Ausklang | New Music Friday – Neue Musik von Lone, Fatima, Jacques Greene u.v.m

02.05.14
Woche für Woche picken wir Tracks, die uns in den vorausgegangenen 7 Tagen nicht aus dem Kopf gehen wollten, deren Release auf den heutigen Tag fällt oder einem anderen Pseudogrund unterliegen. It’s new music, Napoleon!
»Feel What« by Jacques Greene
taken from his new EP »Phantom Vibrate« out now on LuckyMe
find it at hhv.de on 12inch
»Feel What« versprüht von der ersten Sekunde an Euphorie, fängt ab der dritten Minute erst richtig an, versprüht dann noch mehr Euphorie und hört gar nicht mehr auf damit. Wenn dieser Song ein Mensch wäre, müsste er morgen Unmengen an Schokolade essen, um wenigstens ein paar Glückshormone wiederherzustellen. Erreicht hat Jacques Greene diesen Effekt mit seiner üblichen Formel: Ein Vocal-Sample steht im Mittelpunkt, ist irgendwie emotional hin- und hergerissen, doch drum herum galoppieren die Steel-Drums aus und die Synths bekommen die Ohren langgezogen. »Do Better« by Fatima (prod. by Floating Points)
taken from her debut album »Yellow Memories, out May 12th on Eglo
find it at hhv.de on LP
Floating Points‘ Leben muss anstrengend sein. Wahrscheinlich kann er sich nicht einfach ein Nutella-Brot schmieren, sondern fährt jeden morgen auf den Markt, kauft frisches Obst- und Gemüse, presst sich selber Saft und belegt sich ein Brot, inspiriert vom Baustil des Rokoko. Wahrscheinlich übt er eine Bodenturnkür ein, während er sich die Zähne putzt. Einfach geht bei Floating Points nicht. Ambitioniert und virtuos muss es sein. So auch seine Produktion für »Do Better«, in der er mit Blasorchester Soul-Jazz macht. Beeindruckend und im Gegensatz zur Rolle rückwärts beim Putzen des Backenzahns auch, wie soll man sagen, lohnend und gewinnbringend.
»Streetfire Boncat« by I IM EYE MY
taken from their new cassette »7 Transmissions«, out May 6th on Not Not Fun
Ich lasse mich von Floating Points inspirieren mache es mir frühstücksmäßig heute auch kompliziert. Trage eine schwarze Kutte über nichts als nackter Haut, nein, ziehe mich noch mal normal an, renne zum 1-Euro-Laden, kaufe große Kerzen, ziehe mich dann wieder um, zünde die Kerzen an, mache den Rolladen wieder runter und bin bereit ein Opfer zu bringen. Es ist mein Frühstücksei. Ich lege es ins kochende Wasser. Brutal. Als Soundtrack hierzu dient mir »Streetfire Boncat«.
»Heart Of A Lion« by Boosie Badazz
Weniger kompliziert geht es bei Lil Boosie zu. Äh, Boosie Badazz heißt er jetzt, mit dem Kleinsein kann er sich nicht mehr identifizieren. Darum dreht sich auch »Heart Of A Lion«, in dem Boosie wie ein Ghettorumpelstilzchen herumhüpft und allen klar macht, dass er zwar nur 5‘7 klein ist, aber vom Herzen her ein Riese ist. Und Angst hat er nur vor einer Sache, wie er verlauten lässt: davor sich mit Aids zu infizieren. Ich tätschle dem Racker seinen Kopf und zeige ihm an der Banane, die ich mit Floating Points auf dem Wochenmarkt gekauft habe, wie man ein Kondom überstreift.
»Aurora Northern Quarter« by Lone
taken from his new album »Reality Testing«, out June 16th on R&S
find it at hhv.de on LP
Wie man mit einem Kondom umgeht, das weiß Lone. Der riskiert mit »Aurora Northern Quarter« nichts, lässt nichts anbrennen und bringt den Song befruchtungs- und geschlechtskrankheitenfrei ins Ziel. »Aurora Northern Quarter« klingt wie der typische Lone-Song und das ist auch gut so. So sexy kann Verhütung sein, liebe Kinder!
»Eww« by Young Thug
Für alle, die das oben Geschriebene eher eklig und daneben finden, kommt hier der Mottosong. »Eww, eww, eww«, so geht der Refrain von Young Thugs neuem Song. Das ist natürlich frech, weil noch weniger, als ein paar mal Versace im Refrain zu sagen. Aber Young Thug ist eben nicht nur ignorant und komplett schlecht ausgeleuchtet hinter der Stirn – hinter all dem Autotune und Hustensaft-Schwenken steckt bei Young Thug ein ausgeprägtes Gefühl für Melodien. Eigene Melodien, andere Melodien. Glaubt mir eh keiner. (Ist trotzdem Young Thugs größter Hit seit »Stoner« und »Danny Glover«.)
»Had My Guard Up To You (Since 92)« by Joanne Robertson (prod. by Dean Blunt)
Zum Abschluss noch die Schnittmenge aus Young Thug und Floating Points: der neue Track von Joanne Robertson, den Dean Blunt produziert hat. Hört sich auch nach Frühstücks-Akrobatik an, nur dass es dann anstatt Tee, der wie bei Floating Points aus fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen besteht, Hustensaft und Kiffe gibt, wenn dann tatsächlich mal gefrühstückt wird. Das ist auch mein Stichwort. Schönes Wochenende!