Review

Blood Orange

Cupid Deluxe

Domino • 2013

Seit Prince klang Schnulzigkeit nicht mehr so gut. Dev Hynes hat sich in den letzten Jahren als prägende Figur für Künstler, die sich im Spannungsfeld zwischen Mainstream und ›Indie-Cred‹ bewegen, etabliert. Theophilus London, Sky Ferreira, Solange u.a. haben auf einem Instrumental von Dev Hynes den nächsten Schritt vollzogen. Mit »Cupid Deluxe« meißelt Hynes seinen Sound nun in Stein. Wobei ›meißeln‹ und ›Stein‹ keine passenden Begriffe für Blood Orange sind. Eher pinselt er mit schwungvollen Strichen sein Klangbild auf eine Leinwand aus Plüsch und trägt dabei popo-betonende Shorts. »Cupid Deluxe« bietet sich an, der Soundtrack für einen Soft-Porno zu sein, der auf extra kitschig gemacht ist und ihn dem alles strahlt und glitzert, wie bei Nicole Kidman und Robbie Williams in ihrer Winter-Hütte. Das Album ist die stimmige Fortsetzung von »Coastal Grooves«, das noch mehr wie eine Sammlung von über die Zeit entstandenen Songs klang. 80er-Glam-Rock trifft 80er-Glam-Disco trifft 80er-Glam-Pop. Hauptsache 1980er und Glamour. Und R&B. Herausragend ist dabei Hynes Gespür für Harmonien: Meistens lässt er kurz vor dem Refrain einen Synth-Sound anschwellen, worauf er oder ein Gast dann den Refrain singt, bevor er wieder mit post-koitaler Zittrigkeit in der Stimme in die Strophe geht. In denen zupft Hynes sich durch funky Bass-Läufe, rasselt hier, spielt da Klavier, lässt hier das Xylophon rollen. Richtig gute Pop-Songs! Verschiedene Gäste halten dabei die Spannung hoch. Natürlich ist ein Gast eine Frau, die in Englisch mit französischem Akzent von dem »most beautiful boy in the world« redet.