Cindy klingt zunächst wie der Name einer einzelnen Künstlerin. Tatsächlich verbirgt sich dahinter die Band um Songwriterin Karina Gill aus San Francisco, die mit Another Country ihr fünftes Studioalbum vorlegt. Der Titel verweist auf den gleichnamigen Roman von James Baldwin, in dem die Figuren nach Nähe, Zugehörigkeit und ihrem Platz in der Welt suchen.
Genau diese Fragen durchziehen auch das Album. Cindy interessieren sich jedoch weniger für eindeutige Antworten als für die Gefühle dazwischen: Sehnsucht, Unsicherheit, Erinnerungen und jene schwer greifbaren Momente, die sich jeder klaren Sprache entziehen. Die Songs fühlen sich dabei an wie kleine Momentaufnahmen aus dem Alltag: ein flüchtiger Gedanke, eine kurze Begegnung oder ein Gefühl, das plötzlich auftaucht und genauso schnell wieder verschwindet. Gerade das macht den Reiz von Another Country aus. Die Stücke verraten nie alles, sondern lassen genug Raum zum Weiterdenken.
Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Indie-Folk und Dream-Pop. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Gitarrenriffs, die sich wie ein roter Faden durch die Platte ziehen und zu Cindys unverwechselbarer Soundsignatur werden. Auf »Procession« klingen sie ruhig und mitschwingend, fast so, als würden sie im Hintergrund vor sich hin treiben. »Daytime« dagegen wirkt deutlich belebter. Die Gitarren springen und tänzeln durch den Song und verleihen ihm eine unbeschwerte, glückliche Stimmung. Über allem liegt Karina Gills sanfte Stimme, die durch warme, leicht verträumte Klanglandschaften führt, in denen man sich gerne ein bisschen länger verliert.

Another Country