Music Review | verfasst 28.03.2017
Conrad Schnitzler / Pole
Con-Struct
Bureau B, 2017
Text Andreas Brüning
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Redaktion
Cover Conrad Schnitzler / Pole - Con-Struct

Der 2011 gestorbene Komponist und Konzeptkünstler Conrad Schnitzler war Schüler von Joseph Beuys und Karlheinz Stockhausen und arbeitete Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger mit den Krautrockbands Cluster und Tangerine Dream. Der Klangsammler veröffentlichte danach nicht nur eine Menge elektronischer Soloalben, sondern legte im Laufe der Jahre zudem eine großes Schallarchiv für seine Live-Performances an. Im Rahmen der »Con-Struct«-Reihe nahmen sich bisher u.a. der Pyrolator und Schneider TM des Materials und seiner Bearbeitung an. Jetzt erweitert der Berliner Musiker und Produzent Stefan Bethke alias Pole das Konzept der Reihe und fügte dem Originalmaterial eigene Beats und Sounds hinzu. Dafür kommt ein alter Synthesizer, eine umgebaute Rhythmusmaschine und ein Modularsystem zum Einsatz, welches einige komplexe Sounds Schnitzlers verarbeitet und dabei dem Zufall eine wichtige Rolle zugesteht. Daraus ergaben sich bei den Aufnahmen fast so etwas wie improvisierte Jam-Tracks aus Poles minimalen Klangereignissen, Grooves und Pulses sowie Schnitzlers Soundbibliothek, die nur noch mittels Mischpult gedubbt werden mussten. Die Ergebnisse klingen mal entspannt behäbig und Cluster-krautig (»Wurm«), mal nach Poles Dub-Techno (»Wiegenlied für Katzen«, orchestral Soundtrack-würdig (»Und fängt den Vogel«) oder leichtfüßig perkussiv (»Lacht«).Stefan Bethke verpasst den Klängen Schnitzlers mit seinen Bearbeitungen einen ganz vorsichtigen Schubs in Richtung Dancefloor. Damit bringt er sie in einen völlig neuen und spannenden Kontext jenseits avantgardistischer Klangexperimente, die ihnen wirklich äußerst gut zu Gesicht steht.

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