Beat Freaks – Für die Nerds

18.04.2011
Foto:Robert Winter
Die Events der Beatevolutioners haben seit Jahren den Beat in seiner ganzen Formenvielfalt zum Thema. LeBob und Suff Daddy machen ihre Liebe zum gepflegten Beat nun mit der Veranstaltung »Beat Freaks« im Kreuzberger Monarch explizit.

Veranstaltungen, die sich der Herstellung von Beats widmen, haben derzeit auch in Deutschland Konjunktur. Die Events der Beatevolutioners haben schon seit Jahren den schönen, schlauen und avancierten Beat in seiner ganzen Vielfalt zum Thema. LeBob von den Beatevolutioners und der in Berlin lebende Producer Suff Daddy machen ihre Liebe zum gepflegten Beat nun in einer neuen Veranstaltungsreihe im Kreuzberger Club Monarch explizit. Das erklärte Ziel von »Beat Freaks«: »Ohne Kompromisse, selektiven Sound wiedergeben«. Die Details haben uns die beiden im Interview verraten.

Ihr macht jetzt also auch eine Beatmaker-Veranstaltung…
LeBob: Ja, aber eigentlich machen wir das jetzt schon seit 7 Jahren. 2003 fingen wir mit Beatevolution im nbi im Prenzlauer Berg an. Auch damals haben wir schon eigene Beats von Jim Dunloop und mir, unter dem Namen Jim Bob, in Kombination mit Scratches, Frestyle Raps und Live Keys angeboten. Leute wie Marc Hype, DJ Werd, Flowin’ Immo oder Blake Worrell von den Puppetmastaz waren einige der Gäste. Die Sounds von Prefuse 73, Machine Drum usw. lagen auch da schon auf dem Plattenteller. Seit Ende 2009 veranstalten wir fürs Kölner Label Melting Pot Music den »Hi-Hat Club Berlin«. Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl hier ist es, dass der gebuchte Künstler Produzent ist. Dieser Sound, der unter diversen Namen, also Glitch, Bleep Hop, Detroit Beats, Nu Soul, Wonky etc. existiert, taucht also schon eine ganze Weile bei den Veranstaltungen von Beatevolution auf.

Nur was unterscheidet eure Veranstaltung von den anderen?
Suff Daddy: Das kann ich gar nicht genau sagen, weil ich die anderen Veranstaltungen nicht kenne…
LeBob: Das Konzept ist das folgende: Bei »Beat Freaks« haben zwei Produzenten jeweils eine Stunde Zeit, ihre eigenen Werke darzubieten. Dabei ist es egal, ob die eigenen Beats live zusammengeschustert oder »nur« aufgelegt werden. An dem Abend ist dann Platz für den ganzen Nerdkram. Beat Freaks wird ohne Kompromisse, selektiven Sound wiedergeben.
Suff Daddy: Der Abend soll etwas für Nerds sein und wird sich immer an ein spezielles Publikum richten. Selbst wenn der Laden leer bleiben sollte.

»Nun gibt es etwas »Neues«, dass eine spannende Schnittmenge mit elektronischer Musik aufweist. Somit treffen sich plötzlich Musikliebhaber aus unterschiedlichen Genres vor dem DJ-Pult, was der ganzen Sache eine zusätzliche frische verleiht.« (Le Bob, Beatevolutioner)

Was macht die Agentur Beatevolution Networks, die sich auf die Verbreitung schöner Beats spezialisiert eigentlich genau?
LeBob: Na, wir verbreiten Beats, die nach unserem subjektivem empfinden Verbreitung verdienen. Sei es in Form von selbst veranstalteten Partys und Konzerten, als DJ-Team The Beatevolutioners, als ganz normale nationale und lokale Promo für Veröffentlichungen oder im Rahmen von Bookings. Etwas Marketing und Künstler Management kommen auch noch hinzu.

Wie erklärt ihr euch die zunehmende Faszination an Beats?
LeBob: Langeweile an ausgelatschten Pfaden… Ich glaube wir befinden uns in einer Phase, der Neuerfindung. Viele haben sich in den letzten zehn Jahren vom Standard-Rap/HipHop abgewendet, da sie sich nicht mehr damit identifizieren konnten. Nun gibt es etwas »Neues«, dass eine spannende Schnittmenge mit elektronischer Musik aufweist. Somit treffen sich plötzlich Musikliebhaber aus unterschiedlichen Genres vor dem DJ-Pult, was der ganzen Sache eine zusätzliche frische verleiht.

Wenn man nach Amerika schaut, so ist es bei all den Beatmakern der Westküste schwer, überhaupt noch von Hip Hop zu reden. Ist es euch wichtig weiter klare HipHop-Beats zu kreieren oder stören euch die wachsenden elektronischen Einflüsse nicht?
LeBob: Da müsste man jetzt mal wieder die Geschichte des Hip Hop auseinander nehmen: Diese fängt ja mit Disco an, ging mit Funk- und Jazz-Samples weiter und hat Mitte bis Ende der Neunziger die 80s-Popwelt als Samplequelle für sich entdeckt. Heute klingt Hip Hop in den Charts elektronischer als jemals zuvor. Man kann also sagen, das Hip Hop ohne andere Genres nicht existieren würde. Von daher halte ich das Gerede über Genres für Zeitverschwendung. Wir haben ja auch das Wort »Evolution« in unserem Namen und die hört bekanntlich nie auf. Außerdem sind die Genregrenzen in den letzten Jahren extrem gefallen. Es gibt viele, die sich ein Rapkonzert ansehen und ein paar Tage später raven gehen. Ich weiß aber auch, dass Suff das komplett anders sieht. 
Suff Daddy: Mir ist es sehr wichtig, dass es nach Hip Hop klingt. Ich bin da sehr konservativ.

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