Review

Blood Orange

Freetown Sound

Domino • 2016

Wenn schon nicht von Sound und Inhalt her bleibt sich Devonte Hynes doch in der gesamten Herangehensweise, Musik zu schaffen, absolut treu. Denn unpassende Lyrics in gängigen Genre-Konventionen aufgehen zu lassen, hat er schon als Lightspeed Champion versucht, indem er seine bösen, wütenden Trennungselegien in orchestralen Folk goss. Nun beim dritten Album als Blood Orange scheint er sich auf seine Lieblingsthemen und Lieblingsgenres eingeschossen zu haben und gleichzeitig endgültig in New York angekommen zu sein. Davon ist auch die recht prominent besetzte Gästeliste mit unter anderem Debbie Harry und Nelly Furtado ein deutliches Indiz. An den großen Sample-Alben der Dust Brothers wollte Dev Hynes sich orientieren und tatsächlich ist »Freetown Sound« so etwas wie ein alternatives »Paul’s Boutique«: Neo-R’n’B auf Hip Hop-Beats, nur eben mit Soulgesang statt Raps. Mit viel Saxophon und noch mehr Gefühl singt Blood Orange über Rassismus und Sexismus, allerdings eben im Duktus sanfter Michael-Jackson-Balladen. So politisch war Kuschel-Soul selten oder umgekehrt: so sexy hat man die musikalische Auseinandersetzung mit der Stellung von Schwarzen und Frauen in den heutigen USA noch nicht zu Ohren bekommen. Die Form eines Mixtapes oder auch einer Radio-Show mit vielen Wortbeiträgen zwischen den ineinander übergehenden Songs und wiederkehrenden Melodien passt erstaunlich gut zu diesem atemlos aufregenden Werk.