Review

Beirut

The Rip Tide

Pompeii • 2011

»Die beste Indie-Band des 19. Jahrhunderts«, wie einst der englische NME titelte, hat soeben mit The Rip Tide ihr drittes Studioalbum vorgelegt und während man The Flying Club Cup noch als Fortsetzung des überragenden Debüts Gulag Orkestar lesen konnte, wird spätestens nach dem zweiten Song des neuen Albums klar, dass The Rip Tide eine Zäsur im Schaffen von Zach Gordon und seiner Band darstellt. Beirut, das war ein Meer aus assoziativen Fetzen, gesammelt von einem Reisenden, der, so schien es, versuchte Gehörtes (zuerst in Osteuropa, später in Frankreich) nachzuspielen und dabei Stimmungen und musikalische Traditionen zu etwas Neuem, Eigenen vermengte, während den Texten stets eine, die gehörten Sounds imitierende, Unverständlichkeit eigen war. Diese Diffusität, das nicht exakt Artikulierte, das war Beirut. Anders nun auf The Rip Tide – musikalisch ausgedünnt und lyrisch präzise gearbeitet. Zach Gordon tritt hier nicht mehr nur als Musiker, als Sänger, als Arrangeur auf, er positioniert sich als Songwriter. Seine Texte sind verständlich, er versenkt sich nicht länger in die Musik, sondern zieht eine klare Linie ohne dabei vom schwelgerischen und erhebenden Sound seiner großartigen Band einbüßen zu müssen. Es scheint als habe Zack Gordon seine wilden Träume der ersten beiden Platten mit The Rip Tide gezähmt ohne sie dabei zu verleugnen.

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Beirut
Rip Tide
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