Polo & Pan – Eklektisch in den Weltraum

17.08.2021
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.

Wer sich zum ersten Mal einen Auftritt von Polo & Pan anschaut, staunt nicht schlecht, angesichts des virtuosen Genre-Hoppings des französischen Duos: Laid-back-Beats treffen auf Chansons, Cumbia auf Chorgesang, Filmmusik auf Deep-House, kuratiert zu einer vielfältigen, aber durchweg groovigen Playlist. »Wir waren früher häufig in dem Pariser Club ›Le Baron‹ gebucht, wo man sehr eklektisch aufgelegt hat«, erzählt Paul Armand-Delille im Interview. »Unsere Sets waren oft wie eine Reise durch die Musikgeschichte, du konntest einen Beatles-Song spielen und danach einen Hip Hop-Track oder wir haben alten Jazz mit modernen Beats kombiniert.«

Alt und neu kombinierten Paul und Alexandre Grynszpan dann auch, als sie sich 2013 erstmals zusammen ins Studio setzten: Auf ihrer ersten EP »Rivolta« holten sie den Gesang einer italienischen 1940er-Jahre-Band mit viel Disco-Bass und Loop-Schleifen ins 21. Jahrhundert, wenig später sampleten sie Brazil-Sounds, remixten den Vater des Easy Listening Ray Conniff und auf ihrem Debüt-Album »Caravelle« (2017) den Bossa-Nova-Star Edu Lobo. Dazu entwarfen sie einen Synth-Pop-Sound, bei dem Spuren von Jean-Michel Jarre und Sébastian Tellier auszumachen sind, ein Echo französischer Chansons – und Klassik.

»Unsere Eltern waren große Fans klassischer Musik, da haben wir viel von den Komponisten der Romantik und Moderne mitbekommen«, sagt Paul, dessen Partner Alexandre auch mehrere Jahre Cello spielte. Und so ist etwa der Opener »Côme« vom gerade erschienen Album »Cyclorama« von der Symphonik Schuberts inspiriert, während das Duo in »Artemis« die Harmonien eines Pré­ludes von Johann Sebastian Bach verwendet.

»Es kommt auf die Balance an: Benutzt du nur Plug-Ins klingt es sehr dünn, ist alles analog, wird es zu schwammig. Es ist eine Mischung von verschiedenen Quellen, die am Ende zu einem reichhaltigen Klang führt.«.«

Doch auch wenn solche Inspirationsquellen weit zurück liegen, klingt der Sound von Polo & Pan frisch und unique. »Ich denke, ein wichtiger Punkt ist, dass wir sehr viel analog aufnehmen«, gibt Paul einen Einblick in die Studioarbeit des Duos: »Wir nehmen also Percussion oder Stimmen mit Mikrofonen auf, was zu anderen digital erzeugten Sounds einen Kontrast bildet. Wir samplen auch viele Instrumente, benutzen aber genauso Plug-Ins und analoge Synthesizer und wir samplen von Vinyl oder digitalen Aufnahmen. Es kommt auf die Balance an: Benutzt du nur Plug-Ins klingt es sehr dünn, ist alles analog, wird es zu schwammig. Es ist eine Mischung von verschiedenen Quellen, die am Ende zu einem reichhaltigen Klang führt.«

Ein Element, das nun beim zweiten Album hinzukam, ist die Stimme von Paul, der im schwärmerischen »Feel Good« das Gute-Laune-Versprechen des Songtitels auch tatsächlich einlöst. Getoppt wird seine Gesangseinlage allerdings noch von US-Rapper Channel Tres, mit dem Polo & Pan den Song »Tunnel« produzierten: ein geheimnisvoller Clubgroover, der bei ihren Live-Shows für viel Bewegung sorgen dürfte.

Spätestens seit dem Erscheinen von »Caravelle« im Jahr 2017 sind Polo & Pan auch außerhalb Frankreichs sehr gefragt, nach einer längeren Corona-Pause stehen mittlerweile auch wieder die USA auf dem Tourplan und im März 2022 Berlin.

Auf die Frage, ob er sich auch vorstellen könnte, ein Virtual Reality-Konzert zu geben, winkt Paul ab. »Das könnte etwas für die junge Generation sein, die schon sehr an virtuelle Räume und das Verkleiden als Avatar gewöhnt ist«, ihn selbst hingegen interessiere das nicht. Allerdings hat das Duo, was neue Konzertformate angeht, einen anderen, durchaus ambitionierten Traum: eine Show im Weltraum. »Wir könnten uns ein Konzert an Bord eines echten Raumschiffs vorstellen, welches dann zur Erde gestreamt wird.« Kontakt zu SpaceX-Gründer Elon Musk gibt es offenbar schon, denn wie das Duo unlängst einem französischen Online-Portal verriet, starteten Polo & Pan das Jahr 2021 mit einem Spontan-Gig für Musk. »Wir hatten am Neujahrstag in Mexiko-City ein Konzert gespielt und wurden danach eingeladen, in einem Hotelzimmer aufzulegen.« Wie sich herausstellte, hatte der Tech-Unternehmer nur eine Etage höher eingecheckt und lud das Duo schließlich in seine Suite, wo dann eine noch größere Party stattfand. – Man mag ja von Elon Musks Weltraumabenteuern halten was man will, für gute Musik im Orbit wäre mit Polo & Pan in jedem Fall gesorgt.

Polo & Pan
Cyclorama
Caroline • 2021 • ab 29.99€