Melancholie, das ist Trauer über das Un(be)greifbare. Im Titel einer Compilation-Reihe, die sich mit dem musikalischen Erbe eines anno 1990 verschwundenen Landes befasst, steht dieser Begriff also genau richtig. Die Underground-Szenen der DDR sind schon seit geraumer Zeit das Objekt von Melancholie: Diverse Bücher, Musik-Compilations und Reissues haben in den vergangenen Jahren teilweise vage Ostalgie für DDR-DIY aufkommen lassen.
Als erste von drei gemeinsam von Iron Curtain Radio und tapetopia veröffentlichten Compilations nimmt United States Of Melancholia – Post Punk GDR 1982–1990 die Jahre nach der Punk-Explosion in den Blick, bevor die anderen jeweils New Wave und elektronische Experimente ins Zentrum stellen werden. Die 22 Stücke von weitgehend unbekannten Gruppen – Discogs-Recherchen führen nicht selten ins Leere – zeichnen ein wunderbar nuanciertes Bild davon, was diese Szene trotz diverser Widrigkeiten antrieb.
Kein Bock auf Stress mit den Obrigkeiten, kein Bock auf die bloße Imitation westlicher Post-Punk-Stile: Diese bisweilen doppelt vertretenen Gruppen setzten auf absurden Humor, aber keineswegs auf schon damals etablierte Formsprachen. Dementsprechend bietet sich diese Compilation, freilich nicht die erste ihrer Art, als Türöffner in das Treiben einer verästelten Szene an, deren Energie und Innovationsgeist hier greifbar werden – unerwartete Hits inklusive. Ein absoluter Gewinn, wo sonst nur Verlust betrauert wird.

United States Of Melancholia - Post Punk Gdr 1982-