio Morricone
Nuovo Cinema Paradiso
Im Juli ist Ennio Morricone gestorben. Nun häufen sich die Releases. Eine ist der Soundtrack zu Giuseppe Tornatores »Nuovo Cinema Paradiso«.
Music Review
Electric Wizard
Dopethrone
»Dopethrone«, das Highlight der zugedröhnten britischen Doomrocker von Electri Wizard, wurde jetzt auf Schallplatte wiederveröffentlicht.
Music Review
DJn4
Tales Of Z
Wer hätte gedacht, dass Walter Moers einst als Inspirationsquelle für Freiform-Clubmusik dienen würde? Über »Talez Of Z« von DJn4.
Music Review
Protomartyr
Ultimate Success Today
Protomartyrs »Ultimate Success Today« ist musikalisch wie lyrisch hundertprozentig zeitgeistiger Sound zum Aufbegehren.
Music Review
Ka
Descendant Of Cain
»Descendants Of Cain« von Ka begleitet die konsequente Verwahrlosung der USA wie kein anderes Album dieses Jahr.
Music Review
Jaga Jazzist
Pyramid
So lange es Bands wie Jaga Jazzist gibt, hat Jazz nur ein Problem: Dass gute Alben wie »Pyramid« heutzutage viel zu wenig Leute erreichen.
Music Review
Various Artists
Kommerz Season 1: Anti-Virus
Wie klingt es, wenn Produzenten, die House Music machen, sich dem Beatmaking zuwenden. »Kommerz Season 1: Anti-Virus« zeigt: richtig gut.
Music Review
Various Artists
Black Fire - Soul Love Now The Black Fire Records Story 1975-1993
Manchmal ist das schon unheimlich, wie gegenwärtig die Vergangenheit sein kann: Über die auf Strut erschienene Compilation »Black Fire«.
Music Review
Otis Sandsjö
Y-Otis 2
Der Schwede Otis Sandsjö hat verfolgt seinen Ansatz eines liquiden Jazz auf seinem neuen Album »Y-Otis 2« weiter.
Music Review
The Robin Jones Seven
El Maja
Der britische Percussionist Robin Jones galt als einer der bestens seines Fachs. Nun hat Jazz Room sein Werk »El Maja« wiederveröffentlicht.
Music Review
Panasonic
Remix EP
Sähkö hat von Zoviet France und Muslimgauze geremixte Stücke von Panasonic von Mitte der 1990er Jahre ausgegraben und wiederveröffentlicht.
Music Review
De Ambassade
Standhouden
Der auch als Dollkraut bekannte Musiker Pascal Pinkert legt mit »Verwijder Jezelf« und »Standhouden« zwei neue Tracks als De Ambassade vor.
Music Review
Gerhard Heinz
OST The Story Of The Dolls
Mucke für Tage, an denen einem die Sonne aus dem Arsch scheint: »OST The Story Of The Dolls« von Gerhard Heinz wird wiedervöerffentlicht.
Music Review
Tommy Mandel
Music For Insomniacs
Tropische Nächte waren nie so geil: Invisible City Editions gräbt Tommy Mandels 1984 in Heimarbeit entstandenes »Music For Insomniacs« aus.
Music Review
Ebi Soda
Ugh
Jede Woche neue interessante Jazzbands aus Großbritannien: Nun haben die aus Brighton kommenden Ebi Soda ihr Debüt »Soda« veröffentlicht.
Music Review
Imagination
Shake It
Das Label The Artless Cuckoo veröffentlicht zum vierzigjährigen Jubiläum das vielgesuchte »Shake It« der Düsseldorfer Band Imagination neu.