Es beginnt mit dem Klirren von Gläsern und Geschirr. Dann eine Art Tischgebet über den Tod. Mehrere Menschen sprechen gleichzeitig. Nicht im Takt. Als eine sanfte Stimme anfängt zu singen, raschelt es im Hintergrund weiter. Der Eröffnungstrack von A Semblance: Of Return verankert das Album zwischen Alltag und Tod, zwischen dem uns Nächsten und dem uns je Eigenen.
Asher Gamedze scheut sich nicht, wie Christoph Benkeser in seinem lesenswerten HHV-Porträt herausgearbeitet hat, konzeptionell hochtrabend aufzutreten. Er zitiert Marx und vergleicht Musik mit Geschichtsschreibung. All das ist auch auf Gamedzes neuem Album präsent – und doch wirkt es geerdeter, verspielter, geradezu intim. A Semblance wird fast durchgängig von Küchengeräuschen grundiert. Das Album inszeniert Jazz-Improvisationen als Allegorien widerständiger Lebensformen.
So beginnt der Song »Distractions«, als würde jemand Töpfe als Percussion einsetzen. Ein Chor, Gamedze nennt ihn »Lesekreis«, skandiert: »Distractions – the freedom to unthink yourself.« Es geht also um einen Bruch mit zugewiesenen Rollen und Lebensentwürfen. Die eigenen vier Wände sind bei Gamedze nicht der Ort, an dem sich die Boheme vom politischen Leben zurückzieht. Sie sind seine Rückseite, ein Ort der Emanzipation – genauso wie die Straße oder die Betriebsversammlung. Das macht A Semblance: Of Return zu einem Album für alle, die schon einmal von einem besseren Leben geträumt haben – mit Freund*innen am Küchentisch.


