Ein Rausch der Gegensätze: Twin, das neue Album der American Cream Band, verklanglicht Dualitäten, erträumt Ambivalenzen und führt dazwischen einen Geistertanz auf, der jede eindeutig manifestierte Bedeutung untergräbt. Zwischen jazzig-rock’n’rolligen Tanztracks und psychedelisch schimmernden Traumlandschaften entfaltet sich ein Album, das Widersprüche nicht auflösen will, sondern sie nebeneinander bestehen lässt. Männliche und weibliche Stimmen, treibende Grooves und meditative Momente, Krautrock, Funk und Art-Pop bilden dabei keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Bewegung.
Gerade deshalb trifft Twin einen Nerv der Gegenwart. In einer Zeit, in der die Welt immer stärker nach Eindeutigkeit verlangt, setzt die American Cream Band auf Ambiguität. Das Album fragt nicht, wie sich Widersprüche überwinden lassen, sondern wie sie ausgehalten werden können. Vielleicht liegt genau darin seine größte Qualität. Wie der von Nathan Nelson zitierte Gedanke der coincidentia oppositorum fallen Gegensätze hier nicht auseinander, sondern finden in der Musik zu einer neuen Einheit. Fast wirkt die Platte daher wie ein musikalischer Kairos: ein Album, das den richtigen Moment erkennt, weil es den Mut hat, die Widersprüchlichkeit unserer Gegenwart nicht aufzulösen, sondern hörbar zu machen.

Twin