Dream Koala – Momente der Entschleunigung

11.09.2014
Foto:Fabian Saul / © hhv.de mag
Der nicht einmal 20-jährige Franzose Yndi Ferreira nennt sich Dream Koala. Der Sound des inzwischen in Berlin lebenden Producers ist tatsächlich träumerisch. Dream Koala selbst bleibt dabei mit beiden Füßen auf dem Boden.

Es wird ja viel und gerne gemeckert über die Generation Internet. Und wenn dann ein junger Künstler namens Dream Koala daherkommt, der sich auf seinen Social Media-Profilen selbst auch noch als »vegan post J-pop« beschreibt, dann möchte man fast schon zum Kopfschütteln ansetzen. Doch Yndi Ferreira, wie der 19-Jährige eigentlich heißt, beweist mit seiner Musik und aufgeklärtem Verstand, dass anscheinend noch nicht alles verloren ist.

File under »vegan post J-pop«
Aber von vorne: Yndi Ferreira wächst als Kind brasilianischer Eltern in Paris auf, wo er schon früh gemerkt hat, dass Musik die Triebfeder in seinem Leben ist. Von Black Metal bis Bossa Nova kann er sich für alles begeistern und entschied sich so im zarten Alter von 16 Jahren als Dream Koala fortan sein eigenes Ding durchzuziehen. Seine erste Demo »You And I«, sowie die EP »Blur« klingen auch noch verhältnismäßig ungestüm und irgendwie so, als wollte Ferreira unbedingt unter »Chillwave« eingeordnet werden. Inzwischen jedoch ist es schwierig geworden, die Musik von Dream Koala in eine Schublade zu stecken, weshalb »vegan post J-pop« doch gar nicht so abwegig ist. Organische Klangkonstellationen sind verwoben mit teils satten Elektro-Beats und schaffen somit einen atmosphärischen Sound, der einen für die Dauer einer EP dazu animiert, auch zu einem verträumten Beuteltier zu werden.

Dream Koala wird erwachsen
Ende 2013 zieht Yndi Ferreira von Paris nach Berlin. Dort fühle er sich freier, kreativer und kommt mehr zu sich, wie er im Interview erzählt. Ob es aber auch an Berlin liegt, dass seine Single »Odyssey« und die EP »Earth. Home. Destroyed.« eher träumerisch als verträumt klingen, das weiß Dream Koala nicht so genau zu beantworten: »Ich versuche einfach nur, jedes mal besser und interessanter zu sein. Meine neuen Songs klingen definitiv erwachsener als mein altes Material.« Und düsterer. Auf »Earth. Home. Destroyed.« macht Dream Koala sich Gedanken über unser aller Zukunft: »Die Erde ist unser Zuhause und wir zerstören sie. Wir sollten verantwortungsvoller und bewusster mit ihr umgehen.« Man kann dem Franzosen also definitiv nicht vorwerfen, was häufig an seiner Generation beanstandet wird: Dass sie für nichts steht.

»Wenn ich an neuer Musik arbeite, bin ich darin vertieft, aber weiß manchmal nicht genau, wie sie dann am Ende entstanden ist.« (Dream Koala)

Back to Earth
Es ist trotzdem ein wenig überraschend, dass jemand der sich Dream Koala nennt, mit einer fast schon naiven Leichtigkeit ans Musikmachen herangeht und nichtsdestotrotz ganz klare Vorstellungen von dem hat, was am Ende dabei herauskommen soll. »Wenn ich an neuer Musik arbeite, bin ich darin vertieft, aber weiß manchmal nicht genau, wie sie dann am Ende entstanden ist.« Dennoch findet er: »Meine Songs sollen stimmig klingen und ich will mit ihnen eine Geschichte erzählen. Jede EP erzählt eine Geschichte.« Die Geschichte von »Earth. Home. Destroyed.« klingt trotz des optimistischen Untertons nach sehr viel Eskapismus und Zukunftsangst. Wenn er könnte, würde Dream Koala seine Sachen packen und der Erde den Rücken kehren? Nein. »Ich würde gerne das Weltall bereisen und all die verrückten Dinge da draußen sehen. Aber dann würde ich zurück zur Erde kommen. Ich mag diesen Planeten sehr und will ihn verbessern und es irgendwie schaffen, dass die Menschheit wieder zur Besinnung kommt.«

Live im Wald
Am liebsten natürlich mit seiner Musik, die ihn inzwischen den Planeten bereisen lässt, den er so gern hat. Meistens wird er dann für Club Shows gebucht, weil sein Sound unter dem Sammelbegriff »Electro« eingeordnet wird. Er habe sich daran gewöhnt, sagt er, dass er manchmal direkt nach aggressiven Trap-Beats und dergleichen performen muss. Wie kürzlich, als er im Berliner Club Gretchen mit xxyyxx auftrat. Mit seinen transzendenten Songs hat Dream Koala in dem ausverkauften Club Momente der Entschleunigung geschaffen. Könnte er es sich allerdings aussuchen, dann würde er am liebsten einmal mitten in einem Wald spielen: _»Dort gibt es dann nur Bäume und verrückte Sounds.«