Shigeto – Glück im Unglück

09.07.2011
Foto:Valentin Menedette Valentin Menedetter
Bereits früh wurde klar, dass das Schlagzeug Shigeto’s Instrument war. Durch dubiose Umstände kam er zum Beatbasteln. Dabei zeichnete sich ein fragiler Sound ab, den er mit Live Drumming paart und dabei ganze Klangwolken schafft.

Bereits früh wurde klar, dass das Schlagzeug Shigeto’s Instrument war. Aufgewachsen in Ann Arbor, Michigan kam Zach Saginaw, Sohn japanischer Eltern, schon bald in Berührung mit der lokalen Szene, die aus Leuten wie Mayer Hawthorne, Dabrye und anderen bestand. Durch seinen Bruder kam er dem Beatbasteln näher. Saginaw zeichnet sich dabei durch seinen fragilen Sound aus den er mit seinem Live Drumming paart, und dabei ganze Klangwolken schafft, die wunderbar ausproduziert sind. Ghostly International ist der perfekte Kanal für Shigeto – zu seinen Label Kollegen zählen neben Altmeister Dabrye auch Gold Panda und Com Truise. Valentin Menedetter traf ihn in Wien.

Du hast bereits in jungen Jahren begonnen Schlagzeug zu spielen. Wann bist du mit elektronischer Musik in Berührung gekommen?
Shigeto: Ich bin, umgeben von meinen Freunden in Ann Arbor, in Michigan aufgewachsen. Wir haben alle sehr früh damit begonnen, elektronische Musik zu machen. In erster Linie HipHop-Beats. Ich war immer der Junge der zusah, der Drummer den sie sampeln wollten oder sie nahmen mich auf, wenn ich Break Beats oder Jazz spielte. Ich war immer nah dran an der Szene, aber nie ein Teil davon. Dabrye arbeitete bei Encore, einem Plattengeschäft. Dann gab es die Athletic Mic League, Mayer Hawthorne machte damals die Beats für sie. Das beeinflusste mich alles sehr und ich wollte ein Teil davon sein, andererseits fürchtete ich mich davor die Energie in Maschinen zu stecken. Als ich aufwuchs war ich ein Jazz-Snob. Ich war der Meinung, Improvisation kombiniert mit klassischer Technik sei das Ultimative.

»Irgendwann konnte ich nicht mal eine Zahnbürste halten. Ich konnte auch nicht mehr Schlagzeug spielen. (Shigeto)

Und was geschah dann?
Shigeto: Von 2003 bis 2007 lebte ich in London und bekam dort eine chronische Sehnenscheidenentzündung, an beiden Unterarmen, teilweise vom Schlagzeug spielen und von der Arbeit. Ich bereitete Spezialitäten in einen Restaurant vor, ich verwendete Messer, schnitt große Käse und solche Sachen. Irgendwann konnte ich nicht mal eine Zahnbürste halten. Ich konnte nicht mehr Schlagzeug spielen. Mein Bruder kam nach London und brachte eine Kopie von Reason 2.5 mit. Er überredete mich es auszuprobieren. Also fing ich an, damit zu experimentieren und kippte recht schnell hinein. Es war eine Möglichkeit mit meiner Unfähigkeit Schlagzeug zu spielen, fertig zu werden.

Als sich die Möglichkeit bot, etwas herauszubringen, hat dich das angespornt mehr zu produzieren?
Shigeto: Ja, die Songs ordentlich zu beenden, sich vor Augen zu führen, dass das bald draußen in der Welt sein wird. Es ist nicht nur mehr bloß für mich, obwohl es das immer ist. Aber wenn ich es auf einer professionellen Ebene teile, auch wenn es nur sehr klein ist, dann ist es trotzdem nicht mehr nur in meinem Schlafzimmer.

Hat das Produzieren mit Maschinen deinen kreativen Prozess verändert?
Shigeto: Ich glaube die elektronischen Geräte haben mir die Feinheiten, die man in einem Aufbau haben kann, näher gebracht. Die Art wie ich elektronische Musik produziere, ist immer noch sehr spielerisch. Ich bin wie ein Höhlenmensch, der mit futuristischen Instrumenten spielt, die er noch nie zuvor gesehen hat. Ich bin kein Technik-Typ. Es ist alles so als würde ich Schlagzeug spielen – alles ist live aufgenommen. Ich verwende meine eigenen Samples und keine besondere Aufnahmetechnik. Es geht nur darum, mich auszudrücken und einen Klang zu erzeugen, den ich mag. Als Schlagzeuger bin ich in meinem ganzen Leben nicht dazu gekommen meinen musikalischen Ideen vollen Ausdruck zu verleihen. Ich habe immer meine Idee zu der eines Anderen hinzugefügt.

»Ich habe mir zu 90 Prozent alles selbst beigebracht. Mit drei Jahren begann ich Schlagzeug zu spielen. « (Shigeto)

Fällt es dir als Schlagzeuger eigentlich schwerer, dich auf die Sound rund um den Beats zu konzentrieren?
Shigeto: Ich glaube es hat für mich als Schlagzeuger an Reiz gewonnen. Ich habe immer mit der Gitarre und dem Piano rumgespielt, ich hatte diese Melodien in meinem Kopf. Als ich begann elektronische Musik zu machen, war es fast so, dass der Beat so natürlich kam, dass es riesigen Spaß machte, die Melodien in die Struktur zu bauen und die Palette von Sounds zu verwenden, die ich ausgewählt hatte. Sobald ich das Skelett zusammen habe, investiere ich die meiste Zeit in den melodischen Aspekt und die Atmosphäre des Tracks.

Du hast auch Jazz studiert…
Shigeto: Mehr oder weniger, ich habe aufgehört. Ich habe mir zu 90 Prozent alles selbst beigebracht. Mit drei Jahren begann ich Schlagzeug zu spielen. Ich konnte natürlich nicht spielen; ich habe immer auf Dinge geschlagen… jedenfalls kauften mir meine Eltern ein kleines Schlagzeug. Es verstaubte viele Jahre in meinem Schrank. Mit zehn Jahren war mir eines Tages langweilig und ich erinnerte mich an das Schlagzeug… Ich baute es auf und – ich konnte spielen. Es war fast so, als ob mein Gehirn und mein Körper sich so weit entwickelt hatten, dass ich einfach verstand wie alles ablief. Ich studierte dann später mit Victor York, einem Jazzer aus Detroit. Er war eigentlich ein Alto-Saxofonist. Die Dinge, die er mir beibrachte, basierten alle auf der Philosophie von Gefühl. Er war kein Schlagzeuglehrer. Er brachte mir bei zu spielen, was ich fühlte.

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