Kokoroko am 27.September 2022 live im E-Werk in Erlangen

28.09.2022
Foto:Julian Fertl © HHV Records
Kokoroko eilt ihr Ruf als hervorragende Groove-Einheit auf den Bühnen dieser Welt voraus. Afrobeat, Jazz und Funk verbinden sie zu einem dringlichen, aber nie aufdringlichen Sound. Letzte Woche entlud sich die Energie ihres Zusammenspiels spät – aber dann richtig.

Erst vor ein paar Wochen erschien das aktuelle Album und Debüt der Briten namens »Could We Be More«. Ihre Mission darauf, wie vielerorts geschrieben: Jazz aus den elitären Kreisen wieder zurück in die Clubs bringen. Was Kokoroko an diesem Abend deutlicher auf der Bühne bewiesen, als es jede Aufnahme könnte.

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Zogen sie die ersten Minuten noch gemächlich in ihrem Sound dahin, bestens eingerichtet im Rhythmus von Bass und Drums, gab es bereits Szenenapplaus vom Publikum für das erste Posaunen-Solo. Bewährtes Muster, mit dem die Band Spannung aufbaute. Wer bei dem zweiten Song des Abends »Something’s Going On« genau hinhörte, konnte bereits ahnen, was sich da ankündigte. Ist der Titel ja selbst schon ein Versprechen. Langsam anfangen, dann die Intensität im Spiel mit jeder Minute hochfahren.

Das Publikum tanzt

Trompeterin Sheila Maurice-Grey nahm nur zu gerne eine Melodie auf und zog ihre Töne an die Grenze zu anderen Sphären. Jedoch nie in der Innenschau, sondern eben ganz im Geiste von Fela Kuti oder Ebo Taylor als jene Momente, die wirklich noch den letzten Stoiker in Bewegung versetzten. Ob das Publikum den Tanzschritt Two Step kenne?, fragte die für den Abend zum Sextett geschrumpfte Band von der Bühne. (Perkussionist Onome Ighamre musste eher abreisen.) Überflüssige Bauchlocherei: Das Publikum tanzte ja bereits. Selbst als das Keyboard zu einem abgespaceten Funk-Solo abhob. Nach dem ersten Set verbeugte sich die Band, als hätte gerade eine Aufführung in einem kleinen Theater ihr Ende gefunden. »Do you want more?«

In der Zugabe explodierte und entlud sich die ganze Energie von Kokoroko, alles, was sich die Stunde davor angestaut hatte. Der Rhythmus fuhr jedem in die Beine, die Luft elektrisiert von diesem Sound, diesem Zusammenspiel, die Band endgültig die Einheit, die alle beschrieben, der Beweis, dass sie einer der spannendsten Acts dieser Tage sind. Jeder Anschlag am Bass, jede Melodie der Gitarre, darüber stets und immer wieder Posaune und Trompete, darunter Drums und Keyboard; all dies floss zu einem Sound zusammen, der sich auf das Publikum legte wie eine Welle.

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Und da war es keine Frage mehr: Natürlich gehört Jazz in den Club, vor allem in diesem Zusammenspiel mit westafrikanischem Einfluss, mit Afrobeat, mit Funk. Nach eineinhalb Stunden ein abruptes Ende: Die Band verbeugte sich noch einmal, das Publikum davor hin und weg, Schweißtropfen auf der Stirn und in den Oberteilen. »Something’s Going On.« Wusste da jeder. Versprechen gehalten.